Unser Wetter ist käuflich – auch in Bremen

Warum hieß das erste Tief des Jahres 2021 Ahmet? Und warum wurde eines mal nach Bremens Fußball-Legende Ailton benannt? So funktionieren Wetter-Patenschaften.

Fußgängerin schützt sich mit einem originellen Regenschirm vor dem Regen
Für 360 Euro kann man in Deutschland ein Hochdruckgebiet benennen. Bild: Imago | Wombati

Leider können wir das Wetter an sich nicht beeinflussen. Ob es in Bremen oder Bremerhaven regnet, stürmt oder schneit, liegt weder in unserer noch in der Macht der Meteorologen. Doch als Wetterpate kann jeder zumindest Hoch- und Tiefdruckgebieten einen Namen geben.

Ein Hoch kostet 360 Euro, ein Tief hingegen "nur" 240 Euro. Der Preisunterschied macht sich nicht daran fest, dass Hochdruckgebiete mutmaßlich beliebter sind. Grund ist vielmehr, dass Hochs einfach länger andauern. Durchschnittlich werden im Jahr etwa 50 bis 60 Hochs und 130 bis 150 Tiefs getauft – immer fortlaufend von A bis Z.

Auch das Wetter hat ein Geschlecht

Seit 1954 vergibt das Institut für Meteorologie der FU Berlin Namen für Hoch- und Tiefdruckgebiete, die das Wetter in Mitteleuropa beeinflussen. In alphabetischer Reihenfolge waren Hochs lange nur männlich und Tiefs weiblich. Erst 1998 ist die Emanzipation auch beim Wetter angekommen, seitdem wechseln sich weibliche und männliche Vornamen jährlich ab. 2021 sind Tiefdruckgebiete männlich und die Hochs weiblich.

Seit 2001 werden die Patenschaften offiziell verkauft. Mit den Einnahmen finanziert sich die Wettermessstation des Berliner Instituts, in der hauptsächlich Studierende ehrenamtlich Wetterdaten erfassen. Durch die Patenschaften wird ihre Ausbildung gesichert. Wer seinen eigenen Namen im Wetterbericht hören möchte, der muss aber schnell sein.

Ob Hans oder Peter – Namen haben Standards

Jeder kann eine sogenannte Wetterpatenschaft abschließen – wenn der gewünschte Buchstabe noch frei ist und der Name den standesamtlich anerkannten Vornamen entspricht. Firmennamen sind beispielsweise nicht erlaubt. Auch Doppelnamen und Sonderzeichen werden ausgeschlossen.

Die Anträge für das laufende Jahr konnten ab dem 16. September 2020 eingereicht werden. "Wer zuerst kommt, mahlt zu erst", erklärt Lisa-Marie Schulze den Abwägungsprozess, welche Namen ausgewählt werden. Die Chancen auf einen Zuschlag variieren: So gab es dieses Jahr gab es rund 50 Anträge für ein Hochdruckgebiet mit dem Anfangsbuchstaben M. Am schnellsten war der Name Margarethe. Höhere Chancen haben Bewerber, die sich für Buchstaben wie X, Y, Z oder Q interessieren. "Da gibt es nicht so viele Namen", erklärt Lisa-Marie Schulze vom Wetterpaten-Team der FU Berlin.

Ahmet, Bartosz und Chana: Namen werden migrantisch

Eine Grafik einer Wetterkarte mit einem Tiefdruckgebiet namens "Ahmet"
Ahmet statt Alexander: Die Neuen Deutschen Medienmacher fordern mehr Diversität in Wetternamen. Bild: Neue Deutsche Medienmacher

Dieses Jahr eröffnet Tiefdruckgebiet Ahmet das Alphabet, wird von Bartosz abgelöst und von Cemal gefolgt. Mit insgesamt 14 Wetterpatenschaften möchten die Neuen Deutschen Medienmacher (NdM) darauf aufmerksam machen, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist. Mit der Kampagne "Wetterberichtigung" will das Netzwerk die Vielfalt in der Bevölkerung zeigen.

In der Kampagne heißt es: "Wir kapern das Wetter 2021 und schleusen neue deutsche Namen in den Wetterbericht".

Wie Bremen und Oldenburg das Wetter beeinflussen

Ailton sitzt auf einer Mauer. Im Hintergrund ist das Weser-Stadion zu sehen.
Sieht so ein Tiefdruckgebiet aus? Ailton war 2019 Namensgeber. Bild: Radio Bremen

2019 hieß ein Tiefdruckgebiet "Ailton". Laut dem Institut für Meteorologie der FU Berlin wurde davor noch kein Hoch- oder Tiefdruckgebiet nach einem ehemaligen Profifußballer benannt. Grund für 11-Freunde-Redakteur Tobias Ahrens, den Brasilianer als Namensgeber zu wählen. Begründung: Schließlich könne aus jedem Tief auch ein Sturmtief werden. Und Fußballstar Ailton erkenne man schon am Vornamen, ein Niclas Füllkrug wäre da eher ungeeignet.

Abgesehen davon passt Ailton ja auch zu einem schnellen Wind, der nicht ganz ungefährlich ist und aus dem sich auch mal ein Sturm entwickeln kann.

Tobias Ahrens, Redakteur "Elf Freunde"

Die "Kreative Runde Oldenburg" – ein Zusammenschluss von acht Oldenburgern, die sich ehrenamtlich um das Image der Stadt kümmern – leistet sich auch regelmäßig eine Wetterpatenschaft unter dem Namen "Oldenburgia". Bereits zum siebten Mal wird voraussichtlich im Herbst ein Oldenburgia-Hoch über die Wetterkarte gleiten. Schon 2005 bekam die Stadt große Aufmerksamkeit, als das damalige Hoch sich von Spanien bis Moskau über große Teile Europas ausbreitete und fast ganze fünf Wochen das Wetter zum Guten beeinflusste. Ziel der Runde ist es, die Stadt Oldenburg auf ungewöhnliche Wegen bekannter zu machen. Ob ein Wetter-Hoch 2021 da helfen kann, wissen die Wetterparten vorher nie.

Autorin

  • Marike Deitschun Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Samstagnachmittag, 9. Januar 2021, 15:20 Uhr