Viele Kinderärzte in Bremen nehmen keine neuen Patienten auf

Kinderarztbesuch

Engpass in Bremer und Bremerhavener Kinderarztpraxen

Bild: DPA | Christin Klose
  • Kinder- und Jugendärzte im Land Bremen müssen neue Patienten abweisen
  • Das schildert der Landesverband der Kinder- und Jugendärzte Bremen
  • Experte rät, planbare Termine mehrere Monate im Voraus zu vereinbaren

Die Kinder- und Jugendarztpraxen in Bremen und Bremerhaven sind stark belastet. Viele Ärzte nehmen momentan keine neuen Patienten auf, sagte der Landesvorsitzende des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte in Bremen, Stefan Trapp, zu buten un binnen.

In beiden Städten arbeiteten die Ärzte allein mit der Versorgung der bestehenden Patienten an der Kapazitätsgrenze, sagte Trapp. Neue Patienten, darunter Neugeborene und zugezogene Kinder, könnten in den Praxen wegen der Überlastung kurzfristig nicht versorgt werden. Notfälle würden aber nicht abgewiesen, betonte Trapp.

Eltern nehmen weite Wege zum Arzt in Kauf

In der Stadt Bremen sei die Lage besonders angespannt in den Stadtteilen Bremen-Nord, Walle, Gröpelingen und Huchting. Viele Eltern von dort versuchten, bereits in weit entlegenen Stadtteilen Termine beim Kinderarzt zu bekommen, sagte Trapp.

Eltern können letztlich nur die einzelnen Arztpraxen abtelefonieren und es versuchen. Irgendwo ist es möglich, einen Termin zu vereinbaren.

Stefan Trapp, Landesvorsitzender des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte Bremen

Er empfiehlt Eltern, Termine für die verpflichtenden Kinder-Vorsorgeuntersuchungen frühzeitig zu vereinbaren. Wenige Wochen vor Ablauf der Frist könnten dafür aktuell keine Termine vergeben werden.

Zu wenig Personal, zu viele Aufgaben

Ein Grund für die angespannte Lage in den Kinder- und Jugendarztpraxen sei der Personalmangel. Vielen Kinderärzten fehlten medizinische Fachangestellte. Diese wechselten oft in die Klinken, weil sie dort besser bezahlt werden, erklärte Trapp. Auch übernehmen Kinderärzte immer mehr Aufgaben abseits des rein medizinischen Bereichs. Dazu gehörten Beratung der Eltern zu psychischen Krisen, Erziehung und Vermittlungsarbeit mit Schulen oder Kindertagesstätten. "Wir erleben eine Überfrachtung von Aufgaben", sagte Trapp.

Hinzu kommt, dass die steigende Zahl von Corona- und Atemwegsinfektionen für mehr Arbeit in den Praxen sorge. Für gewöhnlich sei in den Sommermonaten Zeit für Erst- und Kennenlern-Gespräche mit Neu-Patienten. "Das ist in diesem und dem letzten Jahr aber so gut wie ausgeblieben", sagte Trapp.

Eltern in vielen Fällen laut Kinderfacharzt zu besorgt

Nicht nur Krankheit und die Urlaubszeit belasteten die Ärzte derzeit. Auch bei einfachen Infekten kommen laut Marco Heuerding, Sprecher des Berufsverbandes der Kinder-und Jugendärzte in Bremen, die Eltern in die Praxis. Es fehle an einer gesunden Immunisierung der Kinder durch zurückliegende Erkältungen. Wenn der Infekt nach zwei Tagen noch da sei, kommen die Eltern nach zwei Tagen wieder, kritisiert Heuerding.

In Bremen und Bremerhaven gab es Ende 2021 demnach knapp 40 Arztpraxen, in denen 67 Kinderärztinnen und Kinderärzte arbeiteten.

Warum immer mehr Fachkräfte in Bremer Arztpraxen fehlen

Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Nachrichten, 13. Juli 2022, 14 Uhr