Massiver Wassereinbruch: "Seute Deern" liegt auf Grund

  • Schiff geriet in dramatische Schieflage
  • Segler sank auf den Grund des Alten Hafens
  • Pumpen hatten versagt
Die Seute Deern mit Schlagseite

Das historische Segelschiff "Seute Deern" im Alten Hafen von Bremerhaven ist in der Nacht zum Samstag in eine kritische Schieflage geraten. Grund dafür war ein massiver Wassereinbruch. Wie der Geschäftsführer des Deutschen Schifffahrtsmuseums, Konrad Otten, buten un binnen bestätigte, waren die Pumpen ausgefallen, die schon seit Jahren rund um die Uhr eingedrungenes Wasser aus dem Schiffsrumpf pumpen. Die Ursache dafür ist noch unklar.

Schiff kann nicht betreten werden

Wie die Feuerwehr Bremerhaven auf Nachfrage von buten un binnen mitteilte, wurde sie kurz vor 22 Uhr zum Schiff gerufen. Ein Passant hatte das schiefliegende Schiff bemerkt und den Notruf gewählt. Ein Sprecher beschrieb die Situation als "teilweise dramatisch".

Traditionsschiff Seute Deern liegt schief im Hafenbecken
Die Schieflage der Seute Deern ist auch am Morgen deutlich zu sehen.

Feuerwehrleute konnten in der Nacht das Schiff betreten, musste es aber nach kurzer Zeit aus Sicherheitsgründen wieder verlassen. Die ersten Planken der Außenhaut waren bereits gebrochen. Der Steg zum Schiff ist eingestürzt. Die Stahlseile, die das Schiff halten, drohten zu reißen. Das Technische Hilfswerk musste sie mit einem Spezialgerät aus der Ferne durchtrennen.

Im Laufe der Nacht sank das 75 Meter lange Holzschiff auf den Hafengrund ab. Die "Seute Deern" liegt nun rund zwei Meter tiefer als sonst. Feuerwehr und Technisches Hilfswerk legten Ölsperren aus, um zu verhindern, dass mögliche Schadstoffe auslaufen.

Schiff kann noch nicht leer gepumpt werden

Die Einsatzkräfte können das Schiff einem Sprecher zufolge derzeit nicht leer pumpen. Es sei unklar, wie das Schiff reagieren würde und was beim Absinken beschädigt worden sei. Experten behalten insbesondere die Masten im Blick. Sollten die ins Wanken kommen, müsse sofort eingegriffen werden, sagte ein Sprecher des Schifffahrtsmuseum. Ansonsten liege das Schiff fest im Schlick, so die Einschätzung eines Sachverständigen.

Dreimaster weiträumig abgesperrt

Das Museum habe inzwischen einen Gutachter bestellt, der sich ein Bild über die entstandenen Schäden verschaffen und die Sicherung des Schiffes koordinieren soll, teilte das Museum am Sonnabend mit. Mit ersten Ergebnissen sei in der kommenden Woche zu rechnen. Aus Sicherheitsgründen ist der Dreimaster weiträumig abgesperrt. Das Museum sei jedoch weiterhin geöffnet.

Das Absinken ist nicht das erste Unglück bei der "Seuten Deern" in diesem Jahr. Im Februar waren Teile des Schiffs in Brand geraten. Danach musste das Restaurant an Bord dauerhaft schließen. Über die Zukunft des Schiffes gibt es noch keine Klarheit. Im Raum steht ein Sanierungsprogramm in Höhe von mehr als 30 Millionen Euro. Die Direktorin des Schifffahrtsmuseum, Sunhild Kleingärtner, sagte, sie sei schockiert. Die Situation müsse jetzt komplett neu bewertet werden.

Autoren

  • Boris Hellmers
  • Catharina Spethmann

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 30. August 2019, 10 Uhr