Pflegeheim-Brand: Warum Photovoltaik-Anlagen schwer zu löschen sind

Ein Defekt an der Photovoltaik-Anlage auf dem Dach war Auslöser für den Brand in einem Huchtinger Wohnheim. Laut Bremer Feuerwehr eine ungewöhnliche Brandursache – wie konnte es also dazu kommen?

Zerstörtes Dach des Pflegeheims in Huchting
Brände an Photovoltaikanlagen sind für die Feuerwehr besonders gefährlich, weil ständig weiter Strom fließen kann.

Mit einer Photovoltaikanlage wird Sonnenlicht in Strom umgewandelt. Mehr als 2.100 dieser Anlagen gibt es laut Umweltressort in Bremen. Umgerechnet könnten sie den jährlichen Stromverbrauch von 14.600 privaten Haushalten abdecken.

Die Solarstromplatten liegen überall: auf Hochhäusern, Feldern, öffentlichen Einrichtungen und Privathaushalten. In Huchting wurde damit der eigene Strombedarf des Alten- und Pflegeheims gedeckt. Doch die Entzündung der Platten wirft Fragen auf: Wie sicher sind die Anlagen? Und was führt zu einem eventuell gefährlichen Defekt?

Wie kann eine Photovoltaik-Anlage in Brand geraten?
Eigentlich sei die Brandursache ungewöhnlich, erklärt Michael Richartz von der Feuerwehr Bremen. Es gebe kaum Brände mit einer Photovoltaik-Anlage in Bremen. Nur einmal sei vor zehn Jahren in Gröpelingen eine solche Anlage in Brand geraten. Ursache: Ein technischer Defekt. Genau wie in Huchting. Was da genau passiert, sei aber laut Richartz generell schwierig zu sagen.

Es ist wie bei allen Geräten, die ans Stromnetz angeschlossen sind. Zum Beispiel bei einem Wasserkocher, da kann es einfach einen Kurzschluss geben. Oder die Anlagen wurden falsch gewartet. Man kann das nicht wirklich erklären. Schließlich ist auch nicht viel übrig geblieben.

Michael Richartz, Feuerwehr Bremen
Sonnenkollektoren auf einem Dach mit der Arberger Mühle im Hintergrund.
In Bremen sind mehr als 2.100 Photovoltaik-Anlagen verbaut.
Was macht ein Feuer an einer Photovoltaik-Anlage so gefährlich?
Die Löscharbeiten an einer Photovoltaik-Anlage sind kompliziert und erschwert. Das liegt am Strom: Sobald Licht auf die Solarstromplatten trifft, produzieren sie Elektrizität und transportieren diese über Leitungen an den sogenannten Wechselrichter und weiter in die Endgeräte. Das bedeutet, dass zu jeder Zeit Strom fließt. Es gibt keinen Notschalter, der diesen Fluss abstellt. Man könne nur durch Abdecken oder Anmalen der Platten auf dem Dach die Zufuhr stoppen, erklärt Michael Richartz. Das sei aber zum Beispiel auch in Huchting natürlich nicht mehr möglich gewesen. Der dichte Wasserstrahl der Löschschläuche funktioniert dann wie eine Leitung: Er transportiert den Strom von der Quelle bis zu den Rettungskräften. Das bedeutet beim Einsatz: Abstand halten und nicht mit einem Vollstrahl, sondern Sprühstrahl das Feuer löschen.
Wie kann ein Defekt an einer Photovoltaik-Anlage vermieden werden?
Ein wichtiger Punkt ist die regelmäßige Wartung. Auf Solaranlagen spezialisierte Internetseiten raten zu halbjährigen Sichtungswartungen. Dabei geht es meist nur um Verschmutzung, Dichtungen und die Befestigungen. Denn eigentlich haben gerade Photovoltaik-Anlagen einen eher geringen Wartungsbedarf. Aus Sicht der Feuerwehr könne man sich als Hausbesitzer auch überlegen, den Wechselrichter, der den Strom aufnimmt und im Haus verteilt möglichst nah an der Solarstromanlage zu installieren. So wäre die Strecke, die der Strom durch das Haus zurücklegt, verkürzt.

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verbranntes Dach eines Pflegeheims

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 20. Juni 2019, 19 Uhr