Hochwasser, Stürme, Hitze – wie trotzen Bremens Häfen dem Klimawandel?

Eine Frau steht auf einer Mohle zwischen hohen Wellen vor dem Hafen.
Bild: DPA | Ingo Wagner

Die Bremischen Häfen stehen in Zeiten des Klimawandels vor großen Herausforderungen durch Umwelteinflüsse. Eine Wissenschaftlerin und eine Ingenieurin erklären, warum.

Auch die bremischen Häfen müssen zum Klimaschutz beitragen und ihren CO2-Ausstoß drastisch reduzieren. Mit dem Thema hat sich auch die Bremer Klima-Enquetekommission beschäftigt, die an diesem Freitag ihren Bericht vorlegen will. Wie schafft man es, die Häfen gegen die Folgen des Klimawandels zu wappnen? Eine wichtige Frage für die Hafengesellschaft Bremenports – und die Wissenschaft.

Ihre Lage zwischen Land und Meer mache die Häfen durch die Folgen des Klimawandels verwundbar, erklärt Bärbel Koppe, Professorin für Wasserbau und Hydromechanik an der Hochschule in Wismar. Sie hat früher an der Hochschule in Bremen gearbeitet und sich bereits dort damit beschäftigt, was mit dem Klimawandel auf die Häfen zukommen könnte. Ob es zum Beispiel häufigere und heftigere Stürme gibt, müsse die Entwicklung zeigen. Die Expertin erwartet jedoch, dass einzelne Starkwindereignisse zunehmen könnten.

Stürme können Häfen lahmlegen

Ab einer gewissen Windstärke können die Containerbrücken an der Kaje nicht mehr sicher arbeiten. Die Van Carrier – hochbeinige Containertransporter – dürfen nicht mehr fahren. Leercontainer können von Stapeln geweht werden. Auch der Wellengang nimmt zu, die Schiffe liegen nicht mehr ruhig an der Kaje. Die Folge: "port down time" – Ausfallzeit im Hafen. Stürme könnten auch mehr Bäume abbrechen oder umstürzen lassen – vor allem bei Sommerstürmen, wenn die belaubten Bäume dem Wind mehr Angriffsfläche bieten. Und Bäume auf Bahngleisen sind zum Beispiel ein Problem für den Hinterlandverkehr der Häfen.

Hitze betrifft die Konstruktionen und Anlagen im Hafen ebenso wie den Betriebsablauf, erklärt Bärbel Koppe. Starke, langanhaltende Hitze kann Klimageräte lahmlegen. Kühlcontainer fressen mehr Energie. Betonfahrbahnen können aufbrechen, Gleise sich verwerfen. Die Klappbrücke in Bremerhaven hat sich bereits aufgrund hoher Temperaturen verformt, funktionierte nicht mehr gut und musste gekühlt werden, sagt Lena Lankenau, Ingenieurin bei Bremenports.

Große Herausforderung beim Hochwasserschutz

Eine der größten Herausforderungen für die Häfen und ihre Anlagen dürfte aber der Meeresspiegelanstieg sein, sagen Bärbel Koppe und Lena Lankenau. Für die nächsten Jahre und Jahrzehnte sei etwa die Stromkaje noch für steigende Wasserstände gerüstet, das sei eingerechnet.

Aber es gibt auch Berechnungen, die das über das Jahr 2100 hinaus betrachten. Und es ist ganz klar: Früher oder später kommt der Meter Meeresspiegelanstieg.

Lena Lankenau, Ingenieurin bei Bremenports

Wann genau es soweit ist, das kann zur Zeit keiner sagen. Die Szenarien weichen stark voneinander ab – je nachdem, wie sich der Klimawandel entwickelt. Letztlich hängt es auch davon ab, wie gut es gelingt, den Klimaschutz umzusetzen.

Eine Rechnung mit vielen Unbekannten

Die Ingenieure können nur auf Modelle und Szenarien zurückgreifen und nicht auf exakte Daten. Vor allem Bauwerke für den Hochwasserschutz werden für eine lange Standzeit geplant. Sie sind auch besonders teuer, weil sie aufwändig im Boden gegründet werden müssen, erklärt Bärbel Koppe – und rät dazu, von den eher ungünstigeren Szenarien auszugehen, um gewappnet zu sein.

Wir können die Infrastruktur nur dann schützen, wenn wir wirklich gut planen und wenn wir flexibel planen. Es ist ganz wichtig, dass wir eine Flexibilität in unsere Planung reinkriegen.

Bärbel Koppe, Professorin für Wasserbau und Hydromechanik

Üblicherweise arbeiteten Ingenieure mit konkreten Zahlen. Wenn die wegen der noch unbekannten Entwicklung aber nicht vorherzusagen seien, müsse sich die Planung sozusagen herantasten.

Für die Ingenieure und Wissenschaftler gibt es dabei eine nahe Zukunft – die Zeit bis etwa zur Mitte des Jahrhunderts – und eine ferne Zukunft, bis ungefähr zum Jahr 2100. Für sie fächern sich die Szenarien stark auf, sagt Bärbel Koppe. Schon jetzt müsse man den Klimawandel bei den Planungen immer mitdenken, sagt auch Lena Lankenau.

Es lässt sich im Prinzip sagen, dass das Thema Klimaanpassung mit der Umsetzung dieser Konzepte nicht länger nur eine strategische Aufgabe ist, sondern dass wir damit jetzt auch ins operative Geschehen eingestiegen sind.

Lena Lankenau, Ingenieurin bei Bremenports

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Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Catharina Spethmann

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 17. Dezember 2021, 19:30 Uhr