Bremerhavener Synagoge soll besser geschützt werden

  • Videoüberwachung und verstärkte Polizeipräsenz
  • Unbekannte haben Hakenkreuz auf Außenwand geschmiert
  • Gemeinde fühlt sich bedroht und erstattet Anzeige
Mircea Ionescu an der Synagogenmauer in Lehe
Der erste Vorsitzende der jüdischen Gemeinde "Menorah", Mircea Ionescu, an der Außenmauer der Synagoge, an denen mehrere weiße Übermalungen zu sehen sind.

Nach dem Farbanschlag auf die Synagoge in Bremerhaven-Lehe soll diese künftig mit einer Kamera überwacht werden. Darauf und auf weitere Sicherheitsmaßnahmen hat sich die Stadt mit der jüdischen Gemeinde im Bundesland Bremen und mit der Polizei verständigt. Unbekannte hatten Anfang der Woche ein Hakenkreuz an die Wand der Synagoge geschmiert. Die Polizei wird in dem Gebiet künftig auch häufiger Streife fahren und Veranstaltungen der Gemeinde schützen.

Wir werden alles tun, was notwendig ist, um die Synagoge und jüdisches Leben in Bremerhaven zu schützen.

Bremerhavens Kulturstadtrat Michael Frost auf einer Pressekonferenz.

Man sei stolz auf die Synagoge in der Stadt, und bisher sei man auch stolz darauf gewesen, dass sie keinen besonderen Schutz brauchte. Antisemitismus sei aber bundesweit ein Phänomen und letztlich auch in Bremerhaven. Darüber sei er enttäuscht, so Bremerhavens Kulturstadtrat Michael Frost auf einer Pressekonferenz am Freitagvormittag. Vertreter der jüdischen Gemeinde äußerten ihr Entsetzen. Es sei nun leider Zeit für Schutzmaßnahmen wie in Bremen, sagte die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Bremen, Elvira Noa. Die Bremerhavener Polizei hatte nach eigenen Angaben keine Hinweise darauf, dass ein Anschlag auf die Synagoge drohen könnte. Wer die Tat verübt hat, ist noch unklar.

Der Staatsschutz ermittelt

Der Vorfall hat sich wahrscheinlich in der Nacht zum Dienstag ereignet, die Polizei hat ihn aber erst am Donnerstag veröffentlicht. Laut Polizei handelte es sich um ein 50 Zentimeter großes "seitenverkehrtes" Hakenkreuz. Die Stadt ist Eigentümerin des Gebäudes und hat die Schmierereien übermalen lassen. Die Ermittlungen hat der Staatsschutz übernommen, da es sich beim Hakenkreuz um ein Kennzeichen einer verfassungswidrigen Organisation handelt.

Einen Tag, nachdem die Schmiererei entdeckt wurde, haben Mitarbeiter der jüdischen Gemeinde "Menorah" Anzeige erstattet. Die Mitglieder fühlten sich durch den Vorfall durchaus bedroht, sagte der erste Vorsitzende der Gemeinde, Mircea Ionescu, zu Radio Bremen. "Das ist schwer zu verkraften." Einige Gemeindemitglieder hätten Angst, andere seien einfach nur traurig. Bremerhaven sei kein Ort, an dem die Gemeinde sich nicht wohlfühle. Aber man merke den Antisemitismus.

Sieling: "Bremen steht fest an der Seite der Gemeinden"

Synagoge Bremerhaven
Die Synagoge an der Straße Kleiner Blink in Lehe wurde 2000 eingeweiht. In ihr sind zwei jüdische Gemeinden beheimatet.

Bremens Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) zeigte sich über den Anschlag bestürzt. "Ich verurteile ihn auf das Schärfste. Diese Tat muss umgehend aufgeklärt werden, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen." Bremen stehe fest an der Seite der jüdischen Gemeinden in Bremen und Bremerhaven.

Die Synagoge im Stadtteil Lehe wurde im Jahr 2000 eingeweiht. Vorher hatte sie als amerikanische Militärkirche gedient. In dem Haus sind sogar zwei jüdische Gemeinden untergebracht. Es sei seit seiner Eröffnung bereits mehrmals mit Symbolen beschmiert worden, so Gemeinde-Vorsitzender Iunescu. Ihm seien mindestens drei solcher Vorfälle bekannt. Die Stadt will sich nun mit der Polizei, der jüdischen Gemeinde und dem Landesrabbiner abstimmen, wie man mit dem jüngsten Fall umgehen soll.

Parteien verurteilen Farbanschlag

Bremerhavens Bürgermeister Paul Bödeker (CDU) und Kulturstadtrat Michael Frost (parteilos) verurteilten den Anschlag am Donnerstag. Sie forderten, die Synagoge per Video zu überwachen. Das könne zwar keine Anschläge verhindern, aber helfen, die Täter schneller zu fassen, argumentiert Bödeker. Auch viele Politiker aus Bremen erklärten sich solidarisch mit der jüdischen Gemeinde, darunter Bremens Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) sowie die Bürgerschaftsfraktionen von SPD, Grünen, CDU und der Partei Die Linke. 

Synagogen-Gedenkstein im Sommer attackiert

Erst im Sommer hatte es in Bremerhaven eine Hammer-Attacke auf den Gedenkstein für die ehemalige Synagoge in der Schulstraße gegeben. Ein nach Angaben der Polizei psychisch kranker Mann hatte den Stein irreparabel beschädigt. Am 9. November, dem Jahrestag der Reichspogromnacht, wurde ein neuer Stein eingeweiht.

  • Boris Hellmers

Dieses Thema im Programm: Hörfunknachrichten, 30. November 2017, 13 Uhr