Interview

Klimahaus-Tierpfleger über 2021: "Das war eine Ausnahmesituation"

Bild: DPA | Sina Schuldt

Ein Waran brachte das Bremerhavener Klimahaus 2021 in die Schlagzeilen – und mit ihm Tierpfleger Mirko Brüger. Für ihn war aber ein anderes Tier Highlight des Jahres.

Evakuierung im Klimahaus – ein Waran-Weibchen ist aus seinem Gehege ausgebrochen: Diese Meldung sorgte im Juli bundesweit für Schlagzeilen. Auf die Suche machte sich damals auch Tierpfleger Mirko Brüger, der seit elf Jahren im Klimahaus arbeitet. Und er war erfolgreich! Doch ein anderes tierisches Ereignis hat ihn in diesem Jahr noch mehr bewegt.

Sie waren bei der Suche nach dem Waran-Weibchen an vorderster Front. Wie haben Sie die Tage in Erinnerung?
Ich war gar nicht im Haus. Ich bekam einen Anruf: "Der Waran ist weg." Ich dachte, das kann nicht stimmen. Die hat sich nur zurückgezogen und im neuen Gehege versteckt. Unser Weibchen ist nämlich das ruhigere, ängstlichere Tier. Aber wir konnten sie trotz intensiver Suche nicht im Terrarium finden. Wir haben alles auseinandergenommen. Nach drei Tagen haben wir sie dann im Nachtregenwald in Kamerun gefunden. Da gibt es viele Verstecke. Wir haben alles durchforstet und auch den Boden hochgenommen, und da war sie dann tatsächlich auch. Wir haben danach Nachforschungen angestellt. Es war ein Netz drüber, vielleicht hat sie da eine Lücke gefunden. Aber jetzt ist es dicht und das Weibchen hat sich eingelebt und frisst viel.
Ein Waran in seinem Gehege im Klimahaus in Bremerhaven. Mit seinen braun und beige Tönen tarnt er sich gut in seiner steinigen Umgebung.
Das Waran-Weibchen hatte sich unter einem Fußboden versteckt. Bild: Radio Bremen
Wie ging es Ihnen während der drei Tage?
Ich war schon nervös, das war schon eine Ausnahmesituation. Ich habe mir gar nicht mal um das Tier selber Sorgen gemacht, das Waran-Weibchen hätte schon ein paar Wochen ausgehalten, aber um das Haus. Wir können ja nicht Besucher da rumlaufen lassen. Aber ich habe schon gedacht, dass wir es wiederfinden.
Was hat Sie dieses Jahr sonst bewegt? Was war Ihr persönliches Highlight und was würden Sie am liebsten aus Ihrer Erinnerung streichen?
Wir haben privat einen Hund gekriegt aus dem Ausland, Wilma. Das hat viel Zeit und Nerven gekostet, aber jetzt hat sie sich gut eingelebt. Negativ waren die Corona-Einschränkungen, irgendwann nervt's, aber die betreffen alle. Abgesehen davon kann ich mich nicht groß beklagen. Im Klimahaus hatten wir wegen Corona lange Kurzarbeit. Für unsere Arbeit als Tierpfleger macht das keinen großen Unterschied, aber für die Kollegen in der Ausstellung. Die Pflege bleibt gleich. Wir konnten uns in der Ausstellung sogar mehr Zeit lassen, weil keine Besucher da waren.
Was wünschen Sie sich für 2022?
Ein bisschen mehr Normalität, mal wieder verreisen zu können. Es gibt viel zu viele Traumziele. Und fürs Klimahaus: Dass das Alltägliche wieder läuft, mehr Besucher und mehr Tiere in der Ausstellung.

Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 30. Dezember 2021, 19:30 Uhr