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Bremer Polizei: Stimmung an Osterdeich und Schlachte immer aggressiver

Audio vom 15. Juli 2021
Ein Polizeiwagen steht auf der Bürgermeister-Smidt-Brücke
In den vergangenen sechs Wochen hat die Polizei fast dreimal so viele Beleidigungen und Raubdelikte geahndet wie im Vorjahr. Bild: Radio Bremen | Jörn Hüttmann
Bild: Radio Bremen | Jörn Hüttmann

Zuletzt hat die Polizei fast fünfmal so viele Bedrohungen geahndet wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Vor allem aggressive junge Männer stehen im Fokus.

Die Kriminalität an der Bremer Schlachte und am Osterdeich hat spürbar zugenommen. Das ergibt sich aus Zahlen der Polizei, die buten un binnen vorliegen. Demnach hat es in den vergangen sechs Wochen 550 Prozent mehr Bedrohungen als im selben Zeitraum im Vorjahr gegeben – und 266 Prozent mehr Raubfälle. Wir klären die wichtigsten Fragen zu diesen Zahlen.

Die Zahlen klingen sehr hoch – ist man an der Schlachte und am Osterdeich jetzt nicht mehr sicher?
Der Blick auf die Prozentzahlen könnte das vermuten lassen. Schaut man sich die realen Zahlen der Delikte an, sieht das schon etwas anders aus. Bei den Bedrohungen, also Mord- oder Gewaltandrohung, ist die Zahl den Angaben zufolge von zwei Fällen im Juni/Juli 2020 auf 13 Fälle in diesem Sommer gestiegen. Bei den Diebstählen verhält es sich ähnlich: Die Anzahl wuchs von drei auf 13 Fälle. Auch Körperverletzungen kamen häufiger vor: Die Zahl stieg laut Polizei von 68 auf 86.
Wie kommt dieser Anstieg zustande?
Einer Polizeisprecherin zufolge handelt es sich um Momentaufnahmen, da coronabedingt aktuell mehr Kontrollen stattfinden. Allerdings ist die Stimmung am Osterdeich und an der Schlachte tatsächlich aggressiver, sagen die Einsatzkräft vor Ort. Das gehe momentan vor allem von jungen Männern aus, die ein respektloses, aggressives und einschüchterndes Verhalten an den Tag legen, so die Polizei. Eigentlich wären diese Männer eher in den Clubs an der Diskomeile unterwegs, die aufgrund der Corona-Maßnahmen aber geschlossen sind. Deswegen, so vermutet es die Polizei, haben die sich einen anderen Platz gesucht und sind jetzt eben am Osterdeich anzutreffen. Dazu kommen die Raser und Poser, die an den Wochenenden aufgrund der Sperrung der Sielwall-Kreuzung nicht mehr durchs Viertel fahren können. Diese fahren nun am Osterdeich entlang locken noch mehr schaulustige junge Männer an, so die Vermutung der Polizei.
Gibt es auch konkrete Beispiele für dieses Verhalten?
Mehrere Anwohner erleben das seit Wochen an jedem Wochenende. Das beschreibt Heiko Heeren: "Die pinkeln in die Vorgärten, beleidigen und bedrohen einige und werden auch mal handgreiflich", so Heeren. Er beschreibt einen Fall, bei dem ein Junge aus der Nachbarschaft zusammengeschlagen worden sei, weil er sich darüber beschwert hatte, dass ein Pärchen auf der Veranda Sex hatte. "Daraufhin wurde er von mehreren Leuten, die dann zusammengetrommelt wurden, zusammengeschlagen. Und allein das ist schon eine Tatsache, dass die Leute sagen: Da habe ich Angst am Freitag- oder Samstagabend vor die Tür zu gehen." Heeren hat deshalb eine Petition an die Innenbehörde und an Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) gerichtet, dass etwas gegen die Zustände unternommen wird.
Was tut die Stadt, um die Situation zu entschärfen?
Die Polizei hat ihre Präsenz erhöht und will stärker kontrollieren. Ob die Innenbehörde die Forderungen der Anwohner, wie beispielsweise ein Alkoholverbot ab 22 Uhr, durchsetzen will, ist momentan noch nicht abschließend geklärt. Ordnungsamt und Polizei sind im engen Austausch, um schnell auf mögliche Entwicklungen reagieren zu können.

Autor

  • Fabian Metzner

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Nachrichten, 15. Juli 2021, 6 Uhr