Frau in Weser versenkt: Landgericht Verden verhängt lange Haftstrafen

Das Landgericht in Verden
Seit Februar müssen sich drei Angeklagte vor dem Landgericht Verden verantworten – bisher schweigen sie zum Tatablauf. Bild: DPA | Carmen Jaspersen
  • Frau nackt an eine Betonplatte gefesselt und in der Weser versenkt
  • Drei Angeklagte vom Landgericht Verden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt
  • Tötungsdelikt konnte das Landgericht Verden nicht nachweisen

Im Mordprozess um den Tod einer in der Weser versenkten 19-Jährigen hat das Landgericht Verden die drei Angeklagten am Donnerstag zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Ein Tötungsdelikt konnte die Kammer den zwei Männern und der Frau nicht nachweisen.

Sicher ist demnach, dass die 19-Jährige auf dem Grundstück des 41-jährigen Angeklagten starb. Die genauen Umstände, wie die Frau ums Leben kam, konnte der Prozess nicht klären. Sicher ist jedoch, dass der nackte Leichnam auf einer Betonplatte festgebunden und im niedersächsischen Kreis Nienburg über ein Brückengeländer in den Fluss geworfen wurde.

Haftstrafen für alle Angeklagten

Nach dem Urteil muss der 41-Jährige acht Jahre ins Gefängnis – wegen schwerer Zwangsprostitution, Vergewaltigung, versuchter Vergewaltigung, versuchter sexueller Nötigung und gefährlicher Körperverletzung durch Unterlassen. Der 54-jährige Angeklagte wurde zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt – wegen Beihilfe zur Zwangsprostitution, Beihilfe zur Vergewaltigung, Beihilfe zur versuchten Vergewaltigung, Beihilfe zur versuchten sexuellen Nötigung und gefährlicher Körperverletzung durch Unterlassen. Die 40-jährige Angeklagte muss dem Urteil zufolge zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Die Kammer sah Beihilfe zur Zwangsprostitution, Beihilfe zur Vergewaltigung, Beihilfe zur versuchten Vergewaltigung, Beihilfe zur versuchten sexuellen Nötigung, gefährliche Körperverletzung durch Unterlassen und unerlaubte Abgabe von Betäubungsmitteln als bewiesen an.

Die Anklage hatte den drei Deutschen Mord vorgeworfen. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Todesursache konnte nicht genau bestimmt werden

Der Prozess konnte nicht abschließend klären, wie die psychisch schwer kranke junge Frau starb. Der Staatsanwältin zufolge ist unklar, ob sie im April 2020 lebend oder tot über ein Brückengeländer in den Fluss geworfen wurde.

Ein Binnenschiffer hatte die Leiche knapp drei Wochen nach der Tat gefunden. Die Frau war unbekleidet an einer Betonplatte festgebunden und im Fluss versenkt worden. Da die Leiche lange im Wasser lag und bestimmte Standards bei der Obduktion nicht eingehalten wurden, konnte die Todesursache nicht eindeutig bestimmt werden.

Opfer war psychisch krank und hätte Hilfe gebraucht

Fest stand aus Sicht der Staatsanwaltschaft, dass die Angeklagten grausam und menschenverachtend handelten. Demnach hätte die 19-Jährige, die an einer paranoiden Schizophrenie erkrankt war, dringend medizinische Hilfe gebraucht. Doch der 41-Jährige habe die junge Frau "gekauft" und versucht, sie als Prostituierte zu vermarkten – gemeinsam mit seinem damals besten Freund und seiner früheren Partnerin.

Als sich der Gesundheitszustand der 19-Jährigen rapide verschlechterte, sei sie in eine Garage gebracht worden. Was dort geschah, ist unklar, denn die Angeklagten schwiegen.

Die Staatsanwaltschaft argumentierte, es sei naheliegend, dass die 19-Jährige lebend versenkt wurde. Sie räumte jedoch auch ein, dass es möglich sei, dass sie in der Garage getötet wurde. Denkbar auch, dass die junge Frau bewusstlos war und die Angeklagten dachten, sie sei tot, als sie sie in die Weser warfen.

Staatsanwaltschaft forderte lebenslange Haft

In ihrem Plädoyer hatte die Staatsanwaltschaft für die drei Angeklagten lebenslange Haft wegen versuchten Mordes durch Unterlassen und wegen Menschenhandels gefordert. Die Nebenklage schloss sich dem an. Die Verteidigung hielt indes deutlich niedrigere Strafen für angemessen.

Die Anwältin des 41-Jährigen beantragte eine Freiheitsstrafe unter fünf Jahren wegen Menschenhandels und gefährlicher Körperverletzung durch Unterlassen. Der Anwalt des 54-Jährigen forderte für seinen Mandanten eine Verurteilung wegen Beihilfe zum Menschenhandel und wegen gefährlicher Körperverletzung durch Unterlassen. Die Anwältin der 40-Jährigen beantragte eine Verurteilung zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren wegen gefährlicher Körperverletzung durch Unterlassen und wegen unterlassener Hilfeleistung.

Umgang mit Abgründen: Was bewegt Richter und Gerichtsreporter?

Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 21. Oktober 2021, 19:30 Uhr