Mit Kindern über Krieg reden: 3 Tipps von einem Bremer Psychiater

Eine Grupper Kinder sitzt auf dem Boden und hört einer Erwachsenen zu.
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In Europa herrscht Krieg. Viele Eltern fragen sich, wie sie das, was gerade zwischen der Ukraine und Russland passiert, ihren Kindern erklären sollen.

Viele Eltern fragen sich, wie gehe ich persönlich mit dem Krieg zwischen Russland und der Ukraine um? Und wie erkläre ich das meinen Kindern oder sollte ich es lieber verschweigen? Nein, sagt Kinder- und Jugendpsychiater Frank Forstreuter im Interview mit Bremen Vier. Es ist immer wichtig, dass dem Thema Raum gegeben wird, auch wenn es Angst macht, so der Chefarzt am Klinikum Bremen Ost.

1 Raum für Gespräche schaffen

"Wichtig ist immer, dass Ängste und Sorgen einen Raum bekommen und darüber überhaupt zu sprechen", empfiehlt Frank Forstreuter. Das bedeutet, den Kindern zuzuhören, Fragen beantworten und ihnen in einfachen Worten erklären, was Krieg überhaupt bedeutet.

Was genau man sagt, hängt natürlich sehr vom Alter und vom Kontext der Kinder ab, so Forstreuter. "Das Wichtigste ist, dass das Thema nicht in der Familie tabuisiert wird, sondern Raum dafür geschaffen wird." Das können Eltern intuitiv – nur im absoluten Ausnahmefall entsteht daraus irgendwann mal etwas, wo die Kinder oder die Erwachsenen dann zusätzliche professionelle Hilfe bräuchten. "Aber ich würde es in einem ersten Schritt gar nicht so groß machen", fasst der Psychiater zusammen.

2 Sorgen und Ängste nehmen

Eltern sollten auf jeden Fall authentisch bleiben und ihre eigenen Unsicherheiten und Sorgen offen und ehrlich kommunizieren, rät der Psychiater. Im nächsten Schritt gilt: Zuhören und sich eingestehen, dass man auch keine einfachen Antworten oder Erklärung hat. Und dabei keineswegs die Ängste oder Themen der Kinder abtun. Das sei oft der erste Reflex, so der Kinderpsychiater. "Wenn ich selber mit etwas überfordert bin, will ich ja am liebsten gar nichts davon wissen oder gar nicht darüber reden oder gar nichts damit zu tun haben. Und das ist für die Kinder und Jugendlichen natürlich ein Problem", erklärt er.

Der Krieg in der Ukraine ist erst mal keine Bedrohung, die uns unmittelbar, sondern nur mittelbar betrifft: "Ich glaube auch, dass es erst mal ganz, ganz wichtig ist, dass den Kindern und Jugendlichen zu vermitteln". In Bremen gibt es erst mal keinen Grund, Angst davor zu haben, dass der Krieg auch Deutschland erreicht oder dass das eigene Leben oder der Körper der Kinder in Gefahr ist. Das gilt auch für die Familie und Bekannte und das kann man deutlich machen.

3 Gefühle abfangen und formulieren

Auch mache Erwachsenen machen sich Sorgen oder haben vielleicht Angst. Als Kinderpsychiater meint Forstreuter, dass sei eine ganz normale menschliche Reaktion. Solche Reaktionen gehören zum Leben und sind stimmig, auch für Kinder.

Diese Emotionen helfen auch den Kindern zu erkennen, dass der Krieg auch für Mama und Papa erschütternd ist. Auch Eltern können manchmal nicht weiter wissen – auch den Kindern gegenüber. Das zu beobachten, hilft den Kindern, ihre eigenen Sorgen einzuordnen.

"Krieg in Europa ist etwas, was für Kinder nicht greifbar ist", erklärt Forstreuter. Dabei sind im Gespräch Fragen zu klären, was Europa ist und wo die Ukraine liegt und dabei zu zeigen, wie nah der Krieg bei uns ist, aber auch, wie weit weg. Und dass das für die Menschen, die dort sind, ganz, ganz schlimm ist, so der Psychologe. Aber die Kinder in Bremen selbst müssen erstmal keine Angst haben.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Läuft, 25. Februar 2022, 7:20 Uhr