Nach Geräteklau in Klinik: Betrieb "erheblich beeinträchtigt"

Im Klinikum Reinkenheide müssen Notfallpatienten teils auf andere Krankenhäuser verlegt werden, da endoskopische Geräte fehlen. Es wurde ein Krisenstab eingerichtet.

Einige technische Geräte in einer Klinik

Die Täter kamen zwischen Freitag und Montag: Auf bisher unbekannte Weise drangen sie in die Behandlungsräume des Klinikums Bremerhaven-Reinkenheide ein. Dort holten sie etwa 15 Spezialgeräte aus Schränken. Die Diebe hatten es offenbar gezielt auf endoskopische Geräte abgesehen, mit denen man ins Innere des Körpers schauen kann. Der Schaden liegt laut Klinikum bei rund 500.000 Euro.

Der Betrieb in der endoskopischen Abteilung ist nach Aussage des Chefarztes Martin Holtmann nun "erheblich beeinträchtigt." Notfallpatienten müssten wegen der fehlenden Geräte teils auf andere Krankenhäuser verlegt werden.

Es gibt jetzt jeden Morgen einen Krisenstab, der die Prioritäten jeden Tag neu festlegt.

Martin Holtmann
Chefarzt Martin Holtmann

Die Klinik arbeitet nun an der Beschaffung von Ersatzgeräten: "Hier laufen alle Drähte heiß", sagte Holtmann. Die ersten neuen Geräte könnten Ende dieser Woche eintreffen. Die Diebesbeute sind "hoch spezialisierte und technisch ausgefeilte Geräte, die wegen der geringen Stückzahl einen hohen Preis haben", so der Chefarzt. Die Diebe hatten die Apparate aus speziellen Lagerschränken gestohlen, die in verschlossenen Räumen standen.

Seit 2015 gibt es bundesweite Klinik-Diebstähle

Ein medizinisches Gerät
Ein endoskopisches Spezialgerät im Klinikum Reinkenheide. Gestohlen wurden dort die Spezial-Sonden, die an diese Geräte angeschlossen werden.

Die Reinkenheider Klinik ist nicht das erste Opfer von Geräteklau. Seit 2015 beobachtet die Polizei im ganzen Bundesgebiet immer mehr Diebstähle. Es soll bundesweit schon ein Schaden von etwa 25 Millionen Euro Schaden entstanden sein. Die Täter gehen stets mit mehreren Personen vor, mehrmals waren auch schwangere Frauen dabei. Nach Erkenntnissen des Bundeskriminalamtes (BKA) kundschaften die Diebe ihre Tatorte zuvor lange aus. Die Räume mit den Geräten werden dann gewaltsam geöffnet, für die Flucht nutzen die Banden oft Rettungs- oder Fluchtwege. Interessant sind für die Täter offenbar nur moderne Apparate: "Ältere Geräte finden meist keine Beachtung, so dass die Taten teilweise abgebrochen werden", schreibt das BKA in einer Erklärung.

Hinter den Diebstählen vermutet die Polizei international arbeitende Banden, die oft auf Bestellung arbeiten würden. Die Beute werde über Zwischenhändler im In- und Ausland wieder zum Verkauf angeboten. Da die Spezialgeräte individuelle Seriennummern haben, gelten sie auf dem deutschen Markt als unverkäuflich. Kunden fänden sich nach Polizeiangaben eher in Osteuropa oder im arabischen Raum.

Gestohlene Geräte aus Hannover aufgetaucht

Einen Fahndungserfolg können die niedersächsischen Ermittler inzwischen verbuchen: Sie haben mehr als 40 gestohlene Endoskope gefunden, die einen Wert von insgesamt rund 1,2 Millionen Euro haben. Sie wurden laut Polizei nicht nur aus einem Krankenhaus in Hannover gestohlen, sondern auch aus einer Klinik in Bielefeld. Die Geräte waren dem Zoll am Frankfurter Flughafen aufgefallen. Sie lagen in mehreren Paketen, die beschlagnahmt wurden.

Autor

  • Boris Hellmers

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 13. Februar 2019, 19.30 Uhr