Nach Havarie: Bergung von Containern kann noch Monate dauern

  • Suche nach Containern wird wegen Sturmtief unterbrochen
  • 220 von 281 über Bord gegangenen Containern wurden lokalisiert
  • Frachter "MSC Zoe" wird in Bremerhaven entladen
Handdampfreiniger hängen in einem Fischernetz
Ungewollter Beifang: Handdampfreiniger haben sich in einem Krabbennetz verfangen. Bild: Verband der Deutschen Kutter- und Küstenfischer | Hendrik van der Ploeg

Die Suche nach rund 20 noch vermissten Containern des Riesen-Frachters "MSC Zoe" ist bis mindestens Mitte der Woche unterbrochen. Grund ist ein heraufziehendes Sturmtief. Bis die georteten Container geborgen sind, kann es noch Monate dauern. Wie lange das Schiff noch in Bremerhaven liegt, ist unklar. Laut Hafenkapitän müssen rund 500 beschädigte oder verkantete Container mit Spezialgerät von Bord geholt werden, bevor es weiterfahren kann.

Der größte Teil der über Bord gegangenen Container ist mittlerweile auf dem Meeresboden geortet worden. 220 der 281 Behälter habe man mit Sonartechnik lokalisiert, teilte das niederländische Ministerium für Infrastruktur und Wasserwirtschaft mit. 18 weitere Behälter seien an Land gespült worden. Die "MSC Zoe" hatte vorige Woche auf dem Weg nach Bremerhaven die Container verloren, unter ihnen zwei mit gefährlicher Ladung. Ein Behälter mit 250 Säcken voller toxischer Peroxide in Pulverform war aufgebrochen, einige Säcke waren angespült worden. Von dem anderen Gefahrgut-Container mit 1.400 Kilo Lithium-Batterien fehlt noch jede Spur. Es bestehe aber keine akute Gefahr für die Umwelt, teilte das Ministerium mit. Ein großer Teil der Container liegt nach Angaben der Behörden an zwei Stellen auf der Schifffahrtsroute nördlich der niederländischen Wattenmeer-Inseln Terschelling und Schiermonnikoog sowie östlich davon in Richtung der deutschen Insel Borkum. Der Schiffsverkehr werde nicht behindert.

Küstenfischer befürchten Beschädigungen durch Treibgut

Deutsche Küstenfischer befürchten derweil, dass große Kunststoff- oder Metallteile ihre Netze beschädigen können. Einen "ersten Vorgeschmack" auf den möglichen Beifang verkündete der Verband der Deutschen Kutter- und Küstenfischer: Einem Kapitän aus Greetsiel gingen jede Menge Handdampfreiniger ins Krabbennetz. Fischerkollegen aus den Niederlanden hätten zudem von Fängen berichtet, die von Kompressoren über Flachbildschirmen bis hin zu Sandalen gereicht hätten.

Für die Fischer bedeuteten die verlorenen Container eine ernsthafte Gefahr: Bleibt ein Grundschleppnetz an einem gesunkenen Container hängen, zerreißt es möglicherweise. Schlimmstenfalls passieren tödliche Unfälle, wie schon in der Vergangenheit, teilt der Verband der Kutter- und Küstenfischer mit. Zudem bestehe ein hohes Kollisionsrisiko mit Containern, die knapp unter der Meeresoberfläche treiben.

Reederei bedankt sich bei Havariekommando

Die Reederei MSC hat nach eigenen Angaben mehrere Firmen mit Such- und Aufräumarbeiten beauftragt und dankt dem Cuxhavener Havariekommando für die Unterstützung, insbesondere aus der Luft. Die Bergung bereits gefundener Container ist schwierig, da die großen Stahlboxen zumindest teilweise mit Wasser vollgelaufen und deswegen sehr schwer sind. Die Reederei teilte am Samstag in einer Pressemitteilung mit, dass sie so lange weitersuchen will, bis der letzte Container gefunden wurde. Außerdem versichern sie, dass die Strände sowohl in den Niederlanden als auch in Deutschland so lange überwacht werden sollen, bis sie komplett von der angetriebenen Ladung befreit sind. Auch die Übernahme der vollen Kosten kündigte die Reederei in ihrer Presseerklärung an.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 5. Januar 2019, 10 Uhr