Interview

Wählen in Bremen während Corona: "Eine logistische Herausforderung"

Porträt von Benjamin Fellbusch
Wahlhelfer aus Überzeugung: Marc-Benjamin Fellbusch unterstützte in Bremen auch bei der Bundestagswahl unter Corona-Bedingungen. Bild: Benjamin Fellbusch

Bei den Wahlhelferinnen und Wahlhelfern in Bremen rauchten vor dem 26. September die Köpfe. Marc-Benjamin Fellbusch blickt auf die Wahl unter Corona-Bedingungen zurück.

Die Bundestagswahl war deutschlandweit das Thema des Spätsommers. Während auch die Menschen in Bremen gespannt beobachteten, ob nun Armin Laschet (CDU), Olaf Scholz (SPD) oder Annalena Baerbock (Grüne) ins Bundeskanzleramt einziehen, lag vor den Wahlhelferinnen und Wahlhelfern am 26. September die komplizierte Aufgabe, die Wahl unter Corona-Bedingungen durchzuführen. Als Wahlhelfer hat Marc-Benjamin Fellbusch in Bremen schon bei vielen Wahlen unterstützt. So aufreibend wie dieses Mal war es aber noch nie, erzählt der 37-jährige Business Development Manager.

Herr Fellbusch, am 26. September fand die Bundestagswahl statt, bei deren Durchführung in Bremen Sie erneut als Wahlhelfer unterstützt haben. Weshalb führen Sie dieses Amt so gerne aus?
Es ging los während des Studiums. Damals habe ich als Studentische Hilfskraft im "International Office" der Uni gearbeitet und wir wurden gefragt, ob wir das machen würden. Das klang für mich direkt spannend. Ich denke, der Gemeinschaft kann auch mal etwas zurückgegeben werden. Politik finde ich zudem auch total interessant. Ich bin begeisterter Schauer von Polit-Talks und sehe mir da eigentlich fast alles an. Mir macht es Spaß, den Prozess der Wahl dann hautnah mitzuerleben und mitzugestalten. Es geht ja auch um unser aller Zukunft. Deshalb helfe ich da gerne mit. Und freie Sonntage kenne ich ja bereits durch den Tanzsport beim Grün-Gold-Club nicht (lacht).
Die Bundestagswahl fand dieses Mal unter Corona-Bedingungen statt. Wie sehr hat sich diese für Sie von vorherigen Wahlen unterschieden?
Die Planungen gingen dieses Mal schon deutlich früher los und haben viel Zeit verschlungen. Alle Wahlvorsteher der Wahllokale in der Zionsgemeinde in der Neustadt haben vorher besprochen, wie es Corona-konform ablaufen soll. Wir haben uns schon einen Tag vor der Wahl getroffen, um alles aufzubauen. Das war eine wirklich sehr gute Entscheidung, weil wir uns um viele Dinge kümmern mussten. Wie läuft das mit dem Spuckschutz? Wo stelle ich das Desinfektionsmittel hin? Wie bekomme ich die Menschen ohne unnötige Kontakte vom Eingang in ihr richtiges Wahllokal? Wir haben uns dann ein System mit unterschiedlichen Linien ausgedacht und den Boden entsprechend beklebt. Dazu haben wir einen anderen Ausgang gewählt, damit die Leute sich nicht vermischen. Das war schon eine logistische Herausforderung.
Bei der Wahl in Berlin, wo zeitgleich auch die Wahl zum Abgeordnetenhaus und der Marathon stattfanden, gab es große Probleme. Zwischenzeitlich gingen auch die Wahlzettel aus und die Menschen mussten stundenlang anstehen. Sind Sie froh, dass Ihnen in Bremen so etwas erspart geblieben ist?
Sehr, sehr froh. Wir haben die Lage in Berlin durch Push-Nachrichten auf unseren Handys mitbekommen. Und natürlich haben wir auch darüber gesprochen, wie wir auf den Fauxpas von Herrn Laschet, der seinen Wahlzettel in die Kamera gehalten hat, reagiert hätten. Auch bei uns gab es an diesem Tag ältere Damen und Herren, die ihren Zettel falsch gefaltet hatten. Auch diesen mussten wir dann einen neuen Wahlzettel geben. Viele sagen dann: "Ist doch egal, kann ja jeder wissen." Aber wir müssen das Wahlgeheimnis nun mal auch im Sinne der wählenden Person schützen. Das ist halt unser Job. Bei der Wahl in Berlin hat sich gezeigt, dass Vorbereitung das halbe Leben ist. Dort waren anscheinend Profis am Werk (lacht). In Bremen ist zum Glück durch das Wahlamt vorab kontrolliert worden, ob alles in ausreichender Menge vorhanden ist. Aber auch hier hatten wir schon komplizierte Wahlen. Die Wahl zur Bürgerschaft fand 2019 gemeinsam mit den Europawahlen und dem Referendum zur Galopprennbahn statt. Aber wir in Bremen waren so schlau, zeitgleich nicht auch noch einen Marathon in der Stadt durchzuführen (lacht).
Was sind Ihre persönlichen Wünsche und Hoffnungen für das Jahr 2022?
Ich hoffe, dass die Menschen in meinem Umfeld gut durch diese Pandemie kommen. Darüber hinaus wünsche ich mir, dass das Leben wieder ein bisschen mehr stattfinden kann. Ich bin ja auch Backgroundsänger bei Flo Mega und hoffe, dass wir nicht nur im Sommer draußen ein paar Open Airs, sondern drinnen auch wieder Konzerte spielen können. Schön wäre es, wenn alle Menschen in Deutschland verstehen, dass uns das Impfen durch diese Krise hilft. Diskussionen sollten wieder faktenbasiert geführt werden und nicht emotionalisiert durch zwielichtige Infos aus Telegram-Gruppen torpediert werden.

So unterschiedlich wurde in Bremens Stadtteilen gewählt

Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Karsten Lübben Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 30. Dezember 2021, 19:30 Uhr