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Hoffnungsschimmer in Bremen? Das sind die Lehren aus der Omikron-Welle

Die Omikron-Welle: Hoffnungsschimmer oder Horrorszenario?

Bild: Radio Bremen

buten-un-binnen-Moderator Felix Krömer spricht mit Epidemiologe Hajo Zeeb und Chefärztin Judith Gal über die Omikron-Welle. Welche Rolle spielt Bremen dabei?

Die Omikron-Welle trifft Bremen mit voller Wucht. Und das trotz der deutschlandweit höchsten Impfquote. Auch wenn die Zahlen zwischenzeitlich wieder gesunken sind: Können wir wirklich aufatmen? Ist die neue Virusvariante vielleicht sogar der Weg raus aus der Pandemie? Und wie ist die Belastung in Bremens Krankenhäusern zurzeit? Dazu äußern sich Epidemiologe Hajo Zeeb und die Leiterin der Notaufnahme des Klinikums Bremen Mitte, Judith Gal.

1 Lage in Bremens Krankenhäusern weiter angespannt

Auch wenn Omikron wohl häufiger zu weniger langen und schweren Verläufen führt, berichtet die Ärztin Judith Gal von einer starken Belastung des Krankenhauspersonals. "Auf der Intensivstation liegen nur Ungeimpfte", erklärt die Ärztin, aber auch Fälle auf der regulären Station nehmen Betten weg und bedeuten viel Aufwand. Dazu kommen nun auch immer mehr Ausfälle des Personals. "Arbeitszeitgesetze existieren momentan nicht. Die Bereitschaft einzuspringen, ist enorm groß und ohne das würden wir es nicht schaffen." Darüber spricht die Medizinerin ab Minute 5:00 und erklärt auch, wie sie zur Triage in deutschen Krankenhäusern steht.

2 Bremen ist wohl nur der Beginn der Omikron-Welle

Höchste Impfquote, aber trotzdem höchste Inzidenz – das wunderte viele in der letzten Zeit in Bremen. Der Epidemiologe Zeeb sieht darin allerdings nur den Beginn der Omikron-Welle in Deutschland. "Ich erwarte, dass es in ähnlichem Ausmaß auch woanders stattfinden wird." Dass Bremen nur geringe Zahlen bei der Delta-Welle hatte, sei hier eine Entlastung gewesen. Andere Bundesländer hätten da keine so guten Aussichten. Was die Lage in Bremen angeht, könnte es tatsächlich sein, dass das Schlimmste überstanden ist. Um das abschließend zu sagen, müsse man aber noch etwas abwarten. Über Bremens Rolle bei der Omikron-Welle wird ab Minute 10:00 gesprochen.

3 Deutschland ist vorsichtiger, aber auch weniger geschützt

Der Blick nach Großbritannien oder Spanien lässt schnell den Eindruck entstehen, dass man Omikron doch einfach "laufen lassen" sollte. Doch Deutschland hält weiter an den Maßnahmen fest. So einfach lasse sich das nicht vergleichen, erklärt Zeeb. In Großbritannien seien mehr ältere Menschen durch eine Impfung geschützt und viele würden trotzdem weiter im Homeoffice arbeiten. So "locker", wie es in den Medien aussehe, seien die Leute dort nicht unbedingt. Außerdem zeige ein Blick in die Krankenhäuser: Die Belastung ist weiterhin sehr hoch. Eine Erfahrung, die auch Gal aus dem Austausch mit Kolleginnen und Kollegen hört. Für wie sinnvoll Zeeb die Maßnahmen auch im Hinblick auf Bremen noch hält, erklärt er ab Minute 12:00.

4 Impfpflicht wird vor allem für kommende Wellen eine Rolle spielen

Eine Impfpflicht würde für die Omikron-Welle wohl zu spät kommen, könnte aber für weitere Varianten relevant werden: "Wir wissen, dass wir mit Omikron nicht fertig sind. Im besten Fall kommen wir in eine endemische Situation, in der die Viren nicht mehr in einem so hohen Maße zirkulieren, dass Krankenhäuser überlastet sind", erklärt Zeeb. Nach und nach und durch mehrere Begegnungen mit dem Virus könne dann eine Grundimmunität hergestellt werden. Er sieht eine Impfpflicht aber immer noch nur als letztmögliche Konsequenz. Die Ärztin Judith Gal befürwortet sie dagegen: "In einem solidarischen Land sollte so eine Impfung doch machbar sein", meint Gal und betont die Erschöpfung des Pflegepersonals nach zwei Jahren Pandemie. Über Impfungen und Impfpflicht sprechen die beiden ab Minute 37:20.

5 Wird Omikron der Ausweg aus der Pandemie?

Zurzeit sieht Zeeb tatsächlich Grund zur Hoffnung. Man wisse allerdings nie, ob nicht andere Varianten kämen, die die Lage wieder ändern, gerade weil das Virus weltweit zirkuliert. Im Moment sehe es allerdings nicht danach aus. Mit den vielen Ansteckungen und Impfungen könnte tatsächlich eine so große Immunität in der Bevölkerung hergestellt werden, dass die Pandemie endet. Auch die Chefärztin Gal blickt mit Hoffnung in den Herbst. Ein drittes Mal würde ein Teil des Personals wohl auch nicht mehr mitmachen. Warum nun mehr Kinder mit Corona im Krankenhaus sind und was Eltern tun können, berichtet die Ärztin ab Minute 23:30.

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 22. Januar 2022, 19:30 Uhr