Kommentar

Traurige Tradition: Für Bremens SPD hat das Auto leider Vorrang

Ein Auto fährt an einem Symbol für ein Elektroauto vorbei.

Traurige Tradition: Bei Sozialdemokraten hat das Auto leider Vorrang

Bild: DPA | Julian Stratenschulte

Die SPD-Fraktion will die E-Auto-Ladeinfrastruktur ausbauen. Doch das kann nicht die Lösung für die Verkehrswende sein, meint buten-un-binnen-Redakteur René Möller.

Über 300.000 Autos sind aktuell in Bremen zugelassen. Und es werden jedes Jahr mehr, statt weniger. Dabei hat sich die Mehrheit der in der Bürgerschaft vertretenen Parteien mal darauf verständigt: in Zukunft sollen weniger Autos auf Bremens Straßen fahren. Oder besser gesagt: es sollen weniger Autos auf Gehwegen, Radspuren und in Einfahrten herumstehen. Denn das tun Autos die meiste Zeit des Tages – überall herumstehen.

Bremen hat zu wenig Platz für die ganzen Autos. Die derzeit noch fast überall kostenlos abgestellt werden können.

E-Autos sind Mogelpackung bei der Verkehrswende

Und jetzt kommt die SPD-Fraktion mit ihrem "Konzept", wonach es den Menschen weiterhin leicht gemacht werden soll, sich noch mehr Autos anzuschaffen. "Elektroautos" werden die genannt. Das klingt so schön sauber, grün, schadstoffarm. Dass aber die meisten dieser "Elektroautos" Hybridfahrzeuge sind – also Autos, die auch weiterhin mit Kraftstoff fahren – und dass auch sie die Luft verpesten, darüber spricht die SPD nicht in ihrem Papier.

Was die Fachpolitiker und Fachpolitikerinnen der Bremer SPD auch einfach weglassen: Diese Autos werden immer größer. Die meisten dieser "Elektro-Karossen" sind nämlich sogenannte SUVs. "Mobile Adipositas" nennen Kritiker diese immer größer werdenden Autos, die auch nach meiner Auffassung in einer Großstadt nichts zu suchen haben.

In der Bremer SPD-Fraktion sind die Fachpolitiker jetzt am rechnen: 5.000 Ladesäulen soll es in Bremen bald geben. Rund 120 pro Quartier. Überall sollen die Menschen ihre Autos laden können: Vor dem Büro, vor der eigenen Haustür und auf dem Supermarktparkplatz natürlich auch. Damit bloß niemand mal auf die Idee kommt, sich kein neues Auto anzuschaffen.

Wo bleibt das SPD-Konzept für Lastenräder?

Statt die Politik immer weiter am Auto auszurichten, könnte die SPD sich vielleicht auch mal Gedanken machen, wie man wirkliche Alternativen schafft.

Wo ist denn das Konzept der SPD für mehr Lastenräder in Bremen? Wo sind die Ideen der Sozialdemokraten, wie man zum Beispiel mehr Abstellflächen für diese Art Fahrzeuge schafft?

Wenn man schon das Wort "Mobilitätswende" benutzt, sollte man auch alle Verkehrsarten berücksichtigen. Sogar die Bremer CDU hat da inzwischen mehr Ideen. Bei den Sozialdemokraten hat das Auto leider Vorrang. Eine traurige Tradition.

Mehr zum Thema:

Autor

  • René Möller

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Nachmittag, 15. Februar 2022, 16:35 Uhr