Bremer Film auf der Berlinale: "Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush"

Bild: Pandora Film | Andreas Höfer

Fünf Jahre kämpfte Rabiye Kurnaz aus Bremen dafür, ihren Sohn aus US-Gefangenschaft zu befreien. Die Verfilmung kommt bald in die Bremer Kinos. Was ist Fiktion, was Fakt?

Wie eine Löwenmutter habe Rabiye Kurnaz für ihren Sohn gekämpft, um ihn aus Guantanamo herauszubekommen. Vor allem deshalb sei das nach fünf Jahren unrechtmäßiger Gefangenschaft auch geglückt, sagt Bernhard Docke, Murat Kurnaz’ Anwalt. Der Film "Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush", der bei der Berlinale seine Weltpremiere feiert, sei "nah dran" an den Ereignissen von damals. "Die Geschichte ist authentisch. Der rote Faden stimmt", urteilt Docke. Er ist bei der Premiere in Berlin dabei.

Filmszene aus "Rabiye Kurnaz gegen Geroge W. Bush".
Während sich Rabiye im Flieger (Meltem Kaptan) auf Bernhard Dockes (Alexander Scheer) Schulter ausruht, bereitet sich dieser auf Termine in den USA vor. Bild: Pandora Film | Luna Zscharnt

Der heute 67-jährige Rechtsanwalt weiß, wovon er redet, wenn er über Murat Kurnaz, Guantanamo und über den Film spricht. Im Frühjahr 2002 hatte Rabiye Kurnaz ihn damit beauftragt, ihren Sohn aus dem US-amerikanischen Gefangenenlager auf Kuba zu befreien. Docke hat einen großen Anteil daran, dass Murat Kurnaz im August 2006 wieder deutschen Boden betreten und von seiner Familie in Bremen in die Arme geschlossen werden konnte.

Der Film rückt des Anwalts und Rabiye Kurnaz’ gemeinsamen Kampf gegen die Mühlen der US-amerikanischen Justiz ins Zentrum des Geschehens. "Bernhard Docke sollte unbedingt zur gleichwertigen zweiten Hauptfigur werden", beschreibt Regisseur Andreas Dresen Dockes Part in dem Film und fügt hinzu: "Für den Film ist er der intellektuelle Motor, weil er es ja auch für das juristische Verfahren gewesen ist."

Bei Rabiye und Bernhard ergänzen sich Herz und Verstand auf geradezu wunderbare Weise.

Porträt vom Filmregisseur Andreas Dresen.
Andreas Dresen, Regisseur

Ein Spielfilm, keine Doku

Zwar möchte Docke dieser Einschätzung des Regisseurs nicht widersprechen, betont jedoch auch: "Es ist ein Spielfilm und kein Dokumentarfilm, damit entsprechen die Figuren zwangsläufig nicht eins zu eins der Wirklichkeit." Schauspieler Alexander Scheer, der Docke im Film verkörpert, macht in den Augen des Dargestellten zwar einen "guten Job". Dennoch merkt Docke an: "Ich werde etwas steifer und zurückhaltender dargestellt, als ich mich selbst empfinde. Aber damit komme ich klar."

Filmszene aus "Rabiye Kurnaz gegen Geroge W. Bush".
Wie hier im Film, so ist Rabiye Kurnaz (Meltem Kaptan) auch schon im wirklichen Leben im offenen Cabrio zu Elektro-Pop durch Bremen gesaust. Bild: Pandora Film | Luna Zscharnt

Geradezu begeistert zeigt sich Docke von der schauspielerischen Leistung Meltem Kaptans, die Rabiye Kurnaz in dem Film verkörpert: "Rabiye ist eine unglaublich quirlige, herzige, dynamische und witzige Person. Meltem Kaptan bringt das unglaublich gut auf den Punkt."

Wie quirlig und wie dynamisch Rabiye Kurnaz tatsächlich sein kann – das hat im Vorfeld der Dreharbeiten auch Drehbuch-Autorin Laila Stieler herausgefunden.

Bei unserer zweiten Verabredung fuhr sie in einem schnittigen weißen Mercedes-Cabrio am Bahnhof vor und wir sind mit lautem Elektro-Pop durch Bremen gesaust.

Porträt von Drehbuchautorin Laila Stieler.
Laila Stieler, Drehbuchautorin

Doch so sehr sich die Drehbuchautorin und Regisseur Andreas Dresen auch darum bemüht haben, den Charakteren ihrer Hauptfiguren gerecht zu werden, geht es ihnen in ihrem Film doch vor allem um die große Politik: "Warum darf in unserer Demokratie passieren, was Murat Kurnaz und all den anderen Menschen passiert ist, die zu Unrecht in Guantanamo einsaßen und bis heute einsitzen?", beschreibt Dresen die Schlüsselfrage, die er sich bei der Entwicklung des Films gestellt habe.

Dabei habe er allerdings auch einen positiven Aspekt ausgemacht: "Die Welt ist veränderbar! Eine türkische Hausfrau aus Deutschland kann Steine zum Tanzen bringen. Sie kann von Bremen aus gegen den US-Präsidenten losziehen und gewinnen", sagt Dresen.

Bremer Spielorte

Filmszene aus "Rabiye Kurnaz gegen Geroge W. Bush".
Meltem Kaptan spielt Rabiye Kurnaz famos, findet Bernhard Docke. Bild: Pandora Film | Luna Zscharnt

"Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush" ist eine deutsch-französische Koproduktion, an der unter anderem auch der Norddeutsche Rundfunk und Radio Bremen mitgewirkt haben. Dabei wurde viel in Bremen gedreht, wie beispielsweise an der Schlachte, Am Wall, vor dem Bremer Landgericht, Vor dem Steintor oder auch mit Blick aufs Weserstadion. Andere Einstellungen zeigen den Bremer Flughafen und natürlich Hemelingen, den Stadtteil, in dem Rabiye Kurnaz damals lebte. Ortskundige Zuschauerinnen und Zuschauer werden Delmenhorst in einigen Einstellungen erkennen.

"Ich freue mich, dass mit diesem Film der Mutter und ihrem Engagement ein Denkmal gesetzt wird", sagt Bernhard Docke über "Rabiye Kurznaz gegen George W. Bush". Er hoffe, dass der Film möglichst viele Menschen begeistert – jetzt auf der Berlinale, vor allem aber ab dem Kinostart am 28. April in Rabiye und Murat Kurnaz’ Heimat: in Bremen.

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 12. Februar, 19.30 Uhr