Fragen & Antworten

Impfpflicht in der Pflege: Ist die Versorgung in Bremen sicher?

Eine Frau im Kittel impft eine andere Frau.
Bild: DPA | Marijan Murat

Seit Mitternacht gilt die Impfpflicht in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Ungeimpften Beschäftigten drohen Tätigkeitsverbote. Können sich Patienten sicher fühlen?

In Bremen und Niedersachsen gibt es digitale Portale, über die alle Einrichtungen des Gesundheitswesens, vom Krankenhaus über den Pflegedienst bis hin zur Arztpraxis, diejenigen melden müssen, die dort arbeiten und nicht durch eine Impfung oder Genesung gegen Corona geschützt sind. Im Land Bremen haben sich bereits 170 Einrichtungen beim Online-Portal registriert, um dort seit Dienstag Beschäftigte ohne Impf- oder Genesenennachweis zu melden. Seit dem heutigen Mittwoch ist die Impfpflicht in Kraft.

Werden das viele Menschen sein, die als ungeimpfte gemeldet werden?
Im Klinik-Bereich nicht. Da sprechen wir im Land Bremen von ein oder zwei Prozent der Beschäftigten. Etwas anders sieht es bei Pflegeheimen aus. Da gibt es ein halbes Dutzend Einrichtungen mit relativ niedriger Immunisierungsquote der Beschäftigten, zwischen 40 und 80 Prozent. Dadurch liegt der statistische Durchschnitt der stationären Pflege im Land Bremen bei rund 92 Prozent. Weil das aber nur der Blick auf die Pflegeheime ist, ohne zu berücksichtige, wie groß ein Heim ist, haben wir bei allen größeren Akteuren im Klinik- und Pflegebereich konkret nachgefragt. Bei den meisten sind es nur wenige Prozent der Beschäftigten, die bislang weder einen Corona-Impfnachweis, noch eine Genesenen-Bescheinigung vorgelegt haben. Als Erläuterung heißt es, dass es auch Mitarbeitende gibt, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen dürften.
Gilt das als "Entschuldigung" oder wird es Tätigkeitsverbote geben?
Das müssen dann die Gesundheitsämter entscheiden. Das ist jetzt ein Verwaltungsakt. In Bremen mit einer Frist von zweimal vier Wochen, in Niedersachsen gibt es nur einmal vier Wochen. Dann kann es 1.500 Euro Strafe kosten und ein Tätigkeitsverbot ausgesprochen werden. Zu Tätigkeitsverboten wird es höchstwahrscheinlich auch im Land Bremen kommen, irgendwann ab Mitte bis Ende Mai. Bis zur Klärung aller Fragen sollen betroffene Mitarbeitende nicht am Patienten arbeiten, heißt es. 
Was heißt das für den ohnehin dünn besetzten Klinik- und Pflegebereich?
Natürlich ist es um jeden und jede schade, der oder die wegfallen könnte. Aber: Die Patientenversorgung ist dadurch nicht in Gefahr. Als das Gesetz im vergangenen September beschlossen wurde, gab es einzelne Einrichtungen, die von Kündigungen berichteten. Aber jetzt ist nach Recherchen von buten un binnen kein Fall mehr aufgetaucht.
Hat denn der neue Impfstoff der Firma Novovax die Impfquoten nochmal gesteigert?
Nur ganz gering, nicht in dem Umfang, wie von den Behörden erhofft. Im Land Bremen gibt es bislang nur 386 Novovax-Erstimpfungen und sieben Menschen, die nach einer länger zurückliegenden Genesung durch eine Novovax-Dosis jetzt als immun gelten.

Impfpflicht für Pflegekräfte: Was kommt aufs Bremer Gesundheitsamt zu?

Bild: Radio Bremen

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  • Mario Neumann Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, 15. März 2022, 11:15 Uhr