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Bevor die Impfpflicht gilt: Bremens Pflegeheime holen beim Impfen auf

Eine Frau bereitet eine Impfung vor.

Bevor die Impfpflicht gilt: Bremens Pflegeheime holen beim Impfen auf

Bild: DPA | Hauke-Christian Dittrich

Einige haben gezögert. Jetzt liegt die Impfquote in der Bremer Altenhilfe bei knapp 90 Prozent. Doch um Ausfälle in der Pflege zu verhindern, müssen es bald 100 Prozent sein.

Die Impfquote in Bremens Pflegeeinrichtungen ist in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen. Das gilt für jene der Bewohnerinnen und Bewohner, noch mehr aber für jene des Personals der Pflegeheime. Das ist das zentrale Ergebnis einer Abfrage des Bremer Gesundheitsressorts unter den 86 Einrichtungen der Altenpflege im Bremer Stadtgebiet, zu der 83 Einrichtungen Daten übermittelt haben.

Hiernach waren bis zum 19. Januar 94 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner sowie 88 Prozent des Personals in den Heimen wenigstens zweimal gegen Corona geimpft. Zwei Monate zuvor, am 20. November, waren nach Angaben des Gesundheitsressorts erst 92 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner sowie 77 Prozent des Personals in den Pflegeeinrichtungen wenigstens zweifach geimpft. In Bremerhaven waren nach Angaben des Magistrats am 15. Januar 94 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner sowie 89 Prozent des Personals in den zwölf stationären Pflegeeinrichtungen immunisiert.

Die Impfquote bei den Pflegekräften der Altenhilfe galt lange als vergleichsweise niedrig. Sie ist zuletzt vor allem deswegen in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt, weil ab Mitte März bundesweit eine einrichtungsbezogene Impfpflicht greifen soll. Davon betroffen sind neben Personen, die in Pflegeheimen arbeiten, beispielsweise auch solche, die in Kliniken, Arztpraxen, bei Rettungsdiensten und in Behinderteneinrichtungen beschäftigt sind. Wer von ihnen am 16. März noch nicht vollständig geimpft ist oder keinen Genesenen-Status hat, der wird in einigen Einrichtungen voraussichtlich nicht mehr arbeiten dürfen – so weit die Theorie.

Impfqoute Pflegeheime Pflegeeinrichtungen P ersonal Pflegeeinrichtungen Bewohnerinnen und Bewohner 94% 81% 52% 88% 1. und 2. Impfung 1. und 2. Impfung Boosterimpfung Boosterimpfung
Quelle: Bremer Gesundheitsressort, Stand: 19. Januar 2022

Gesundheitsminister fordern Übergangsfrist

Wie aber ein derartiges Arbeitsverbot in der Praxis aussehen kann, ist derzeit unklar. Das geht nicht zuletzt aus dem Beschluss der Gesundheitsministerinnen und -minister vom 22. Januar hervor. Darin fordern sie unter anderem eine "Umsetzungszeit", um geeignete Verfahren für Einzelfälle einzurichten. "Erst danach können die gegebenenfalls erforderlichen Betretungs- oder Tätigkeitsverbote rechtssicher angeordnet und sanktioniert werden", heißt es in dem Beschluss.

Die Gesundheitsministerinnen und -minister sehen jedoch noch in vielerlei weiterer Hinsicht Klärungsbedarf vor Einführung der Impfpflicht. Das betreffe etwa auch "die rechtssichere Einbindung der Arbeitgeber, die Art und Geltungsdauer der Sanktionen sowie die Frage einheitlicher Kontrollen", schreiben die Ministerinnen und Minister und fügen hinzu: "Darüber hinaus wäre eine engere Definition des Personenkreises erforderlich, der zwingend der Impfpflicht unterliegen soll sowie die Prüfung eines abgestuften Verfahrens mit einer vorgeschalteten Bußgeldbewehrung und einem nachgeschalteten Tätigkeitsverbot."

Mobile Teams für eine bessere Impfquote

Lukas Fuhrmann, Sprecher des Bremer Gesundheitsressorts, zeigt sich unterdessen zuversichtlich dahingehend, dass bis Mitte März nahezu alle Beschäftigten in den Bremer Pflegeeinrichtungen mindestens zweifach geimpft sein werden. "Der überwiegende Teil der Einrichtungen hat bereits eine sehr gute Quote", so Fuhrmann. Mobile Teams, die direkt zu den Pflegeheimen fahren, würden nun dabei helfen, die verbliebenen ungeimpften Pflegekräfte mit niedrigschwelligen Angeboten doch noch von der Impfung zu überzeugen.

Bei aller Zuversicht räumt Fuhrmann aber auch ein, dass es noch immer einzelne Pflegeeinrichtungen in Bremen mit "erschreckend" niedriger Impfquote gibt. So waren der Abfrage des Gesundheitsressorts zufolge bis zum 19. Januar in drei Pflegeheimen Bremens weniger als 50 Prozent des Personal mindestens zweifach geimpft.

Viel Zeit, um sich doch noch bis Mitte März vollständig immunisieren zu lassen, bleibt Ungeimpften nicht mehr: Spätestens am 1. Februar muss die erste Spritze gesetzt sein. Nur so ist der fristgerechte vollständige Impfstatus für sie noch zu erreichen.

Impfpflicht für bestimmte Berufe: Droht in Bremen ein Pflegenotstand?

Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 20. Januar 2022, 19.30 Uhr