Kommentar

Obernstraße ohne Straßenbahn? Bremer SPD gaukelt eine heile Welt vor

Eine Visualisierung zeigt, wie die Bremer Obernstraße ohne Straßenbahn aussehen könnte.
Eine Visualisierung, wie die Bremer Obernstraße ohne Straßenbahn aussehen könnte. Bild: SPD Bremen

Bäume statt Bahnen: Visualisierungen suggerieren die Schaffung einer höheren Aufenthaltsqualität in der City. Unser Redakteur René Möller hält nichts von den SPD-Plänen.

Wenn ich diese geschönten Architekten-Bilder mit den Liegestühlen, den ausgewachsenen Bäumen und Rasenflächen mitten in der Obernstraße sehe, muss ich immer schmunzeln. Eine heile Welt wird hier vorgegaukelt. Denn in der Realität wird es – wenn die Straßenbahn denn mal aus der Obernstraße verbannt wird – ganz anders aussehen.

Liegestühle wird es so nie geben

Und zwar so: Die Liegestühle wird es so nie geben. Die Rasenfläche sieht aus, wie die vor dem Überseemuseum und man kann es sich so richtig "gemütlich" machen vor einem Ein-Euro-Shop, einer Billig-Drogeriekette oder einem Lebensmitteldiscounter. Denn mehr wird in der Bremer Innenstadt nicht mehr sein, wenn die hochtrabenden Pläne der Bremer SPD Wirklichkeit werden.

Ich erkläre gerne, warum ich das so düster sehe.

1. Eine Straßenbahn hat den Vorteil, dass sie da fahren kann, wo Autos eben nicht fahren können. Sie fährt elektrisch, bringt Menschen da hin, wo sie sein wollen und macht keinen Lärm und Gestank. "Dorf mit Straßenbahn" hat Ex-Bürgermeister Koschnick unsere Stadt immer genannt. Und das hat durchaus seinen Charme.

Es ist ein Standortvorteil, dass die Straßenbahn mitten in die Bremer City fährt, vorbei an den Sehenswürdigkeiten unserer Stadt. Den Vorteil aufzugeben ist komplett falsch.

2. Die Verlegung der Straßenbahn in die Martinistraße wird enorm teuer. Dazu brauche ich kein Gutachten oder eine "Machbarkeitsstudie". Es wird viele Millionen Euro kosten. Zwei- oder dreistellig – egal. Es wird teuer. Und es wird vor allem noch mindestens zehn Jahre dauern, bis es so weit ist.

Den Akteuren fehlen die Ideen

Die Bremer Innenstadt leidet aber jetzt. Ganz konkret. Es braucht jetzt ein Konzept und vor allem muss Leben in die City. Und Leben in einer Stadt besteht heutzutage nicht mehr nur aus Geschäften und Fußgängerzonen. Menschen sollen in dieser Innenstadt wohnen, arbeiten, studieren, Kultur genießen.  Doch dazu fehlen den Akteuren leider die Ideen und auch das Geld.

Hier die Beispiele: Wie lange debattiert diese Stadt schon darüber, dass der Wochenmarkt auf dem Domshof schöner werden soll? Wie lange wird von vielen gefordert, diese grauenhafte und marode Hochstraße am Breitenweg abzureißen? Und wie geht es denn jetzt endlich weiter mit dem seit Ewigkeiten geplanten Umbau der Innenstadt? Es herrscht Stillstand. Und die Straßenbahn-Träumereien werden jetzt dafür sorgen, dass dieser Zustand weiter besteht. 

Im Bremer Viertel pulsiert das Leben

Übrigens: Die Straßenbahn, über die jetzt diskutiert wird, fährt auch mitten durch das Bremer Viertel. Im Ostertorsteinweg und in der Straße Vor dem Steintor pulsiert das Leben. Es gibt Restaurants, Cafés, Kneipen und Geschäfte. Und das ganz ohne diese Photoshop-Liegestuhl-Oasen von denen diese selbsternannten "Innenstadt-Experten" gerade träumen.

Bremer SPD will Straßenbahn in die Martinistraße verlegen

Video vom 3. November 2021
Politiker*innen an einem Tisch, die diskutieren.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autor

  • René Möller

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 3. November 2021, 19:30 Uhr