Großrazzia in Bremen: Ermittler durchsuchen mehr als 20 Gebäude

  • Großeinsatz der Polizei: Vier Festnahmen in Bremen und dem Umland
  • Polizei ermittelt wegen Bestechlichkeit und gewerbsmäßigen Betrugs
  • Bremer Innensenator setzt Pressekonferenz an
Video vom 18. März 2021
Ein Polizist steht in einem Gebäude in Bremen-Hemelingen
Bild: DPA | Sina Schuldt
Bild: DPA | Sina Schuldt

Bundeskriminalamt und Bremer Polizei haben am frühen Morgen eine Großrazzia gegen die organisierte Kriminalität durchgeführt. Wie das Bundeskriminalamt (BKA) mitteilte, haben die Ermittler im Auftrag der Bremer Staatsanwaltschaft an mehr als 20 Wohn- und Geschäftsadressen in Bremen und dem Umland Durchsuchungsbeschlüsse vollstreckt. Vier Männer im Alter von 29 bis 40 Jahren seien dabei festgenommen worden. Gegen sie hätten Haftbefehle wegen des Verdachts des bandenmäßigen Handels mit Betäubungsmitteln vorgelegen.

Unter den Beschuldigten sind den Angaben zufolge auch zwei Polizisten im Alter von 36 und 40 Jahren. Gegen den 36-jährigen Beamten besteht der Verdacht der Bestechlichkeit, der Verletzung von Dienstgeheimnissen, der Geldwäsche und des Betruges. Gegen die 40-jährige Polizeibeamtin laufen die Ermittlungen wegen des Verdachts der Verletzung von Dienstgeheimnissen. Der 36-jährige Beamte werde jetzt suspendiert, die 40-jährige Beamtin vom Dienst entbunden.

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Ermittlungen sollen in der Innendeputation besprochen werden

Insgesamt richten sich die Ermittlungen gegen zwölf Beschuldigte im Alter zwischen 29 und 59 Jahren. Gegen einige von ihnen besteht laut Bundeskriminalamt auch der Verdacht der Geldwäsche. Dem Bürgerschaftsabgeordneten Mustafa Kemal Öztürk von den Grünen zufolge, wird sich auch die Innendeputation in ihrer Sitzung am Donnerstag mit den Ermittlungen beschäftigen.

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Birgit Bergmann von der Bremer FDP bezeichnet die Aktion als einen ermutigenden Schlag gegen die Organisierte Kriminalität. "Das war richtig gute Polizeiarbeit", so die innenpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion. Dass aber Kriminelle möglicherweise Einfluss auf Polizisten haben, stelle ein hohes Sicherheitsrisiko dar.

Vor diesem Hintergrund haben wir als FDP-Fraktion heute [am Donnerstag] eine Kleine Anfrage an den Bremer Senat gerichtet. Wir möchten vom Senat wissen, ob Versuche der Unterwanderung der Polizei durch die Organisierte Kriminalität in Bremen und Bremerhaven bekannt sind.

Birgit Bergmann (FDP), innenpolitische Sprecherin

Beamte finden Geld, Waffen und sichern Beweismittel

Bei den Durchsuchungen wurden den Ermittlern zufolge Bargeld, Mobiltelefone, diverse Schusswaffen mit Munition und Magazinen, verschiedene Speichermedien und weitere schriftliche Aufzeichnungen als Beweismittel sichergestellt.

Darüber hinaus wurden Vermögensarreste für fünf Beschuldigte in einer Höhe von insgesamt rund 500.000 Euro beantragt. Das Geld soll aus dem Verkauf von insgesamt fünf Kilogramm Cannabis und rund 14 Kilo Kokain stammen. Sollten die sogenannten Vermögensarreste durchgesetzt werden, können die Beschuldigten nicht mehr auf das Geld zugreifen.

Ermittlungen laufen schon seit knapp zwei Jahren

Der Einsatz geht auf die Arbeit einer gemeinsamen Ermittlungsgruppe zurück. Seit Mitte 2019 ermitteln das Bundeskriminalamt und die Bremer Kriminalpolizei unter der Leitung der Bremer Staatsanwaltschaft. Schon im Februar konnten die Ermittler in diesem Zusammenhang Bargeld, Drogen und Waffen beschlagnahmen.

Innensenator will Maßnahmen in Gesamtkontext bringen

Nach dem Durchsuchungs- und Ermittlungsmaßnahmen durch das BKA will Bremens Innsensenator Ulrich Mäurer (SPD) am Freitag gemeinsam mit Polizeivizepräsident Dirk Fasse über die aktuelle Aktion informieren. In der entsprechenden Mitteilung der Polizei wurde der Einsatz als "erfolgreicher Schlag im Kampf gegen die Clankriminalität in Bremen" bezeichnet. In der geplanten Pressekonferenz soll auch zum weiteren Umgang mit dem beschuldigten Beamten und der Beamtin informiert werden.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 18. März 2021, 19:30 Uhr