Wie geht es weiter für das Bremer Kulturprojekt "Irgendwo"?

Ende Oktober ist der Nutzungsvertrag für das "Irgendwo" in Bremen ausgelaufen. Die Wirtschaft möchte die Fläche für sich, ein Alternativstandort ist nicht in Sicht.

Video vom 5. November 2020
Aus Holzplatten gebauter Schriftzug "Irgendwo" der gleichnamigen Kulturstätte.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Der Konflikt ist klar. Der Betreiberverein Kulturbeutel und das Projekt "Irgendwo" wollen gern auf ihrem Gelände an der Amelie-Beese-Straße in der Bremer Neustadt bleiben und dort langfristig planen – allerdings ist ihr Zwischennutzungsvertrag Ende Oktober ausgelaufen. Für das Wirtschaftsressort ist die Fläche Gold wert. Das Ressort sieht sie als Gewerbeentwicklungsfläche: Sie soll im Gewerbeentwicklungsprogramm 2030 des Ressorts eine tragende Rolle spielen – zentral gelegen am Flughafen und mit guter Anbindung an den Rest der Stadt.

Unbefristet Tanzen im Freien?

Seit 2017 wird die Fläche als Kultur- und Festivalzentrale genutzt. Das "Irgendwo" veranstaltete lange Tanznächte, Familientage, Konzerte, Workshops, Kinoabende und vieles mehr und hat sich so einen freien Kulturraum geschaffen. Nun könnte Schluss sein, denn den neuen Vertrag wollen die Kulturschaffenden so nicht annehmen: Sie wollen bleiben und zwar langfristig – nicht nur zwei Jahre, wie ihnen das Wirtschaftsressort angeboten hat.

Bühne des Irgendwo-Festivals.
Alles selbstgebaut: So war das Irgendwo-Festival. Bild: Radio Bremen

Für Amelie Rösel und Felix Graßhoff vom Kulturbeutel ist offen, ob das Projekt weiter bestehen kann, wenn sie den Standort nicht dauerhaft nutzen können: Ein Umzug sei sehr zeit- und geldaufwendig und brauche viele Ressourcen, so Rösel. "Wir wissen nicht, ob wir es schaffen würden: Umzuziehen und dann weiter zu existieren", erklärt sie. Mit einer Petition wollen die Veranstalter nun Druck machen, um da zu bleiben wo sie gerade sind.

Die beste Fläche für Tanz und Kultur

Für Rösel und Graßhoff steht fest: Die Fläche in der Neustadt ist perfekt. Sie erfülle die drei Kriterien des Vereins: "Erstmal muss sie ästhetisch ansprechend sein" – ein Parkplatz sei keine Option. Zweitens: Das Gelände dürfe nicht zu nah an bewohnten Flächen liegen, da es sonst Probleme mit den Anwohnern geben könne. Doch zu weit außerhalb dürfe sie auch nicht liegen, sonst würde niemand mehr kommen. "Wir haben keine andere Fläche gefunden, die diese drei Punkte so gut erfüllt." Graßhoff und Rösel wollen eine langfristige Nutzung und fordern eine Alternativfläche – für die Wirtschaft.

Trotzdem würden sie den Vertrag annehmen, wenn ihnen zugesichert wird, dass sie eine gesicherte Fläche bekommen – auf die sie seit 2017 warten. Ohne neue Fläche steht das Kulturprojekt vor dem Aus. Die Arbeit an den Buden, die Konzerte, die Nachbarschaftspflege, die immer neuen Ideen wären umsonst gewesen.

Unterstützung bekommt das Team vom "Irgendwo" von Bausenatorin Maike Schaefer (Grüne). Sie sieht die Fläche an der Amelie-Beese-Straße als optimale Fläche für das Kulturprojekt. Ihr Ressort habe bereits nach einem ähnlichen Standort gesucht. Schaefer wäre auch bereit, für einen möglichen Investor mit Interesse an der Fläche eine Alternative zu finden: "Es gibt nach wie vor genügend Gewerbeflächen", erklärt sie. Eine Entscheidung müsse aber letztlich das Wirtschaftsressort treffen, so Maike Schaefer.

Neue Arbeitsplätze in Flughafennähe

Nummerierte Paletten im "Irgendwo" sorgen für Abstand beim Tanzen.
Während des Corona-Sommers konnten Bremer auf Distanz tanzen. Bild: Radio Bremen

Eine zufriedenstellende Lösung nach mehreren Gesprächen wurde noch nicht gefunden. Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) würde das Kulturprojekt gerne auf Dauer absichern, allerdings nicht am derzeitigen Standort: "Wir sind auf der Suche nach einer langfristigen Lösung" und nach neuen Flächen, so Vogt. Bei einer der letzten Anfragen zur Nutzung der Fläche am Airport ging es um 600 Arbeitsplätze, so Vogt. Um welches Unternehmen es sich dabei handelte, sagte die Senatorin nicht. Es interessieren sich wohl mehrere Unternehmen für die Fläche.

Das Plakat des Kulturprojekts Irgendwo in Bremen.
Ob und wie lang das Kulturprojekt 'Irgendwo' an seinem Standort bleiben darf ist unklar. Bild: Radio Bremen

Autoren

  • Marike Deitschun Autorin
  • Sophie Labitzke

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 5. November 2020, 19:30 Uhr