Interview

Erfolgreicher Impfstart in Bremen-Gröpelingen: "Wir wurden überrannt"

560 Impfungen waren geplant, am Ende waren es 780 – obwohl beim Impfstoff kurzfristig umdisponiert werden musste. Leiter Herwig Renkwitz über den ersten Tag im temporären Impfzentrum.

Audio vom 11. Mai 2021
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Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen | Julian Beimdiecke
Mit welcher Stimmung haben Sie den ersten Tag im neuen Gröpelinger Impfzentrum beendet?
Mit einer sehr guten Stimmung, es war sehr euphorisch für uns, für die Mitarbeiter. Wir wurden gestern überrannt, es war überwältigend. Wir sind mit einem Blick in die Glaskugel gestartet und wussten gar nicht, was uns erwartet, ob die Leute Berührungsängste haben, ob sie überhaupt zu uns kommen. Wir hatten 560 Impfungen geplant und am Ende des Tages waren es 780.
Menschen warten in einer Schlange auf ihre Impfung im Lichthaus in Gröpelingen.
Viele Gröpelinger wollten sich im Lichthaus impfen lassen. Bild: Radio Bremen | Julian Beimdiecke
Innerhalb von zwei Tagen haben Sie das Impfzentrum aus dem Boden gestampft und dann kam Ihnen ja noch die Ständige Impfkommission quer, die auf einmal die Empfehlung für den Johnson & Johnson-Impfstoff geändert hat. Der soll aktuell nur noch für über 60-Jährige genutzt werden, eigentlich sollten die Gröpelinger genau mit Johnson & Johnson geimpft werden. Was haben Sie gemacht?
Der Hintergrund war, dass man Johnson & Johnson nur einmal verimpft, im Gegensatz zu den anderen Impfstoffen, wo zweimal verimpft wird. Da hatten wir uns gedacht: Okay, das ist dann einfacher, bevor wir dann alle nochmal herholen müssen, und so werden wir vielleicht noch mehr impfen können. Dann kam die Stiko-Empfehlung raus und wir mussten sofort reagieren. Wir haben zum Glück auch reagieren können und haben jetzt auf BionTech umgeschaltet und gehen natürlich an unsere Impfstoffgrenzen. Wir haben ja immer ein kleines Notfall-Depot und dieses wurde jetzt angegriffen. Also wenn irgendwas passiert sind wir blank und können nur hoffen, dass die Bundesregierung uns weiteren Impfstoff zuliefert.

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Video vom 11. Mai 2021
Der Warteraum eines Impfzentrums. Man sieht mehrere Personen auf Stühlen sitzen.
Bild: Radio Bremen
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Wirt Herwig Renkwitz in seiner Kneipe.
Herwig Renkwitz leitet das temporäre Impfzentrum in Gröpelingen. Bild: Radio Bremen
Das heißt, Sie müssen das Impfangebot in Gröpelingen in ein paar Wochen noch ein zweites Mal anbieten.
So sieht es aus. In der Kalenderwoche 27 ist das geplant, dass wir dann ein zweites Mal hier im Lichthaus alles auf- und hinterher wieder abbauen, aber das ist es uns auch wert.
Im Vorfeld wurden über die Kindertagesstätten in Gröpelingen Einladungen verschickt und Impftermine an die Eltern und Erziehungsberechtigten vergeben. Sie haben schon gesagt, Sie wurden quasi überrannt gestern. Was haben die Leute denn gesagt?
Grundsätzlich sind sie überwältigt, freuen sich, dass so etwas hier stattfindet. Man muss sich überlegen, für viele Menschen ist das ihre Welt und sie kommen gar nicht über die Stadtteilgrenzen hinaus. Wenn sie zum Beispiel in die Messehallen müssten, wäre das für viele eine kleine Weltreise, sie leben in ihrem eigenen Kosmos hier. Das Tolle gestern war zu sehen, dass wir 780 Menschen aus neun bis zehn verschiedenen Nationen hatten, Polen, Bulgaren, Türken, Deutsche, Russen, Rumäner, Iraner, Iraker, Syrer – wenn man sich überlegt, dass die sich in der Welt bekriegen und hier in der Schlange friedlich nebeneinander stehen, läuft's einem kalt den Rücken runter – das ist schon toll.

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Video vom 7. Mai 2021
Eine Impfeinladung der Stadt Bremen für Menschen im Stadtteil Gröpelingen.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autoren

  • Jens-Uwe Krause Moderator
  • Katharina Guleikoff Moderatorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 11. Mai 2021, 7:40 Uhr