Polizei geht mit Razzia gegen Geldwäsche-Netzwerk in Bremerhaven vor

Beamte eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) während eines Einsatzes.
Bild: DPA | Boris Roessler
Bild: DPA | Boris Roessler
  • Massiver Einsatz auch in Hannover und 23 Städten in NRW
  • Mehr als 80 Gebäude durchsucht
  • Mehr als 1.400 Polizisten im Einsatz

In Bremerhaven, Hannover und in 23 Städten in Nordrhein-Westfalen hat es am frühen Morgen einen massiven Polizeieinsatz gegeben. Wie die Polizei mitteilte, durchsuchten dabei mehr als 1.400 Beamte, darunter auch Spezialeinheiten, mehr als 80 Gebäude.

Die Aktion richtete sich gegen ein seit 2016 international agierendes Netzwerk, das 140 Millionen Euro ins Ausland verschoben haben soll. Die Ermittler stufen das Netzwerk als kriminelle Vereinigung ein und ermitteln gegen 67 Verdächtige. Elf von ihnen wurden am Mittwoch verhaftet.

Ein Gebäude in Bremerhaven durchsucht

Der Schwerpunkt des Großeinsatzes war in Nordrhein-Westfalen. In Bremerhaven wurde eine Geschäftsstelle durchsucht, es wurden dabei aber keine Haftbefehle vollstreckt. Polizisten aus Bremerhaven waren nicht an dem Einsatz beteiligt. In der Stadt Bremen gab es keine Durchsuchungen. NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) sprach von einem "Paukenschlag" gegen die Organisierte Kriminalität.

Es seien Autos, Geld und Gold im Wert von mehr als drei Millionen Euro sichergestellt worden – und eine Stereoanlage im Wert von 100.000 Euro. Auch ein Steuerberater habe unangemeldeten Besuch bekommen.

Wir haben heute einen extrem ergiebigen Geldhahn abgedreht. Das war ein verdammt dickes Ding.

Herbert Reul (CDU), Ministerpräsident Nordrhein-Westfalen

Das Geldwäsche-Netzwerk hatte aber offenbar nicht nur rein kriminelle Ziele: Bei einem der Verhafteten, einem 39-jährigen Syrer, soll es sich um einen Terroristen der islamistischen Al-Nusra-Front handeln. Zwei weitere Verdächtige seien als islamistische Gefährder bekannt, vier als sogenannte "relevante Personen" des islamistischen Spektrums.

Den Beschuldigten werden weitere Taten quer durch das Strafgesetzbuch vorgeworfen, darunter Geiselnahme, Raub, Drogenhandel, gewerbsmäßiger Bandenbetrug und Terrorfinanzierung. Die 67 Verdächtigen seien zwischen 18 und 67 Jahre alt und überwiegend Syrer (44), unter ihnen seien aber auch 10 Deutsche, 5 Jordanier und 4 Libanesen. Insgesamt zählten die Ermittler acht verschiedene Nationalitäten. 80 Prozent der Verdächtigen seien Sozialleistungsbezieher. Ihnen drohten nun, je nach Tatvorwurf, bis zu 15 Jahre Haft.

Gruppe soll Hawala-Transfers genutzt haben

Die Gruppe wird nach WDR-Informationen beschuldigt, mehr als 100 Millionen Euro aus illegalen Geschäften in die Türkei und nach Syrien geschafft zu haben. Die Ermittler der Staatsanwaltschaft Düsseldorf sind demnach davon überzeugt, dass das Geld unter anderem aus dem Drogenhandel stammt und gewaschen werden sollte. Es soll in Syrien teilweise auch zur Terrorfinanzierung benutzt worden sein.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Rundschau am Mittag, 6. Oktober 2021, 12 Uhr