Fragen & Antworten

Wie Sie Ihre Angehörigen vor falschen Polizisten schützen

Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) nennt Bremen einen Hotspot für Straftaten gegen ältere Menschen. Wie die Betrüger vorgehen und was Sie dagegen tun können, erfahren Sie hier.

Eine Frau hält sich einen Telefonhörer ans Ohr.
Oft werden ältere Menschen Opfer von Betrügern. (Symbolbild)

Obwohl die Polizei schon lange vor falschen Polizisten warnt, fallen der Betrugsmasche bundesweit immer mehr ältere Menschen zum Opfer. Das geht aus aktuellen Zahlen des Bundeskriminalamtes hervor. Kriminelle, die sich am Telefon als Polizeibeamte ausgeben, brachten alte Menschen im vergangenen Jahr allein in Niedersachsen um Erspartes in Höhe von 4,7 Millionen Euro. In Bremen sanken die Straftaten gegen ältere Menschen im Vergleich von 2017 zu 2018 zwar – nämlich von 400 auf 341. Doch Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) nennt Bremen "bei diesen Delikten" einen Hotspot. Hier erfahren Sie, wie die Täter vorgehen und wie Sie Ihre Angehörigen schützen können.

Warum haben die Täter trotz aller Warnungen weiterhin Erfolg?
"Die falschen Polizisten üben am Telefon massiven psychischen Druck aus", sagt der Göttinger Angstforscher Borwin Bandelow. "Sie sagen, man solle niemanden anrufen, keine Verwandten, nicht die Polizei und nicht die Bank. Denn überall gebe es Maulwürfe." Dabei werde durch geschickte Gesprächsführung eine Atmosphäre erzeugt, in der die Opfer am Ende nur noch dem Anrufer vertrauten.
Wie gehen die Anrufer vor?
"Sie manipulieren ihre Opfer", sagt eine BKA-Sprecherin. Sie erzählten überzeugende Geschichten über drohende Straftaten, so dass sie Geld und Wertgegenstände in Sicherheit bringen müssten. "Durch wiederkehrende Anrufe über einen längeren Zeitraum erhöhen die Täter den psychischen Druck, damit die Opfer keinen klaren Gedanken mehr fassen können", sagt die Sprecherin. Ziel der Betrüger sei es, dass Bargeld und Wertgegenstände an der Wohnungstür einem vermeintlichen Polizisten übergeben oder an einem vereinbarten Ort abgelegt werden.
Welche Menschen sind besonders gefährdet?
"In ersten Linie sind dies Menschen, bei denen die kognitiven Fähigkeiten aufgrund des Alters bereits nachgelassen haben", sagt Sebastian Fiedler, der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK). "Wer zum Opfer wird, muss aber nicht zwangsläufig dement sein", meint Angstforscher Bandelow. Gefährdet seien auch intelligente Menschen, wenn sie alleinstehend seien, wenig soziale Kontakte und keine Vertrauenspersonen hätten, mit denen sie über die Anrufe sprechen können.
Wo sitzen die Täter?
Nach Angaben des BKA kommen die Anrufe meist aus Call-Centern in der Türkei. Dort sitzen nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft Hannover auch die Hintermänner. Es handele sich teilweise um Rockergruppen oder Clans, die vorher im Drogen- oder Rotlichtgeschäft tätig waren, sagt BDK-Chef Fiedler. "Die haben gelernt, dass die Polizisten-Masche lukrativ ist." Die mittlere Ebene der hierarchisch strukturierten Banden bilden nach Angaben der Staatsanwaltschaft sogenannte Logistiker, die die Betrügereien vor Ort organisieren. Zum Fußvolk gehören die Abholer, die ausgeschickt werden, um die Beute einzusammeln.
Wie oft wurden Täter gefasst und verurteilt?
Zahlen dazu gebe es nicht, berichtet das BKA. Allerdings werden immer wieder Bandenmitglieder gefasst. Die Zahl der Delikte wird trotzdem nicht geringer. "Denn es springen immer neue Betrüger auf die Masche auf", sagt der BDK-Vorsitzende Fiedler.
Was können Angehörige tun?
Angehörige sollten ältere Verwandte im Blick behalten und finanzielle Auffälligkeiten direkt ansprechen, rät das BKA. Sie sollten dafür sorgen, dass die Senioren keine größeren Bargeldbeträge im Haus haben. Sinnvoll wäre es auch, im Zweifelsfall die Telefone älterer Angehöriger so zu schalten, dass sie nur erwünschte Anrufe erhalten, rät der BDK-Vorsitzende Fiedler.
Was macht die Bremer Polizei, um die Menschen zu schützen?
Laut einem Sprecher werden regelmäßig Beratungen angeboten. So gebe es zum Beispiel kostenlose Seminare, in denen Verhaltenstipps anhand von konkreten Fallbeispielen vermittelt werden sollen.

Großrazzia gegen "Falsche Polizisten"

ein weißer Schriftzug mit dem Wort
  • Milan Jaeger

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 4. Januar 2019, 21 Uhr