Vandalismus in Moschee: Zentralrat der Muslime schaltet sich ein

  • Koran-Ausgaben wurden in der Moschee in der Bahnhofsvorstadt beschädigt
  • Der Staatsschutz der Bremer Polizei ermittelt
  • Zentralrat der Muslime fordert intensive Ermittlungen
Gemeindevorstitzender der geschädigten Moschee Sammy Baah-Asiedu im Interview

Nach der Schändung von rund 50 Koranen in einer Bremer Moschee in der Bahnhofsvorstadt hat der Zentralverband der Muslime in Deutschland die Tat verurteilt. Diese "zielt klar darauf ab, die Spirale von Hass und Gewalt gegen Muslime und ihre Moscheen sowie allgemein gegen ihre Religion weiter anzutreiben", sagt der Vorsitzende Aiman Mazyek. Der gesellschaftliche Frieden solle mit der Tat beschädigt werden. Auch Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) verurteilte die Tat.

Zahlreiche Seiten aus dem Koran liegen teils zerrissen auf dem Fußboden.
Die Täter begingen Sachbeschädigung. Bild: Schura Bremen

Am Samstagnachmittag hatten ein oder mehrere unbekannte Täter rund 50 Korane in der Bremer Rahma-Moschee zerstört, der Staatsschutz der Polizei ermittelt. Viele Korane wurden laut Ermittlern zerrissen. Nach Angaben des Zentralverbands der Muslime wurden sie unter anderem in Toiletten geworfen. Die Polizei bat um Hinweise von Zeugen, die Ermittlungen des Staatsschutzes laufen. Die Moschee war zur Tatzeit für die Allgemeinheit geöffnet.

Mazyek ruft Politik und Öffentlichkeit dazu auf, die Tat "laut und deutlich" zu verurteilen. Im Gegensatz zu dem Echo, das diese in den internationalen Medien ausgelöst habe, werde sie im Inland kaum aufgegriffen. Es habe in den vergangenen Tagen mehrere teils schwere islamfeindliche Straftaten gegeben. Die Bremer Polizei und Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) müssten diese intensiv untersuchen und die Taten als gefährliche Staatsschutzstraftaten ahnden. 

Zentralrat der Muslime fordert Beauftragten gegen Muslimfeindlichkeit

Vor rund eineinhalb Wochen ist ein Jugendlicher bei einem mutmaßlich islamfeindlich motivierten Messerangriff in einer Bremer Straßenbahn schwer verletzt worden. Ein 27-Jähriger stach ihm ein Messer in den Hals, nachdem er diesen und einen Begleiter islamfeindlich beleidigt hatte. Spezialkräfte der Polizei nahmen den Verdächtigen einige Tage später fest, er wurde zwangsweise in eine Psychiatrie eingewiesen.

Mazyek forderte jetzt auch einen Beauftragten gegen Muslimfeindlichkeit und Polizeischutz für Moscheen. Derartige Taten zielten darauf ab, dem gesellschaftlichen Zusammenhalt und letztlich auch der Demokratie schwer zu schaden. Das müssten die politischen Spitzen begreifen.

Sieling spricht von "abscheulichen Verbrechen"

Bürgermeister Carsten Sieling teilte mit, dass der Bremer Senat zutiefst erschüttert über die "abscheulichen Verbrechen" sei. "Ich wünsche dem Jugendlichen eine schnelle Genesung, seinen Eltern möchte ich mein Mitgefühl und meine Solidarität ausdrücken." Die Sicherheitsbehörden arbeiteten mit Hochdruck an beiden Fällen, so Sieling. In Bremen und Bremerhaven sei kein Platz für Muslimhass. "Und wird dulden keine Isloamophobie", sagte Sieling.

Auch Thomas Röwekamp (CDU) verurteilte die Schändung der Korane: "Diese islamfeindliche Tat ist inakzeptabel und niederträchtig", sagte Röwekamp. "Wir werden es nicht zulassen, dass sich Hass und Hetze gegen unterschiedliche Religionen in unserem Land ihren Weg bahnen.“ Bürgerschaftspräsidentin Antje Grotheer bezog ebenfalls klar Stellung: "Ich verurteile diese Tat aufs Schärfste. Bremen ist eine tolerante und weltoffene Stadt, und das soll auch so bleiben.“

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 9. Juni 2019, 12 Uhr