Interview

Werder-Fan Stephan Kossen: "Der Abstieg war ein Horror-Szenario"

Bild: Stephan Kossen

Stephan Kossen fiebert mit den Bremern, die 2021 viele Tiefschläge einstecken mussten. Der Abstieg in die 2. Liga und Markus Anfangs Impfpass-Affäre prägten das Werder-Jahr.

Bei Werder ist 2021 so viel passiert, dass es eigentlich gleich für mehrere Jahre reichen würde. Am Pfingstsamstag stiegen die Bremer nach 40 Jahren aus der Bundesliga ab. Bereits die Tage vor dem Abstieg verliefen ereignisreich, denn der Klub trennte sich nach dreieinhalb Jahren von seinem Cheftrainer Florian Kohfeldt und Werder-Legende Thomas Schaaf übernahm für den letzten Spieltag. Nach dem Abstieg kam Markus Anfang, der im November durch die Impfpass-Affäre für einen Eklat sorgte. Werder-Fan Stephan Kossen schaut deshalb auf ein turbulentes Fußballjahr zurück. Der gute Start unter dem neuen Coach Ole Werner stimmt den 47-jährigen Tischler jedoch versöhnlich.

Herr Kossen, 2021 neigt sich dem Ende zu. Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf das Werder-Jahr zurück?
Der Abstieg im Mai war für mich ein eingetroffenes Horror-Szenario. Zuvor hat der Klub bereits ein katastrophales Bild abgegeben und Florian Kohfeldt viel zu spät freigestellt. Der größte Schwachsinn war es, vor dem letzten Spieltag dann noch unseren Double-Trainer Thomas Schaaf als Interimstrainer auszuwählen. Damit hat der Klub seinen Legendenstatus ein wenig angekratzt. Den letzten Spieltag habe ich vor dem Fernseher verfolgt. Als Davie Selke die riesige Chance zum 1:1 vergab, war mir klar, dass es uns an diesem Tag erwischt. Nach dem Abstieg war die Enttäuschung bei mir einfach riesengroß.
Ein großes Thema war in diesem Jahr auch die Impfpass-Affäre um Markus Anfang. Wie sehr hat Sie diese geschockt?
Diese Geschichte war wirklich eine Katastrophe und kam völlig überraschend aus dem Nichts. Wenn du als Fan so etwas liest, bist du einfach nur wütend und enttäuscht. Es ist ja meistens etwas Wahres dran, wenn so ein Thema in die Presse gerät. Ich halte Anfang für keinen schlechten Trainer, aber damit hat er sich definitiv keinen Gefallen getan. Als er dann seinen Rücktritt anbot, hatte er wohl selbst kein absolut reines Gewissen mehr. Die ganze Nummer hat echt gesessen. Vor allem, weil der Rücktritt dann ja auch noch am Spieltag gegen Schalke öffentlich wurde. Dafür hat die Mannschaft es in dem Spiel noch richtig gut gemacht.
Mit Ole Werner ist ein neuer Trainer nun hoffnungsvoll gestartet. Macht er Ihnen Mut auf bessere Zeiten?
Er war mein absoluter Wunschkandidat als Anfangs Nachfolger. Bis jetzt macht Ole Werner es richtig gut. Wenn du drei Spiele nacheinander gewinnst, geht es wieder in die positive Richtung. Wir sind jetzt nur noch einen Punkt hinter dem HSV auf Rang drei. Die Mannschaft spielt endlich wieder Fußball, jeder läuft für den anderen.
Was sind Ihre persönlichen Wünsche und Hoffnungen für 2022?
Ich wünsche mir, dass die Pandemie endlich ein Ende haben wird und wir trotz der Omikron-Variante alle gesund bleiben und es nur wenige Intensivpatienten geben wird. Es wäre schon, wenn wir ab dem Sommer zu unserer alten Normalität zurückkehren könnten. Für Werder hoffe ich, dass es jetzt so positiv weitergeht und wir am Ende aufsteigen. Und der HSV nicht (lacht). Es gibt noch ein paar Schwächen in der Abwehr, aber an denen wird Werner arbeiten. Ich glaube, dass Schalke und wir es am Ende schaffen. St. Pauli oder Darmstadt wird Dritter.

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 30. Dezember 2021, 19:30 Uhr