Interview

Bremer Experte zu Inflation: "Löhne können nicht entsprechend steigen"

Ein Mann vor einem Bücherregal schaut in die Kamera.

Inflation im April steigt voraussichtlich auf 7,4 Prozent

Bild: Radio Bremen

Das Geld ist immer weniger wert. Den Kaufkraftverlust wird man aber nicht durch steigende Löhne kompensieren können, meint der Bremer Wirtschaftsexperte Rudolf Hickel.

Die Inflation ist im April bundesweit voraussichtlich auf 7,4 Prozent gestiegen. Das hat das Statistische Bundesamt bekannt gegeben. Das ist der höchste Stand seit 1981. Im März lag der Wert schon bei 7,3 Prozent. Für den Bremer Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel ist das keine Überraschung. Er erklärt, welche Folgen das für die Menschen in Bremen und Bremerhaven hat.

Welche Folgen hat es, dass das Geld der Bremerinnen und Bremer immer weniger wert ist?
Das Geld verliert – wie schon seit Monaten – erneut an Kaufkraft. Die 10 Euro, die man im Portemonnaie hat, sind entsprechend der 7,4 Prozent weniger wert.

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Müssen jetzt auch die Löhne der Menschen entsprechend steigen?
Wollte man für diesen Monat einen vollen Kaufkraftausgleich für die Löhne, dann müssten die Löhne auch in diesem Ausmaß steigen. Dazu wird es nicht kommen, denn die Unternehmen sind nicht in der Lage, eine solche gigantische Lohnerhöhung zu finanzieren. Dies wird auch von den Gewerkschaften nicht gefordert.
Was raten Sie den Bremerinnen und Bremern jetzt?
Im Bereich der hohen Einkommen ist der Inflationsanstieg gut zu verarbeiten. Schließlich wird ja nur ein Teil für Konsum ausgegeben, der andere wird gespart. Aber vor allem bei den sozial schwachen Menschen, die nicht ausweichen können, kommt es zu harten Zusatzbelastungen. Hinter der durchschnittlichen Inflationsrate mit 7,4 Prozent steht ein Anstieg der Energiepreise um 35,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Der trifft vor allem die, die ohnehin wenig haben. Deshalb ist es richtig, dass der Staat jetzt Ausgleichsmaßnahmen ergreift, wie etwa eine einmalige Energiepauschale.
Wie muss die Politik reagieren?
Der Bund hat zwei Entlastungsprogramme mit zuletzt über 14 Milliarden Euro vorgelegt. Das geht in die richtige Richtung. Sie müssen aber viel stärker auf die sozial schwachen Menschen ausgerichtet werden. Wenn ich den Benzinpreis für alle senke, dann werden sie zu wenig berücksichtigt und die Einkommensstarken favorisiert. Deshalb bin ich für sozial gezielte Ausgleichsmaßnahmen.
Welche können das sein?
Das ist beispielsweise der Stromkostenzuschuss. Ein anderes Beispiel sind die Zulagen für Hartz-IV-Bezieher und die Heizkosten-Zuschüsse. Das sind die Maßnahmen, die am besten den sozial Schwachen helfen.
Wann sinkt die Inflation endlich wieder?
Die jüngste Inflationsrate überrascht mich überhaupt nicht. Sie liegt im Trend. Dahinter steht vor allem die Explosion der Energiekosten und anderer Rohstoffpreise. Allerdings müssen wir uns in den nächsten Monaten nicht mehr auf stark steigende Inflationsraten einstellen. Die Geldentwertung wird sich über längere Zeit auf einem hohen Niveau von bis zu 8 Prozent bewegen. Ein Ende dieser Hochinflationsphase ist derzeit nicht in Sicht.
Müssen jetzt die Zinsen erhöht werden?
Die Europäische Zentralbank ist gegenüber dem Anstieg der Energiepreise völlig machtlos. Sie hat keine Mittel, diese Energiepreise erfolgreich zu bekämpfen. Würde sie, wie vielfach gefordert, die Leitzinsen erhöhen, dann wäre mit gesamtwirtschaftlichen Schäden zu rechnen.

Gestiegene Lebensmittelpreise machen vielen Bremern zu schaffen

Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 28. April 2022, 15 Uhr