Interview

Chef der insolventen Bremerhavener Lloyd-Werft: "Genting ist raus!"

Der Geschäftsführer der MV-Werften Carsten Haake

Wird die Bremerhavener Lloyd-Werft verkauft: "Ich bin optimistisch"

Bild: DPA | Jens Büttner

Pokert der angeschlagene Mutterkonzern Genting beim Verkauf der Werft, um den Preis nach oben zu treiben? Der Geschäftsführer Carsten Haake widerspricht und zeigt sich optimistisch.

Am vergangenen Montag stellte die Geschäftsführung der Bremerhavener Lloyd-Werft einen Insolvenzantrag am Amtsgericht. Rund 300 Mitarbeiter müssen nun um ihre Jobs bangen. Sie hoffen auf die Rettung der Werft durch mögliche Übernahme-Interessenten. Doch welche Rolle spielt dabei der Mutterkonzern Genting? Der Geschäftsführer und Genting-Vertreter Carsten Haake äußerte sich dazu im Interview mit Bremen Eins.

Herr Haake, das ist eine stressige Zeit für die Lloyd-Werft in diesen Tagen. Wie empfinden Sie das?
Ich hatte schon schönere und bessere Tage in meinem Berufsleben. Aber wir wollen nicht klagen und jetzt das Beste aus der Situation machen. Es erinnert mich ein bisschen an das Unglück mit der "Pride of America" im Jahr 2004. Damals mussten wir auch Insolvenz anmelden, haben das Schiff aber zu Ende gebaut und die Lloyd-Werft konnte das Insolvenzverfahren erfolgreich beenden. Wir haben Hoffnung.
Sie haben öffentlich gesagt, Genting sei raus bei der Besitzgesellschaft. Was genau bedeutet das für weitere Verhandlungen und wie steht es überhaupt um Genting?
Ja, in der Tat ist Genting raus. Ich hatte das in der Presse erwähnt, weil mich die Spekulationen in den letzten Tagen doch geärgert haben. Durch die Insolvenzanträge ist Genting aus dem Geschäft raus. Jetzt liegt es an den vorläufigen Insolvenzverwaltern einen guten Verkaufsprozess zu koordinieren. Und ich freue mich, dass ich mich bei diesem Prozess auch einbringen kann, denn die Lloyd-Werft liegt mir natürlich sehr am Herzen.
Was sagen Sie denn zur der Kritik vom Werften-Experten Jochen Tholen, wonach Genting so viel Geld wie möglich herausholen wolle?
Dazu kann ich nicht viel sagen. Das steht für sich, was er gesagt hat. Es ist jedenfalls so, dass Genting raus ist. Es wird kein Cent mehr Richtung Hongkong wandern. Das ist eine deutsche Angelegenheit und die Verwalter müssen jetzt eine gute Lösung finden. Und ich bin recht optimistisch, dass das gelingen wird.
Was werfen Sie denn Land und Bund vor?
Das will ich nicht beantworten. Wir sind jetzt da, wo wir sind. Wenn ich überhaupt einen Schuldigen finde, dann ist es Covid19. Denn durch die Pandemie ist die Tourismusbranche, die Kreuzfahrtindustrie und damit auch die Kreuzfahrtwerften stark getroffen. Ich glaube, wenn wir die Pandemie nicht hätten, würden wir das tun, was wir am besten können: Nämlich Schiffe bauen.
Es gibt ja zum Beispiel das Stahlbau-Unternehmen Rönner, das vielleicht als Käufer in Frage kommt oder auch Investoren aus den Arabischen Emiraten. Wie sehen Sie da die Perspektiven?
Dass das Familienunternehmen Rönner interessiert ist, ist ja seit Monaten bekannt. Ich kann auch bestätigen, dass wir in den vergangenen Monaten diverse Male mit einer interessierten Gruppe aus Abu-Dhabi gesprochen haben. Es gibt noch weitere Interessenten. Die Lloyd-Werft hat natürlich einen ausgezeichneten Ruf, insofern bin ich für Bremerhaven sehr optimistisch. Auch, weil sich die Lloyd-Werft in allen Segmenten engagiert hat – also nicht nur Neubauten, sondern auch Umbauten und Reperaturen. Da bin ich hoffnungsfroh.
Sie sind also optimistisch. Wann rechnen Sie mit einer Entscheidung?
Der Prozess wird sicherlich professionell durch die beiden Verwalter geführt werden. Ich persönlich wünsche mir, dass es zügig geht, damit die Unsicherheit für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schnell aufhört und eine Perspektive da ist. Also ich hoffe, dass es schnell geht, aber kann es selber nicht beurteilen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Das Wochenende aus Bremerhaven, 16. Januar 2022, 12:40 Uhr