Kommentar

Schulschiff dauerhaft vor Wohnzimmerfenster: "Das ist plump!"

Ein Schlepper zieht ein Segelschiff in einen Hafen.
Bild: Radio Bremen | Mirjam Benecke

Anwohnern des Neuen Hafens in Bremerhaven wurde ohne Nachfrage das "Schulschiff Deutschland" vor die Fenster gesetzt. Ein Unding, findet Redakteur Dirk Bliedtner.

Alles nur diese notorischen Nörgler. Ziehen in einen Hafen und regen sich dann über Schiffe auf. Eben genau so, wie wenn ein Städter aufs Land zieht und sich über den Misthaufen nebenan beschwert. So könnte man schnell einen Schlussstrich unter die Sache ziehen – und so hat es sich die Stadt wohl auch vorgestellt. Doch so einfach ist die Geschichte nicht. Das zeigt sich jetzt im Rechtsstreit. Huch! Ein Anwohner!

Das habe man gar nicht gedacht, dass es da Probleme geben könnte, heißt es heute von der Stadt. Heißt übersetzt: Lass' die mal quengeln. Sollen froh sein, dass das Museumsschiff nach Bremerhaven geholt werden konnte. In der Tat eine schöne Sache! Und sicherlich ein zusätzlicher Anziehungspunkt für Touristen. Und ein Aushängeschild für die Stadt. Und auch schön, dass es so von der Autobahn auch schon sehr gut zu sehen ist. Außerdem wunderbar, was der Schulschiff-Verein leistet und wie er sich für den Erhalt des maritimen Erbes einsetzt.

Blick vom Schiff ins Wohnzimmer

Aber nun rächt sich, dass die Stadt die beteiligten Bürgerinnen und Bürger eben nicht einbezogen hat. Ihnen einfach dauerhaft eine Schiffswand vors Wohnzimmer zu ziehen, das ist plump. Dann noch zu verlangen, dass sie darüber jubeln, dass künftig auch dauerhaft Veranstaltungen auf dem Schiff laufen – geht gar nicht. Von Deck aus haben die Schiffsbesucher übrigens besten Blick auf den Balkon oder durch die Fenster – wohin auch immer.

Diesen Streit hätte die Stadt von vornherein aus dem Weg räumen können – indem sie einfach mal proaktiv auf die Betroffenen zugegangen wäre. Die haben das übrigens gemacht. Sind aber an mehreren Stellen offenbar von der Stadtverwaltung ausgebremst worden. Ihnen geht es gar nicht darum, dass da ein Schiff liegt. Damit können sie gut leben. Denn normalerweise kommen Schiffe und fahren auch mal wieder. Aber für immer und ewig an derselben Stelle, ohne bewegt zu werden? Das ist wirklich eine andere Ausgangslage für Besitzer von Eigentumswohnungen.

Präzedenzfall aus Bremerhaven?

Da muss sich niemand wundern, wenn die Sache am Ende womöglich doch noch vor Gericht landet. Und nun droht der Fall sogar zum Präzedenzfall zu werden – für alle Museumsschiffe bundesweit. Jetzt, wo die Stadt ein neues Genehmigungsverfahren starten muss und die Bürger einzubinden hat, bringt sie plötzlich ins Gespräch, dass man das Schiff ja 30 Meter in Richtung Norden verlegen könnte ... Ah ja. Geht doch? Schön, dass wir drüber geredet haben.

Ein Schiff liegt am Kai vor einer Häuserreihe.

Liegt die "Schulschiff Deutschland" in Bremerhaven unerlaubt?

Bild: Radio Bremen | Dirk Bliedtner

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Autor

  • Dirk Bliedtner

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 15 Dezember 2021, 14:15 Uhr