Warum es in Niedersachsen vermeintlich mehr Corona-Patienten gibt

Ein Krankenpfleger steht im Covid-Isolierbereich einer Intensivstation von einem Krankenhaus.

Warum es in Niedersachsen vermeintlich mehr Corona-Patienten gibt

Bild: DPA | Friso Gentsch
  • Hospitalisierung in Niedersachsen zigfach höher
  • Zählweise der Corona-Patienten entscheidend
  • RKI rechnet Werte hoch

Die Hospitalisierungsquoten von Bremen und Niedersachsen unterscheiden sich derzeit sehr stark. So gibt die Bremer Gesundheitsbehörde für die Stadt Bremen einen Wert von 1,4 und für Bremerhaven einen Wert von 4,4 an. In Niedersachsen beträgt die Quote laut Gesundheitsministerium 8,4 (Stand 9. Mai 2022). Zeitweise war der Wert in Niedersachsen fast zehn Mal so hoch. Wie kann es sein, dass sich die Werte so stark voneinander unterscheiden?

Die Erklärung hängt an den Worten mit und wegen. Kommt jemand mit Corona oder wegen ins Krankenhaus. Bremen unterscheidet, ob eine Person "mit" oder "wegen" einer Corona-Infektion in ein Krankenhaus eingeliefert wird. Die Zahlen sind auf der Homepage der Behörde nachzulesen. An das Robert-Koch-Institut (RKI) werden laut Gesundheitsressortssprecher Lukas Fuhrmann die Fälle gemeldet, in denen die Personen "wegen" Corona in ein Krankenhaus eingeliefert wurden.

Niedersachsen nutzt anderes Modell

Niedersachsen arbeitet anders. Dort wird die Hospitalisierungsrate aufgrund der Angaben der Krankenhäuser selbst berechnet. Dafür melden die Krankenhäuser über das sogenannte Ivena-System alle Erkrankten, die mit oder wegen einer Covid-Infektion stationär behandelt werden, so das Gesundheitsministerium.

Niedersachsen begründet das Vorgehen damit, dass der Aufwand für das Personal identisch bleibt, egal ob Corona eine Begleiterscheinung (mit) oder der Hauptgrund (wegen) für die Krankenhauseinweisung ist. Denn für die Krankenhäuser würden beide Fälle einen hohen Aufwand bedeuten, da betroffene Patientinnen und Patienten isoliert und unter hohen Schutzanforderungen behandelt werden müssen, teilt das Land mit.

Bei einer hohen Hospitalisierungsrate steigt also die Belastung der Kliniken, insbesondere vor dem Hintergrund immer noch hoher Personalausfall-Zahlen.

Manfred Böhling, Sprecher des niedersächsischen Gesundheitsministeriums

Warum auch die RKI-Zahlen anders sein können

Das RKI erhebt die Hospitalisierungsinzidenz anhand des Meldedatums der Infektion und ergänzt sie dann um eine Hochrechnung der zu erwartenden verzögert berichteten Hospitalisierungen. Das gilt sowohl für Bremen als auch für Niedersachsen.

Die Bremer Gesundheitsbehörde dagegen zeigt den Ist-Stand, den auch wir bei buten un binnen abbilden. Da die Zahlen direkt von der Behörde kommen, sind sie die genauesten, die verfügbar sind.

Rückblick: Hohe Hospitalisierungsrate – die Lage in Bremens Kliniken

Bild: Imago | Reichwein

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 9. Mai 2022, 23:30 Uhr