Mysteriöses Vogelsterben: Blaumeisen sterben an Lungenentzündung

  • Seit Wochen verenden ungewöhnlich viele Blaumeisen
  • Forscher finden Erreger
  • Bakterium verursacht Lungenentzündungen
Eine Blaumeise auf einem Holzpfeiler
Seit Wochen verenden auch in Bremen ungewöhnlich viele Blaumeisen. Bild: DPA | Dirk Rueter

Als Grund für den Tod ungewöhnlich vieler Blaumeisen in den vergangenen Wochen haben Experten ein Bakterium ausgemacht. "Die bei uns untersuchten Tiere sind alle an einer Lungenentzündung gestorben, für die das Bakterium Suttonella ornithocola der Auslöser war", sagte eine Sprecherin des niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) am Mittwoch.

Der Erreger sei jeweils aus den inneren Organen der Tiere isoliert worden, hieß es von der Behörde. Demnach handelt es sich um ein Bakterium, das 1996 in England und Wales erstmals für ein massives Meisensterben verantwortlich gemacht wurde. 2018 wurde der Erreger im Zusammenhang mit einem Versterben von Meisen erstmalig in Nordrhein-Westfalen beschrieben. Ein Gefährdungspotenzial für Menschen oder andere Tiere scheine nicht zu bestehen, hieß es unter Verweis auf eine noch spärliche Datenlage dazu.

In betroffenen Gärten müssen Anziehungspunkte wie Futter- und Badestellen umgehend beseitigt werden, damit Vögel sich weniger leicht gegenseitig anstecken können. Social Distancing hilft auch bei Vogel-Seuchen, Ansteckungen zu reduzieren.

NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller

Der Naturschutzbund (Nabu) hatte zuletzt über ungewöhnlich viele tote Blaumeisen berichtet – auch in Bremen. Wie der Nabu am Mittwoch mitteilte, wurden ihm innerhalb von nur zwölf Tagen 13.800 Fälle aus Deutschland gemeldet, die etwa 26.000 Vögel betrafen. Nach Angaben des Laves konnte die Infektion aktuell in den Landkreisen Ammerland und Diepholz nachgewiesen werden.

Erreger ist für Menschen und Haustiere ungefährlich

Der Erreger ist auch nach der Einschätzung des Nabu für Menschen und Haustiere ungefährlich. Da Vögel aber auch an anderen Krankheiten gestorben sein könnten, sei im Umgang mit den toten Tieren immer Vorsicht geboten. Um Ausmaß, räumliche Verbreitung und Verlauf der Epidemie ermitteln zu können, ruft der Naturschutzbund weiter dazu auf, verstorbene Vögel über sein Online-Formular zu melden.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 16. April 2020, 11.15 Uhr