Interview

Tänzerin Gesa Oldenbüttel: "Das Publikum war gigantisch"

Bild: Angelina Thranow

Mit dem tollen Comeback bei der WM verlief das Jahresende für die TSG Bremerhaven perfekt. Zuvor wurde jedoch viel gebangt, wie Tänzerin Gesa Oldenbüttel verrät.

Am Ende war der Jubel riesengroß. Die Freude musste bei der TSG Bremerhaven einfach raus, als die Wertungsrichter dem Team bei der WM 33,38 Punkte verliehen. Das reichte für den 4. Platz und somit für ein tolles WM-Comeback der Bremerhavener nach 14 Jahren. Bei der TSG sorgte das Ende des Jahres für strahlende Gesichter, doch wie Tänzerin Gesa Oldenbüttel erzählt, gab es für die Formation zuvor auch schwierige Momente und vor allem Ungewissheit. Die 31-jährige Personalentwicklerin blickt auf das Jahr der TSG zurück.

Frau Oldenbüttel, mit der TSG Bremerhaven liegt hinter Ihnen ein Jahr mit vielen Aufs und einigen Abs. An welche Momente denken Sie besonderes gerne und an welche weniger gerne zurück?
Bereits zu Beginn des Jahres war klar, dass die Bundesliga nicht stattfinden wird. Deshalb mussten wir uns von unserer alten Musik für "The Wall" verabschieden. Diese Choreografie haben wir am Ende leider nur fünfmal getanzt. Eigentlich war sie für zwei Saisons eingeplant, aber das ging dann nicht. Im Frühjahr konnten wir diese Choreo zumindest noch einmal tanzen und uns von ihr verabschieden. Das war ein sehr schöner Moment. Das Jahr bestand ansonsten viel aus Daumen drücken dafür, dass die Deutsche Meisterschaft im November in Bremerhaven stattfinden kann. Und dies auch mit Zuschauern. Ohne die Zuschauer ist es furchtbar, weil das Publikum uns trägt und der Applaus natürlich irgendwo auch unsere Belohnung ist. Dass wir am Ende des Jahres mit der DM und der WM dann zwei große Turniere vor Publikum tanzen durften, war einfach super.
Wie groß war die Sorge in der Formation, dass die Corona-Pandemie allem wieder einen Strich durch die Rechnung macht?
Im Laufe des Jahres haben wir gebangt, ob die DM stattfinden kann. Irgendwann waren wir uns dann sicher, dass es funktionieren wird. Bei der WM haben wir, ehrlich gesagt, vorher gedacht: "Leute, das wird nichts." Wir haben trotzdem immer so trainiert, als würde sie stattfinden, aber als dann die Standard-WM in Braunschweig abgesagt wurde, hatte eigentlich keiner mehr damit gerechnet. Wir arbeiten alle und trainieren nebenher wahnsinnig viel für unseren Sport. Wenn es dann ein paar Tage vorher abgesagt worden wäre, wäre das schon richtig bitter für uns gewesen.
Die WM verlief für Ihre Formation perfekt. Sie konnten sich für das Finale qualifizieren und auch dort mit dem 4. Platz überraschen. War es der perfekte Abschluss des Jahres 2021?
Als wir erfahren haben, dass wir nach dem Rückzug des TSZ Velbert wirklich an der WM teilnehmen dürfen, haben wir uns schon wahnsinnig gefreut. Damit war aber auch klar, dass wir die Vorweihnachtszeit in der Trainingshalle verbringen werden (lacht). Es ist schön, dass sich die ganze harte Arbeit gelohnt hat. Als ich am Samstag der WM vor der Vorrunde bei den Männern den Bundesadler auf der Brust gesehen habe, war das schon richtig cool. Ein gutes Gefühl war es auch, die Trainingsanzüge des DTV mit dem Schriftzug "Team Germany" anzuziehen. Das Publikum in der Bremer Stadthalle war gigantisch. Die Halle hat uns bei der WM getragen, das haben wir gespürt. Schade ist nur, dass wir Corona-bedingt kaum Kontakt zu den Formationen aus anderen Ländern hatten.
Was sind Ihre persönlichen Wünsche und Hoffnungen für das Jahr 2022?
Wie vermutlich jeder wünsche ich mir, dass wir von der 5. Corona-Welle vielleicht doch größtenteils verschont bleiben. Ich hoffe, dass meine Liebsten, meine Familie und natürlich auch ich gesund bleiben. Die Formation ist eine Art zweite Familie. Da ist es mein Wunsch, dass wir einfach weiterhin so gut gemeinsam funktionieren und so viel Zeit miteinander verbringen. Sportlich hoffe ich, dass die Bundesliga, die Mitte Januar starten soll, stattfinden kann. Und natürlich wäre es toll, wenn wir uns für die Europameisterschaft Ende Mai in Wien qualifizieren würden. Das ist wieder ein tolles Ziel.

TSG Bremerhaven tanzt sich mit "Time Machine" auf Platz 4

Bild: DPA | Hauke-Christian Dittrich

Autor

  • Karsten Lübben Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 30. Dezember 2021, 19:30 Uhr