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Gasmangel: Wie schaffen wir es durch den Winter, Herr Köhne?

Bild: Radio Bremen

Droht ein wirklicher Gasmangel und wenn ja, was bedeutet das? Darüber spricht Felix Krömer mit Torsten Köhne, dem Vorstandsvorsitzenden des Energieversorgers SWB AG.

125.000 Haushalte werden im Land Bremen mit Erdgas beliefert. Und die Versorgung damit wirkt zurzeit ganz und gar nicht mehr sicher. Was bedeutet es, wenn Russland den Gashahn wirklich zudreht? Wie wird der Winter dann für Bremerinnen und Bremer? Felix Krömer hat mit dem Vorstandsvorsitzenden der swb in Bremen gesprochen. Die 5 wichtigsten Punkte.

1 Welche Konsequenzen hätte es, wenn Nord Stream 1 kein Gas mehr liefert?

Viele bangen und warten darauf, was aus der Gaspipeline Nord Stream 1 wird – könnte Russland, wie angekündigt, das Gas wieder fließen lassen? Wenn nicht, werden die Konsequenzen laut Köhne schwerwiegend sein. Selbst mit einem zu 90 Prozent gefüllten Gasspeicher käme man nicht lange aus im Winter. Diesen würden wir allerdings ohne Nord Stream 1 höchstwahrscheinlich gar nicht erst erreichen. Wie die Situation mit Nord Stream 1 aussieht, erklärt Köhne ab Minute 13.

2 Was passiert, wenn Gas knapp wird?

Wie schnell wird es den privaten Haushalt treffen, wenn wir einen Gasmangel haben? Köhne rechnet damit, dass zunächst die Großkunden weniger Gas erhalten – gesteuert durch die Bundesnetzagentur. Daraufhin werde wahrscheinlich bei den größeren kritischen Gewerben gespart – die beispielsweise Dinge mit einer höheren Relevanz produzieren. Zuletzt kämen die Privathaushalte, allerdings würden diese im Winter bei weitem den größten Anteil an Gas nutzen. Dadurch sei der Weg dorthin zu einem Notstand nicht weit. Über dieses Thema spricht der swb-Vorstandsvorsitzende ab Minute 15 und verrät auch, welche Industrien in Bremen wohl als erstes betroffen sind.

3 Müssen wir frieren im Winter?

Zunächst wird, auch wenn es zum Abstellen von Gas für Privathaushalte komme, dies wahrscheinlich abwechselnd in den insgesamt 22 Gassektionen in Bremen gemacht. Das heißt, die Haushalte können sich darauf einstellen, beispielsweise nur jeden zweiten Tag heizen und duschen zu können. Köhne mahnt aber dennoch, sich auch auf den Extremfall vorzubereiten.

Es ist ein Notfallszenario, aber die Kommunen sollten sich darauf vorbereiten, die Menschen aus ihren Wohnungen zu holen, damit diese dort nicht erfrieren.

Torsten Köhne, Vorstandsvorsitzender swb AG

Deshalb müssten jetzt bereits die Turnhallen geprüft werden. Über dieses Szenario spricht Köhne ab Minute 35:14.

4 Welche Kosten kommen auf uns zu?

Unabhängig davon, ob der absolute Extremfall eintritt, wird es definitiv teurer. Die jetzigen Preise beinhalten noch Anteile, die vor zwei Jahren eingekauft wurden, das heißt, sie bilden noch kaum den tatsächlichen Preisanstieg ab. Und der wird hoch. Dass sich der Gaspreis vervierfacht, ist also nicht unbedingt unrealistisch. Allerdings betont Köhne auch, dass der Markt hier wahrscheinlich früher oder später so einen Gasmangel nicht einfach mit Preisanpassungen tragen kann. Da würden dann Regelungen des Staates dazu kommen müssen. Wie die aussehen können, erklärt er ab Minute 47.

5 Wie lässt sich Gas sparen?

Nach Corona wird der Gesellschaft nun der nächste Solidaritätsakt abverlangt. Auch die Privathaushalte müssen beim Sparen mitmachen, appelliert Köhne. Im Sommer sei das höchstens über das Duschen möglich, aber ab dem September beginne die entscheidende Phase. "Wir müssen unser Komfortniveau prüfen. Wenn alle die Heizung um zwei oder drei Grad runterstellen, wird das deutlich spürbare Ersparnisse bringen", so der swb Vorstandsvorsitzende. Was er von der Anschaffung von E-Heizungen oder Radiatoren hält, erklärt er ab Minute 1:10:00.

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Dieses Thema im Programm: butenunbinnen, 20. Juli 2022, 19:30 Uhr