Bremens Innensenator nach Anschlag: Hass auf Polizei wird fanatischer

Audio vom 7. Juni 2021
Ein ausgebrannter Bus der Polizei.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen
  • Innensenator Mäurer und andere Politiker verurteilen Anschlag auf Polizei
  • Unbekannte hatten Brandsätze auf Polizeigelände geworfen
  • Laut Mäurer spricht einiges für einen linksradikalen Anschlag
Ulrich Mäurer spricht während einer Pressekonferenz
Innensenator Mäurer hat den Anschlag als "Irrsinn" bezeichnet. (Archivbild) Bild: DPA | Sina Schuldt

Einen Brandanschlag auf die Bereitschaftspolizei in der Neustadt hat Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) als absoluten Irrsinn bezeichnet. "Das ist ein Anschlag auf unser aller Sicherheit", heißt es in einer Stellungnahme. Noch stehe nicht fest, "wer hinter dieser hochkriminellen Tat" stecke, doch es spreche einiges dafür, "dass es sich um einen linksradikalen Anschlag handelt".

Mäurer erklärte weiter, dass man bundesweit als auch in Bremen einen starken Anstieg bei den Anschlägen gegen staatliche Einrichtungen, Immobilienunternehmen, die Bundeswehr und Geldinstitute verzeichne.

Die Gewaltspirale dreht sich immer schneller. In dieses Bild passen auch die Anschläge in der Neustadt in der Nacht zu Samstag.

Ulrich Mäurer (SPD), Innensenator Bremen

Der Hass gegen die Polizei werde immer fanatischer. "Das macht mir Sorge", so Mäurer in der Mitteilung. Demnach arbeitet die Ermittlungsgruppe "Feuer" bereits an den jüngsten Fällen. Diese wurde Ende 2019 nach politisch motivierten Brandanschlägen eingerichtet.

Mehrere Polizeiwagen ausgebrannt

Unbekannte Täter hatten in der Nacht zu Sonntag einen Brandanschlag auf die Bremer Bereitschaftspolizei verübt. Sie warfen den Angaben der Polizei zufolge gegen 2:40 Uhr mehrere Brandsätze auf das Gelände der Polizei im Ortsteil Huckelriede. Mehrere Polizeiwagen gingen in Flammen auf. Menschen wurden nicht verletzt.

Ein Polizeiwagen steht an einem abgesperrten Weg.
Die Polizei sperrte den Bereich hinter dem Polizeigelände am Sonntagmorgen. Bild: Nonstopnews

Obwohl die Feuerwehr laut Polizei schnell vor Ort war, seien drei Gruppenwagen und ein Bus völlig ausgebrannt. Vier weitere Streifenwagen wurden durch die entstandene Hitze beschädigt. Die Schadenshöhe kann noch nicht genau beziffert werden, liegt aber laut Polizeisprecher Nils Matthiesen im sechsstelligen Bereich.

Die bisherigen Ermittlungen ergab, dass die Täter die Brandsätze an der Rückseite des Geländes aus Richtung Werdersee auf die geparkten Autos geworfen hatten. Dort sicherte die Polizei am Sonntagmorgen Spuren.

Das Ganze war natürlich eine sinnlose, feige Aktion.

Ein Mann in Polizeiuniform steht vor einem Gebäude.
Nils Matthiesen, Pressesprecher der Polizei Bremen

Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen wegen Brandstiftung aufgenommen, der Staatsschutz prüft einen politisch motivierten Hintergrund. Die Polizei bittet um Zeugenhinweise unter 0421/362-3888.

Politik verurteilt Anschlag

Fraktionen der Bremer Bürgerschaft haben den Brandanschlag scharf verurteilt. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Mustafa Güngör sagte: "Dieser Anschlag ist so dumm und sinnlos wie gefährlich und hochkriminell. Falls er politisch motiviert war, kapieren die Täter einfach nicht, dass sie mit ihrem Feindbild völlig daneben liegen." Es sei "richtig und notwendig", dass der Innensenator seit 2019 eine Sonderkommission zu ähnlichen Vorfällen eingesetzt habe.

Der innenpolitische Sprecher der Grünen, Mustafa Öztürk, betonte: "Wer mit blinder Zerstörungswut agiert, ist am Diskurs nicht interessiert, sondern will nur seine persönlichen Machtfantasien ausleben. Die Demokratie lebt von der gewaltfreien Diskussion." Er bezeichnete die Tat als einen "Angriff auf unsere demokratische Gesellschaft".

Video vom 6. Juni 2021
Ein ausgebrannter Bus der Polizei.
Bild: Radio Bremen
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Ähnlich äußerte sich auch die innenpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion Bremen, Birgit Bergmann: "Ein Anschlag auf die Polizei ist auch ein Anschlag auf uns als Gesellschaft." Es müsse darüber nachgedacht werden, wie Polizeiwachen besser geschützt werden könnten. "Wir erwarten vom Innensenator, dass genügend Ressourcen zur Verfügung gestellt werden, um Täterinnen oder Täter schnell zu identifizieren und zu fassen."

Die CDU kritisierte Innensenator Mäurer. Dieser hätte nach vorherigen Anschlägen schneller reagieren und die Polizeiwachen in die Lage versetzen müssen, sich besser zu schützen, teilte Marco Lübke, innenpolitischer Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion mit. Mäurer müsse diesen Extremismus entschiedener bekämpfen, sonst sei es eine Frage der Zeit, bis auch Menschen zu Schaden kämen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 6. Juni 2021, 10 Uhr