Abstimmung eindeutig: "Schulschiff Deutschland" soll nach Bremerhaven

Die Mitglieder des Schulschiffvereins haben über den Liegeplatz abgestimmt. Die Mehrheit votierte für Bremerhaven. Ob der Entscheid bindend ist, ist aber unklar.

Video vom 12. April 2021
Das Schulschiff Deutschland in Bremen-Vegesack im Sonnenuntergang.
Bild: Ingrid Krause / BTZ Bremer Touristik-Zentrale
Bild: Ingrid Krause / BTZ Bremer Touristik-Zentrale

Die "Schulschiff Deutschland" soll von Bremen-Vegesack nach Bremerhaven verlegt werden. Die Mehrheit der Mitglieder des Schulschiffvereins hat sich laut Vereinsvorstand für den Umzug des Schiffs ausgesprochen. Bis vergangenen Samstag hatten die rund 250 Mitglieder des Schulschiffvereins Zeit, über den Liegeplatz des Seglers per Brief abzustimmen. 175 Mitglieder hatten sich beteiligt, 133 votierten für Bremerhaven, 38 für Vegesack und vier Mitglieder enthielten sich. Der Vorstand des Vereins hatte sich zuvor bereits für einen Umzug nach Bremerhaven ausgesprochen.

Ob der Mitgliederentscheid bindend ist, ist noch nicht klar. Gegner der Verlegung kritisieren, dass die Entscheidung bei einer regulären Mitgliederversammlung gefällt werden müsse. Sie hatten zuletzt angekündigt, den Umzug per einstweiliger Verfügung stoppen zu wollen.

Bremerhaven bietet Unterstützung für das Schulschiff

Die Verhandlungen mit der Stadt Bremen über den bisherigen Liegeplatz im Stadtteil Vegesack waren laut Schulschiffverein gescheitert. In Vegesack verdient der Verein mit dem Schiff nicht genug. Der Bremer Senat habe aber keine Zusage über eine feste Fördersumme machen wollen. Das war dem Vereinsvorstand zu unverbindlich.

Die Stadt Bremerhaven habe hingegen einen Liegeplatz im Neuen Hafen, direkt zwischen Klimahaus, Zoo am Meer und dem Auswandererhaus, und Unterstützung im Wert von insgesamt 220.000 Euro angeboten. Für den Standort spricht laut Vorstand auch, dass durch den Tourismus in Bremerhaven mit wesentlich mehr Besuchern zu rechnen ist. Das Schiff würde dann auch am Weser-Radweg liegen. Radfahrer und andere Touristen könnten dann in einem der rund 60 Betten übernachten.

Ein Schiff mit langer Geschichte

Der 1900 gegründete Schulschiffverein war damals Auftraggeber für den Bau des Schiffes: Am 14. Juni 1927 hatte das Dreimast-Vollschiff "Schulschiff Deutschland" seinen Stapellauf. Erbaut wurde es in der Tecklenborg-Werft in Bremerhaven-Geestemünde. In seinem Heimathafen an der Hunte in Elsfleth war der Großsegler in den Anfangsjahren wenig: Auf 12 Überseereisen und 17 Ausbildungsfahrten lernten Tausende junge Seeleute ihr Handwerk. Auch während des Zweiten Weltkrieges wurden noch etwa 800 Offiziersanwärter auf der "Schulschiff Deutschland" ausgebildet.

Um das Schiff bei Kriegsende nicht an die Alliierten zu verlieren, richtete der damalige Kapitän es als Lazarettschiff ein. Auf Weisung der britischen Marine, die Lübeck im Mai 1945 besetzte, wurde das Schulschiff 1946 nach Cuxhaven verholt, wo es als Wohnschiff für Minenräum-Einheiten diente. 1948 wurde es dann in die amerikanische Besatzungszone in Bremen geschleppt, um einer Auslieferung an die Briten zu entgehen.

Erst Jugendherberge, dann Seemannsschule

Ab 1948 wurde das Schiff im Europahafen zu einer Jugendherberge umfunktioniert. 1950 ging es dann von den Alliierten wieder an den Schulschiffverein über, der es umfassend instandsetzen ließ. Anschließend warf die "Schulschiff Deutschland" in Woltmershausen flussabwärts der Stephaniebrücke ihren Anker.

Das Schiff lag nun direkt neben einem Schulgebäude für nautische Schiffsoffiziersanwärter. Sie absolvierten hier den praktischen Teil ihrer Ausbildung. Zwanzig Jahre lang fungierte das Segelschiff als Seemannsschule, bis es 1972 abermals umgebaut und als Schulinternat und Ausbildungswerkstatt genutzt wurde.

Seit 1994 steht die "Schulschiff Deutschland" unter Denkmalschutz. Ein Jahr später zogen Schlepper sie zu umfassenden Renovierungsarbeiten in die Bremer Vulkan-Werft, um sie möglichst originalgetreu herzurichten. Der inzwischen schwarz gefärbte Schiffskörper wurde wieder weiß gestrichen, ein Deck aus Edelholz gefertigt. 5,5 Millionen DM kosteten die Umbauten. Pünktlich zum Jahrestag des Stapellaufes wechselte der Großsegler 1996 schließlich an seinen Liegeplatz an der Lesum-Mündung in Bremen-Vegesack. Dort bot der Verein unter anderem Besichtigungen, Übernachtungen und Hochzeiten an Bord an.

Rückblick: Streit um Schulschiff "Deutschland" – Bleibt sie in Bremen-Vegesack?

Video vom 9. März 2021
Das Schulschiff Deutschland an der Vegesacker Promenade.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Sonja Harbers Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 12. April 2021, 19:30 Uhr