Kirchen-Vandalismus in Lesum: Zerstörung der hemmungslosen Art

Immer wieder wird in Kirchen randaliert – somit ist der Vandalismus in der St. Martini Gemeinde ein Fall von vielen. Und doch unterscheidet er sich.

Wer hat das getan? Diese Frage drängt sich angesichts der Zerstörung in der evangelischen St. Martini Kirche in Burglesum auf: Zwei Orgeln zerstört, Taufbecken und Boden mit roter Acyrlfarbe beschmiert und überall eine feine Pulverschicht im Kircheninnenraum, weil die Täter mit einem Feuerlöscher sprühten. Insgesamt, so schätzt die Polizei, beträgt der Schaden für die Gemeinde mehr als 500.000 Euro.

"Wir haben umfangreiche Spuren schon ausgewertet, und wir ermitteln tatsächlich auch in alle Richtungen", sagt Polizeisprecher Nils Matthiesen. Es sei derzeit unklar, welches Motiv die Täter haben. Aber es drohe ihnen bis zu drei Jahren Haft. Auch wenn die Ermittlungen erst angelaufen sind, steht für Matthiesen jetzt schon fest: "Das ist ein Ausnahmefall. Das eine Kirche derart verwüstet wird, kommt sehr selten vor."

Dabei sind Attacken auf Kirchen keine Seltenheit in Deutschland. Wie viele es dieser "gemeinschädlicher Sachbeschädigungen" in Deutschland genau gibt, ist schwer zu sagen. Denn die Polizei erfasst unter dem Begriff nicht nur Angriffe auf christliche Kirchen, sondern auf Gotteshäuser generell, zu denen auch Moscheen oder Synagogen zählen.

Aber in der lokalen Berichterstattung finden sich immer wieder Fälle von Vandalismus in Kirchen: zerrissene Gesangbücher, umgekippte Taufbecken, beschmierte Wände oder heruntergerissene Bilder und Figuren. Im niedersächsischen Schapen beispielsweise zündelten Anfang Oktober Unbekannte im Beichtstuhl der St. Ludgerus-Kirche und vermüllten die Einrichtung. Der Sachschaden blieb gering. Anders war es in Niendorf in Schleswig-Holstein. Dort wurden im April 2017 Buntglasfenster der Petrikirche eingeworfen. Der Schaden betrug mehrere Tausend Euro.

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In ganz andere Dimensionen ging der Schaden, als im Juli 2013 ein Brand die Willehadi-Kirche in Hannover-Garbsen komplett zerstörte. Anfang dieses Jahres wurde der eine Million teure Neubau eingeweiht. Die Brandstifter wurden nie gefasst, aber es besteht der Verdacht, dass Jugendliche nahe der Kirche zündelten und die Flammen auf das Gotteshaus übergriffen. Die Zerstörung war wohl eher ein Unfall als ein gezielter Anschlag auf ein Gotteshaus.

In Lesum dachte der Küster zunächst an Blut

Anders in Burglesum: Die Täter sind irgendwann zwischen Samstagabend und Sonntagfrüh in die Kirche eingedrungen, haben Bauschaum und Farbe mitgebracht, um zu randalieren. Als Küster Klaus Schnitger am Sonntagmorgen die Kirche aufschloss und einen rot gefärbten Boden sah, fuhr ihm der Schreck in die Glieder. "Ich habe erst gedacht, das wäre alles voller Blut – so eine Art Vodoo-Zauber." Der Küster rief die Polizei. Der Gottesdienst am Sonntagmorgen fiel aus.

Am Montag wurde die St. Martini Kirche intensiv von einer Spezialfirma geputzt. Denn am Dienstag, dem Reformationstag, sollen alle Veranstaltungen zum Ende des Lutherjahres wie geplant stattfinden – allerdings erst einmal ohne Orgelspiel.

Eine Orgel einer Bremer Kirche, welche Opfer von Vandalismus wurde.
  • Alexander Drechsel

Dieses Thema im Programm: Buten un binnen, 30. Oktober 2017, 19:30 Uhr