Aktivisten bekennen sich zu Farbanschlag auf Bremer St.-Martini-Kirche

  • Feministische Gruppe schickt Bekennerschreiben an buten un binnen
  • Farbanschlag richtet sich demnach gegen Evangelikale
  • Aktivistinnen besetzen am Montag auch ein Kohleschiff in Hastedt
Die Martinikirche ist mit Farbe beschmiert.
Große Flächen der Kirche wurden mit Farbe beschmiert. Bild: Radio Bremen

Nach einem Farbanschlag auf die Kirche der St-Martini-Gemeinde an der Bremer Schlachte haben Aktivisten ein Bekennerschreiben an buten un binnen geschickt. Die Polizei prüft aktuell die Echtheit des Dokuments, das den Ermittlern zufolge von einer "den Flinta-Personen nahestehende Gruppe" stammt. Laut eigenen Angaben nahmen die Verfasser den Weltfrauentag zum Anlass, die Kirche mit Farbe zu "verschönern". Der Staatsschutz der Bremer Polizei ermittelt.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag hatten die Täter große Teile der Außenwände der Kirche und des Gemeindehauses mit blau-lila-rosaner Farbe versehen. Bilder einer Überwachungskamera zeigen laut Polizei vier maskierte Menschen, die mit Feuerlöschern die Außenwände der Kirche bespritzen. In dem vermeintlichen Bekennerschreiben heißt es, dass "solange Evangelikale das schöne Leben bedrohen, wir sie weiter offensiv angehen werden".

Anschließend bekennen sich die Verfasser solidarisch mit allen Flinta-Personen. Die Abkürzung Flinta steht in diesem Zusammenhang für Frauen, Lesben und nicht-männliche Personen, die sich nicht mit gängigen Vorstellungen von Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualität identifizieren.

Evangelische Kirche verurteilt die Tat

Die Bremische Evangelische Kirche (BEK) hat die Tat verurteilt und betont in einer Mitteilung, dass solche Attacken inakzeptabel seien. In einer Demokratie dürfe das kein legitimes Mittel der Meinungsäußerung sein.

Wir werben für gewaltfreie und respektvolle Formen der Auseinandersetzung. Keine Form der Gewalt, sei sie verbal oder eine Tätlichkeit, sei sie an Kirchen, Moscheen und Synagogen, trägt zum friedlichen Miteinander bei.

Bernd Kuschnerus, Kirchenausschuss der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK)

Die evangelische St.-Martini-Gemeinde stand in der Vergangenheit immer wieder im Fokus der Öffentlichkeit, weil deren Pastor Olaf Latzel wiederholt mit umstrittenen Predigten und Aussagen polarisierte. Ende November 2020 wurde er vom Amtsgericht Bremen wegen Volksverhetzung zu einer Freiheitsstrafe von drei Monaten verurteilt, umgewandelt zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 90 Euro.

Die Martinikirche ist mit Farbe beschmiert
Die Polizei hofft darauf, dass Zeugen Hinweise geben können. Bild: Radio Bremen

In der Begründung zum Urteil hieß es, Latzel habe in einem auf Youtube verbreiteten Eheseminar zum Hass gegen Homosexuelle aufgestachelt. Im Verlauf des Seminars warnte er unter anderem, Homosexualität sei eine "Degenerationsform von Gesellschaft" und "Überall laufen die Verbrecher rum vom Christopher Street Day". Latzel legte gegen das Urteil Berufung vor dem Landgericht ein. Die St-Martini-Gemeinde hält zu ihrem Pastor – trotz der juristischen Vorwürfe und eines Predigtverbots, das die BEK Latzel in Folge des Urteils auferlegt hatte.

Mehrere Protest-Aktionen zum Weltfrauentag

Die Farbattacke auf die Kirche war nicht die einzige feministische Protest-Aktion am Sonntag. Anlässlich des Weltfrauentages zogen am Sonntagvormittag etwa 30 Personen durch die Östliche Vorstadt. Die Demonstrantinnen blockierten laut Polizei die Fahrbahn, hielten Banner hoch und brannten Feuerwerkskörper ab. Die spontane Demo wurde aufgelöst, die Teilnehmerinnen versuchten zu flüchten.

Am Montag blockierten Aktivistinnen dann ein Kohleschiff am Kraftwerk in Bremen-Hastedt. Eigenen Angaben zufolge demonstrierten sie damit gegen die Nutzung fossiler Brennstoffe.

Nachrichten vom 7. März: Farbanschlag auf St.-Martini-Gemeinde

Video vom 7. März 2021
Farbanschlag auf die bremer Martini-Kirche.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 8. März 2021, 19:30 Uhr