Angriff auf Bremer Tankwart: Innenressort warnt vor Radikalisierung

Audio vom 21. Oktober 2021
Ein Hinweisschild auf die Maskenpflicht wurde durchgestrichen
Bild: Imago | Shotshop
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  • Bereits mehrere Straftaten in Bremen mit Bezug zu Corona-Regeln
  • Innenressort: Internet beschleunigt Radikalisierung
  • Polizei wertet gezielt Gewalttaten aus

Nach dem Angriff auf einen Tankwart durch einen Maskenverweigerer in Gröpelingen warnt das Bremer Innenressort vor einer schnelleren Radikalisierung von Corona-Maßnahmengegnern. "Das Abflauen der Demonstrationen und Kundgebungen hat zu einem vermehrten Rückzug in den virtuellen Raum geführt", erklärte Ressortsprecherin Karen Stroink auf Nachfrage von buten un binnen. Im Internet könne sich durch die "ungefilterten Inhalte" die Radikalisierung einzelner Personen beschleunigen. "Die daraus erwachsenden Gefahren nimmt das Bremer Landesamt für Verfassungsschutz sehr ernst", sagte Stroink.

Das Landesamt für Verfassungsschutz Bremen weist bereits seit vergangenem Jahr auf die zunehmende Radikalisierung der "Querdenken"-Bewegung und auf die Gefahren der Etablierung einer Staat- und Gemeinwesen insgesamt ablehnenden und bekämpfenden Proteststimmung im Kontext der Corona-Pandemie hin. 

Karen Stroink, Sprecherin des Bremer Innenressorts

Nach dem Angriff vom Mittwochvormittag wurde der 67-jährige Tankwart zur ambulanten Behandlung in ein Krankenhaus gebracht. Der 21-jährige Angreifer hatte zunächst als Kunde die Tankstelle in Gröpelingen ohne Mund-Nase-Schutz betreten. Nachdem der Tankwart ihn auf die Tragepflicht aufmerksam machte, kam er wenig später mit aufgesetzter Maske zurück und griff den Verkäufer an. Nach der Tat kam er wieder zum Tatort zurück und stellte sich der Polizei. Gegen den Bremer wird nun wegen gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und Diebstahl ermittelt.

Laut Innenressort handelt es sich nicht um den ersten Fall mit Bezug zu den Corona-Regeln. "Die Polizei wertet derzeit gezielt Gewalttaten mit Motivhintergründen im Zusammenhang mit den bestehenden Pandemie-Regeln aus. Auch in Bremen ist es schon zu Straftaten mit solchen Hintergründen gekommen, zum Beispiel in Supermärkten, im ÖPNV oder wie aktuell berichtet in einer Tankstelle", sagte Stroink. Der Bremer Verfassungsschutz behandelt die "Querdenken"-Bewegung als Verdachtsfall. Laut Stroink gebe es einen "Phänomenbereich", der sich mit den extremistischen Ausprägungen solcher Gruppierungen befasst. "Hierzu gehören auch solche Vorfälle", sagte Stroink mit Blick auf den Angriff in Gröpelingen.

Umsturz-Aufrufe im Internet

Auch der Chef des niedersächsischen Verfassungsschutzes, Bernhard Witthaut, warnte vor weiteren Gewalttaten aus dem Kreis der Corona-Leugner und "Querdenker". "Die Zeit der großen Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen scheint zwar vorbei zu sein. Aber gerade im Internet ist zu beobachten, wie Äußerungen immer radikaler werden", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Mittlerweile werde offen zum Umsturz aufgerufen. Aus dem irregeleiteten Weltbild heraus könnten sich auch künftig Menschen berufen fühlen, zu extremen Mitteln zu greifen.

 

Rückblick: Trotz Verbots: "Querdenker" demonstrieren in Bremen

Video vom 5. Dezember 2020
Polizei-Einsatzwagen mit digitaler Demo-Verbot-Anzeige.
Polizei-Einsatzwagen mit Demo-Verbot-Anzeige. Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 21. Oktober 2021, 10 Uhr