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Bremer Experten: Nach Impfung gestorben – wie wahrscheinlich ist das?

Eine blaue Schale mit Impfspritzen darin.
Bild: Radio Bremen

Ein Kind aus dem Kreis Cuxhaven soll infolge einer Corona-Impfung gestorben sein. Noch stehen aber Untersuchungen aus, um Klarheit zu bekommen. Wie wahrscheinlich ist so ein Fall?

Ein zwölfjähriges Kind aus dem Landkreis Cuxhaven ist zwei Tage nach einer Corona-Impfung gestorben. Das vorläufige Obduktionsprotokoll legt laut Landkreis Cuxhaven einen Zusammenhang des Todes der Zwölfjährigen mit der Impfung nahe, noch warte man aber auf den endgültigen Obduktionsbericht. Wir haben mit der Epidemiologin Ulrike Haug vom Leibniz-Institut und Sebastian Springer, Professor für Biochemie und Zellbiologie an der Jacobs University, über den Fall gesprochen. Für die Familie sei der Tod ihres Kindes "extrem grausam", sagte Springer im Gespräch mit buten un binnen. Beide Experten erklären, wie wahrscheinlich eine so extreme Nebenwirkung ist.

Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Mensch an einer Corona-Impfung stirbt?
Es wurde seit Beginn der Impfungen viel über seltene Nebenwirkungen geschrieben und gesprochen. Auch über Todesfälle wurde schon berichtet. Epidemiologin Ulrike Haug nennt als Beispiel junge Männer, die nach einer Impfung eine Herzmuskelentzündung bekamen. Dass Betroffene daran sterben, ist "extrem selten", so Haug. In den meisten Fällen klingen die Symptome ab. Ein anderes Beispiel für seltene schwere Nebenwirkungen seien die Sinusvenenthrombosen bei jungen Frauen. Dies betraf den Impfstoff von Astra Zeneca, der bei Jüngeren mittlerweile nicht mehr zum Einsatz kommt. In Bremen sind bislang keine Fälle bekannt.

Alle Impfstoffe haben Nebenwirkungen, sagt Professor Springer von der Jacobs University. Schwere Nebenwirkungen seien aber extrem selten. Der Biochemiker geht von einem Fall pro Million Impfungen aus. Aber gerade bei so vielen Impfungen gibt es noch keine gesicherten Statistiken, die einen direkten Zusammenhang zwischen einer Impfung und dem folgenden Tod bestätigen.
Laut Robert-Koch-Institut (RKI) gibt es auch eine gewisse Anzahl von zufälligen Todesfällen, die direkt nach einer Impfung auftreten, ohne aber kausal mit der Impfung verbunden zu sein.
Spielen bei extremen Nebenwirkungen andere Faktoren eine Rolle?
Ja, sagt Springer. Meist spielen andere Faktoren eine Rolle, wenn starke Nebenwirkungen auftreten. Doch dabei gehe es um Allergien auf Zusatzstoffe der Impfung, nicht um den Impfstoff selbst. Das gelte auch für die bekannten Corona-Impfstoffe, so Springer.
Wer sich unsicher ist oder schon von allergischen Reaktionen wisse, dem empfiehlt Springer, sich persönlich mit seinem Impfarzt zu besprechen.
Müssen Eltern sich jetzt große Sorgen machen?
"Eltern von gesunden Kindern müssen sich keine Sorgen machen und auch bei den allermeisten Vorerkrankungen ist die Impfung sicher", sagt Epidemiologin Haug. "Ob in diesem Fall eine Vorerkrankung vorlag und welche, und ob sich daraus ein spezielles Risiko für die Impfung ergab, ist bisher nicht bekannt."

Springer würde seine Kinder auf jeden Fall impfen lassen, sobald eine Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) vorliege, sagte er buten un binnen. Denn die Impfung sei der einzige Weg aus der Pandemie. Außerdem reduzieren Impfungen die Wahrscheinlichkeit einen schweren Corona-Krankheitsverlauf zu bekommen. "Der Nutzen der Impfung ist größer, als die Nebenwirkungen." Es ist durchaus möglich, dass es Nebenwirkungen gibt, aber statistisch extrem unwahrscheinlich.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 3. November 2021, 19 Uhr