Interview

Online-Ratenkauf-Schulden: So vermeiden Bremer ein böses Erwachen

Eine Hand hält ein Smartphone, auf dem das Wort "Klarna" steht
Matthias Hufländer von der Bremer Verbraucherzentrale gibt Tipps, wie man Online-Schulden vermeiden kann. Bild: DPA | Pavlo Gonchar

Zahlungsdienste wie Klarna oder PayPal bieten den Kauf auf Raten an. Viele tappen dadurch in die Schuldenfalle. Wie man sich davor schützt, erklärt ein Experte der Verbraucherzentrale.

In sozialen Netzwerken wie TikTok berichten Menschen von ihren Klarna-Schulden und geben teilweise sogar damit an. Matthias Hufländer von der Verbraucherzentrale Bremen erklärt im Interview die Tücken der Ratenfunktion und gibt Tipps, wie sich Verbraucherinnen und Verbraucher dagegen schützen können.

Herr Hufländer, Klarna aber auch Paypal bieten die Funktion "buy now pay later" an: Was ist dabei das Problem für Verbraucherinnen und Verbraucher?
"Buy now pay later" ist die Funktion, Zahlungen aufzuschieben. Ich kann mir heute etwas leisten, was ich später bezahlen muss. Dieses Verhalten entspricht genau dem, was Verbraucherinnen und Verbraucher laut unserer Empfehlung nicht tun sollten. Das birgt nämlich die Gefahr, dass man sich leicht in Rechnungen verzettelt: Man kauft sich etwas, was man sich heute nicht leisten kann – und das kann schnell zur Schuldenfalle werden.

Junge Leute, die nicht bezahlen, handeln sich schnell Mahnverfahren ein und gefährden dadurch massiv ihre Zahlungsfähigkeit.

Matthias Hufländer von der Verbraucherzentrale Bremen
Es gibt den Tiktok-Trend, dass Menschen mit ihren Klarna-Schulden angeben: Wie gefährlich kann das sein?
Wenn ich mich heute verschulde und poste, dass ich mir viel leisten kann, habe ich dann nur die Ware auf Rechnung gekauft, die ich später bezahlen muss. Junge Leute, die nicht bezahlen, handeln sich schnell Mahnverfahren ein und gefährden dadurch massiv ihre Zahlungsfähigkeit. Der Schufa-Score verschlechtert sich und später kann ich dann im Zweifel nichts mehr per Rechnung kaufen.
Sind auch ältere Menschen von diesen Schulden betroffen?
Meine Erfahrung ist: Das geht durch alle Bevölkerungsschichten, dass Menschen ihren Kauf auf Rechnung in die Zukunft verschieben. Trotzdem betrifft das Phänomen "buy now pay later" hauptsächlich Menschen zwischen 18 und 34. Das könnte daran liegen, dass mir der Kauf auf Raten heutzutage unheimlich einfach gemacht wird. Mit einem Klick kann man etwas auf Raten bezahlen. Gerade bei jüngeren Leuten unterscheidet man nicht mehr, ob jemand 18 oder 50 ist. Eventuell schützt ältere die Lebenserfahrung etwas besser vor dieser Falle. Jüngere sammeln ihre Erfahrung noch.
Was sollten Menschen tun, die hohe Schulden durch Online-Ratenkauf haben oder merken, dass sie vergessen haben, ihre Zahlung zu begleichen?
Sie können sich rechtliche Hilfe holen, die bietet die Verbraucherzentrale Bremen an. Gerade bei einzelnen Forderungen kann das helfen. Wer allerdings für sich merkt, dass er im Prozess gefangen und überschuldet ist, kann bei der Schuldnerberatung Hilfe bekommen.

Natürlich kann der Kauf auf Raten auch nützlich sein, wenn zum Beispiel mal ein wichtiger Alltagsgegenstand kaputt gegangen ist und man Ersatz bestellen muss.

Matthias Hufländer von der Verbraucherzentrale Bremen
Mit welchen konkreten Problemen in Bezug auf diese Schulden kommen Menschen auf die Verbraucherzentrale Bremen zu? Wie lassen sich diese Probleme vermeiden?
In den meisten Fällen kommen die Menschen, wenn es höhere Zahlungsforderungen sind. Ein Beispiel: Ein Artikel kostet normalerweise 39,95 Euro, die Rechnung wird nicht bezahlt und ein Inkassounternehmen wird beauftragt. Der Artikel kann dann schon mal rund 20 bis 30 Euro mehr kosten. Dass Zahlungsdienste Inkassounternehmen beauftragen, wenn die Zahlung ausbleibt, ist übrigens gesetzlich erlaubt.

Manchmal haben Kunden eine Ware bestellt, gekauft, zurückgeschickt aber das wurde dem Zahlungsdienst nicht mitgeteilt und die Rechnung wurde nicht angepasst. Da kann man sich gegen wehren, wenn die Forderung nicht berechtigt ist. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten sich in diesem Fall am besten direkt an den Zahlungsdienstleister wenden, wenn man die Ware zurückgeschickt hat. Und man sollte selber den Händler nochmal darauf hinweisen, dass dem Zahlungsdienstleister sagen soll, dass das Produkt zurückgeschickt wurde.

Ein weiteres Problem könnte sein, dass der Verwendungszweck bei der Rechnung von Klarna nicht richtig angegeben wurde. Man sollte dringend auf den korrekten Verwendungszweck achten, weil Klarna die Überweisungen automatisiert prüft. Nach interner Prüfung wird einem dann das Geld zurück überwiesen. Obwohl ich gezahlt habe, können mich dann unerwartet hohe Mahngebühren treffen, wenn ich nicht regelmäßig meine Kontobewegungen prüfe. Da wäre der klare Tipp: Verbraucher sollten sich genau ansehen, wie der Verwendungszweck angegeben werden muss.
Was können Verbraucher noch tun, um der Schuldenfalle beim Online-Kauf zu entgehen?
Ich würde mir immer zwei Fragen stellen: Brauche ich das wirklich und duldet die Bestellung keinen Aufschub? Natürlich kann der Kauf auf Raten auch nützlich sein, wenn zum Beispiel mal ein wichtiger Alltagsgegenstand kaputt gegangen ist und man Ersatz bestellen muss. Dann sollte ich aber drauf achten, dass ich das Zahlungsziel einhalte und die Forderung begleichen. Außerdem ist wichtig zu wissen, dass der Ratenkauf oft mit hohen Kosten verbunden ist: Es kann Sollzinsen bis zu 15 Prozent geben. Da summiert sich die Forderung schnell auf. In manchen Fällen ergibt es dann mehr Sinn, mit der eigenen Bank zu sprechen und einen höheren Dispositionsrahmen zu vereinbaren. Der Dispozins liegt in der Regel mit rund 9 bis 11 Prozent etwas niedriger.

Autor