Warum melden Bremen und RKI andere Hospitalisierungsinzidenzen?

Eine Assistenzärztin betreut auf der Intensivstation eines Krankenhauses einen Covid-19-Patienten.
Wie ist das Infektionsgeschehen? Das soll die Hospitalisierungsinzidenz zeigen. (Archivbild) Bild: DPA | Christoph Soeder

Neun meldet Bremen, das RKI veröffentlicht eine Hospitalisierungsinzidenz von gut drei. Dieser große Unterschied ist in der Tat schwer zu verstehen. Eine Erklärung.

Seit Tagen unterscheiden sich die Hospitalisierungsinzidenzen der Bremer Gesundheitsbehörde für Bremen und Bremerhaven eklatant von den Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) für das Land Bremen. Ein Beispiel: Am 29. Dezember lag der Wert laut Ressort für die Stadt Bremen bei 9,71 und für Bremerhaven bei 3,52. Beim RKI dagegen lag der Wert für das ganze Land bei 3,82 – das ist deutlich niedriger als der Landes-Wert, der sich aus den Zahlen der Gesundheitsbehörde ergibt.

RKI und Gesundheitsbehörde erklären die Differenz damit, dass unterschiedliche Meldedaten herangezogen werden. So nutzen beide – RKI und Gesundheitsbehörde – zur Berechnung der Hospitalisierungsinzidenz die "Anzahl der innerhalb der vergangenen sieben Tage bezogen auf 100.000 Einwohner hospitalisierten Covid-19-Fälle". Allerdings nutzt das RKI das Datum, an dem das Gesundheitsamt die Zahlen ans RKI meldet. Die Gesundheitsbehörde nutzt dagegen die Daten, an dem die Menschen in ein Krankenhaus eingeliefert wurden. Dadurch sind die Zahlen der Bremer Gesundheitsbehörde näher dran an der Jetzt-Situation.

Bremen hat genauere Zahlen – sind aber nicht vergleichbar

Das Bremer Gesundheitsamt berechnet die Hospitalisierungsinzidenz auf Grundlage des Datums der Hospitalisierung. Sprich tagesaktuell. Das heißt, Bremen ist genauer als das RKI.

Sylla Kahl, Sprecherin der Bremer Gesundheitsbehörde

Auf Nachfrage von buten un binnen sagte eine RKI-Sprecherin, das Institut nutze bewusst den Zeitpunkt der Meldung der Gesundheitsämter an das RKI. Nur so sei es möglich, eine vergleichbare Datenlage zu schaffen. Denn Bremen hat zwar genauere Zahlen als das RKI, mit diesen ist aber kein Vergleich zwischen den Bundesländern möglich. Das liegt daran, dass Länder wie beispielsweise Schleswig-Holstein anders vorgehen als Bremen und für ihre Berechnungen auch die RKI-Hospitalisierungszahlen nutzen.

Wichtig für die Bremerinnen und Bremer ist also zu wissen, dass Bremen die genauere Hospitalisierungsinzidenz abbildet als das RKI.

Grund für Krankenhaus-Einlieferung spielt keine Rolle

Die Hospitalisierungsinzidenz der Bremer Gesundheitsbehörde bildet aber nicht die genaue Corona-Lage in den Krankenhäusern im Land Bremen ab, also wie belastet zum Beispiel die Intensivstationen sind. Dieser Wert soll vielmehr Aufschluss über die allgemeine Infektionslage geben, wie Bremens Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) buten un binnen Ende November sagte. Deshalb werden nicht nur die Menschen gezählt, die wegen Corona ins Krankenhaus kommen, sondern auch diejenigen, die wegen einer anderen Erkrankung eingeliefert werden – beispielsweise mit einem Armbruch – und bei denen dann auch Corona festgestellt wird. Patienten in Bremer Krankenhäusern, die in anderen Bundesländern wohnen, fließen übrigens nicht in den Wert ein.

Die Belastung des Gesundheitswesens wird anders ausgewiesen. Das könne an den mit Corona-Patienten belegten Betten und am Register der Beatmungsbetten auf den Intensivstationen abgelesen werden, wie Bernhard erklärte. Diese Zahlen weist die Gesundheitsbehörde unter der Woche ebenfalls täglich aus.

Wissenschaftler fordern einheitliche Berechnungsweise

Auf das Problem unterschiedlicher Berechnungen hat beispielsweise der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb Ende November hingewiesen und eine einheitliche Berechnungsweise gefordert.

So wird die Hospitalisierungsrate in Bremen und Bremerhaven berechnet

Bild: DPA | Marijan Murat

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 23. November 2021, 19:30 Uhr