Interview

Sturm in Bremen und Bremerhaven: "Wer raus geht, riskiert sein Leben"

Eine Passantin mit wehenden Haaren sichert ihren Regenschirm, während sie sich bei Windstärken bis 100 km/h
Bild: DPA | Wolfgang Kumm

Was kommt da in der Nacht mit Sturm "Zeynep" auf Bremen und Bremerhaven zu? buten-un-binnen-Wetterexperte Stefan Laps erklärt im Interview, wie gefährlich es werden könnte.

Herr Laps, wie heftig könnte der Sturm in der Nacht werden?
Es könnte sehr heftig werden: Wir kriegen zwischen 15 und 19 Uhr eine Kaltfront ab. Die sorgt für orkanartige Böen zwischen 100 und 120 km/h in Bremen und Bremerhaven. Wenn die Front abgezogen ist, wird es nach wie vor stürmisch bleiben. Der Höhepunkt des Sturms wird wohl in der Nacht zwischen 22 Uhr und 4 Uhr Morgens erreicht. Für Bremerhaven sind in dieser Zeit Windgeschwindigkeiten von 130 bis 160 km/h wahrscheinlich.
Was kann man sich unter Windstärke 12 und diesen hohen Windgeschwindigkeiten vorstellen?
Um mal bildlich zu sprechen: Am ehesten kann man es sich wohl vorstellen, wenn man mit 120 bis 140 km/h über die Autobahn brettern und als Beifahrer den Kopf raushalten würde. Solche Windgeschwindigkeiten können Bäume entwurzeln, lose Gegenstände werden zu tödlichen Geschossen und alles, was nicht niet- und nagelfest ist, fliegt durch die Gegend.
Wetterexperte Jörg Kachelmann hat schon eindringlich auf Twitter gewarnt, dass der Sturm lebensgefährlich werden könnte. Übertreibt er?
Nein, er übertreibt nicht. Ich würde die Einschätzung teilen und die Menschen sollten die Warnungen nicht auf die leichte Schulter nehmen: Niemand sollte während des Sturms raus gehen – und auch nicht mit dem Auto fahren. Man muss es ganz klar so sagen:

Wer sich draußen aufhält, riskiert sein Leben!

Stefan Laps, buten-un-binnen-Wetterexperte

Wetter-Experte Jörg Kachelmann warnt mit klaren Worten vor dem Sturm:

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Wie besonders ist es, dass uns gerade so viele Stürme auf einmal erreichen?
Dass es Stürme gibt, ist ein typisches Phänomen in dieser Jahreszeit: Dadurch, dass es im Winter auf der Nordhalbkugel so kalt ist, gibt es starke Temperaturunterschiede zwischen Nordpol und Äquator. Zu Stürmen und Orkanen kommt es dann, wenn die warme Luft vom Äquator und die kalte Luft aus den polaren Regionen aufeinander treffen.

Solche Sturmserien erleben wir in der Regel alle fünf bis zehn Jahre. In dieser Heftigkeit treten diese Sturmserien ungefähr alle zehn bis 20 Jahre auf. Wir haben es hier also schon mit einem eher seltenen Ereignis zu tun.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Rundschau am Mittag, 18. Februar 2022, 12 Uhr