Bahnstrecke Bremen-Leer bis Sonntag gesperrt

  • Stark betroffene Strecke über Oldenburg voraussichtlich bis 15. Oktober blockiert
  • Züge fahren seit Montagabend wieder von Bremen nach Hamburg
  • Bahnstrecke von Bremen nach Osnabrück soll am Dienstag wieder befahrbar sein
Menschen stehen an einem Bus Schlange.

Auch fünf Tage nach dem Sturm über Norddeutschland sind immer noch einige wichtige Strecken blockiert. So kündigte eine Sprecherin der Deutschen Bahn am Montag an, die Strecke von Bremen nach Leer über Oldenburg könne wohl bis zum 15. Oktober nicht genutzt werden. Auf der Strecke seien die Beschädigungen noch schwerer als zunächst angenommen. Unter anderem wurde ein Strommast aus seinem Fundament gerissen. Busse sind im Einsatz.

Auch zwischen Bremen und Hamburg ging bis Montagabend nichts. Erst seit 20 Uhr fährt der Metronom wieder zwischen den beiden Städten – allerdings nur einmal in der Stunde und nach wie vor mit Verspätung. Die Metronom-Züge, die auf allen Unterwegsbahnhöfen halten, enden jetzt aus Hamburg kommend in Sagehorn. Busse verbinden laut Metronom-Angaben Sagehorn und den Hauptbahnhof in Bremen, die Busse bedienen aber nicht den Bahnhof Bremen-Oberneuland.

Der Ersatzverkehr mit Bussen dauert länger als die Fahrt mit dem Zug – außerdem gibt es weniger Plätze, und Fahrräder können nicht transportiert werden. Das gilt für alle Strecken, auf denen Busse als Ersatz für die ausfallenden Züge zum Einsatz kommen.

Strecken nach Bremerhaven und Hannover wieder frei

Freigeräumt ist mittlerweile die Strecke zwischen Bremen und Hannover. Auch zwischen dem Bremer Hauptbahnhof und Bremerhaven-Lehe fahren die Züge wieder. Deutsche Bahn und Nordwestbahn warnen allerdings, dass es weiterhin zu Verspätungen kommen kann. Reisende nach Uelzen können wieder die Strecke über Langwedel und Soltau nutzen.

Fernzüge sollen am Dienstag wieder fahren

Die Fernzüge zwischen dem Ruhrgebiet und Hamburg sollen voraussichtlich Dienstagfrüh wieder fahren. Auf der Strecke zwischen Bremen und Osnabrück gibt es nach wie vor Behinderungen, aber auch dort sollen voraussichtlich Dienstagmorgen wieder Züge rollen. Bis dahin rät die Deutsche Bahn Fernreisenden, die nach Nordrhein-Westfalen oder ins südwestliche Niedersachsen wollen, den Umweg über Hannover zu nehmen – der Fernverkehr lief am Montag noch weitgehend an Bremen vorbei. Nur die ICE-Züge zwischen Bremen und Hannover (und weiter nach Berlin und München) fuhren wieder.

Die Schienen in der Region sind auf mehr als 1.000 Kilometern Länge beschädigt: Bäume, Äste und Dutzende umgeknickte Masten blockieren viele Strecken. Manche Schäden entdecken die Trupps erst beim Aufräumen, so ein Bahnsprecher. Darum sind ganz genaue Zeitangaben, wann die jeweilige Strecke wieder frei ist, nicht möglich. Reisende sollten sich vor Reisebeginn erkundigen, ob ihr Zug auch tatsächlich fährt.

Bahn-App verursacht Informationschaos

Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisiert, dass es für gestrandete Zugreisende keine Informationen gab. "Niemand kann etwas dafür, wenn Bäume auf Schienen und Oberleitungen fallen", sagte der Vorsitzende nach Zeitungsangaben. Es müsse aber ein Konzept für so einen Fall geben.

Einige gestrandete Fahrgäste waren am Freitag nur mit Taxi und Bus weitergekommen, andere mussten in Hotels oder speziell hergerichteten Zügen übernachten. Außerdem meldeten Reisende Probleme mit der App der Deutschen Bahn. Dort wurden Züge angezeigt, die tatsächlich gar nicht fahren konnten. Nach wie vor liefern andere Bahngesellschaften nicht die Echtzeit-Daten ihrer Züge an das System der Deutschen Bahn.

Eine Sprecherin der Deutschen Bahn erklärte, dass Kollegen gerade dabei seien, die Ursachen für die Fehlanzeigen zu finden. "Wenn uns die Privatbahnen keine aktuellen Daten zur Verfügung stellen, können wir sie allerdings auch nicht übernehmen", so die Sprecherin. Doch auch im System der Deutschen Bahn habe es "gehakt".

Metronom kritisiert niedersächsische Bahnstrecken

Die Metronom Eisenbahngesellschaft hatte am Freitag bereits den Zustand der Bahnstrecken in Niedersachsen kritisiert. "Die Strecken müssen in einem Zustand sein, der jederzeit eine sichere, verlässliche und pünktliche Fahrt zulässt", sagte ein Sprecher. Dafür müssten die Bäume entlang der Bahnschienen regelmäßig beschnitten werden. Dies sei aufgrund von Umweltauflagen aber häufig nicht möglich.

"Wir fordern, dass die betroffenen Verkehrsunternehmen, die verantwortlichen Behörden, die Umweltschutzorganisationen und die DB Netz AG einen Weg zu einer engeren Zusammenarbeit finden. Gemeinsam müssen wir Lösungen finden, die einen sicheren und zuverlässigen Eisenbahnverkehr auch bei Sturm und Regen gewährleistet“, so der Sprecher weiter.

Ein weiterer Vorwurf von Metronom und Nordwestbahn an die Deutsche Bahn: Die Nahverkehrsstrecken seien später freigeräumt worden als die für den Fernverkehr. Die privaten Eisenbahngesellschaften fordern einen runden Tisch zum Thema Grünschnitt. Und die Niedersächsische Landesnahverkehrsgesellschaft gibt ihnen Recht: Der Baumbestand an Bahnstrecken sei ein großes Thema.

Dieses Thema im Programm: Hörfunknachrichten, 9. Oktober 2017, 21 Uhr