Spender fühlen sich von Bremer Hilfsorganisation getäuscht

Bild: Radio Bremen

Spenderinnen und Spender werfen der Bremer Hilfsorganisation Help Dunya unlauteren Umgang mit Spendengeldern vor. Zuwendungen würden nicht wie angekündigt verwendet. Der Verein weist die Anschuldigungen zurück.

Die Vorwürfe entzünden sich am Fall eines in Bremen verstorbenen jungen Mannes namens Amin Amini. Der Afghane, dessen Familie im Iran lebt, ist vor einigen Jahren auf der Suche nach einem besseren Leben nach Bremen gekommen und hat hier eine Ausbildung zum Speditionskaufmann begonnen. Vergangenes Jahr verstarb er unerwartet im Alter von 23 Jahren. Daraufhin entschloss sich ein Unterstützerkreis aus Freunden, Kollegen und Mitschülern, Geld zu sammeln, um die Rückführung des Leichnams zur Familie im Iran zu finanzieren und die Hinterbliebenen zu unterstützen.

Der Unterstützerkreis wandte sich an Help Dunya. Der Verein, 2018 in Bremen gegründet, verfügt über einige Erfahrung mit Projekten im Iran. Help Dunya erklärte sich bereit, die Spendensammlung für die Familie Amin Aminis zu übernehmen. Unter anderem auf ihren Social-Media-Kanälen bewarb die Organisation die Sammelaktion. Alle Spenden, die explizit für Amin Amini bei Help Dunya eingingen, würden der Familie zu Gute kommen, hieß es etwa auf dem Facebook-Account des Vereins aus dem vergangenen Herbst. Man wolle Hilfe zur Selbsthilfe leisten, etwa indem man der Schneider-Familie Nähmaschinen zur Verfügung stelle.

Spendenaktion lief erfolgreich

Die Spendenaktion lief rund drei Monate lang sehr erfolgreich. Der Help Dunya-Vorsitzende Morteza Eshghparast besuchte die Angehörigen mehrmals im Iran und dokumentierte seine Gespräche mit der Familie auf Video. Dieses verbreitete die Hilfsorganisation auf ihren Social-Media-Kanälen als Beleg für die Hilfsbedürftigkeit der Familie. Die Kampagne kam an. Mehrmals setzte Help Dunya das selbstgesteckte Spendenziel von 4.500 Euro nach oben. Rund 12.000 Euro kamen am Ende zusammen. Doch dann begannen die Schwierigkeiten.

Help Dunya entschied sich aus Sicht des Unterstützerkreises ohne Vorankündigung, Amin Aminis Angehörige nicht mehr helfen zu wollen. Eine Botschaft auf der Help Dunya-Instagram-Seite Anfang Januar begründet das plötzliche Ende des Engagements: "…leider jedoch ist es erstmalig vorgekommen, dass es uns nicht möglich ist auf einen Nenner mit den Angehörigen seit circa 4 Monaten zu kommen…", schreibt der Verein. Die Familie bestehe darauf, die 12.000 Euro in bar zu bekommen und nicht in Form von Sachspenden wie etwa Nähmaschinen.

Hier gehen die Darstellungen auseinander. Die Familie habe sich vier Monate lang nicht festlegen wollen, welche Sachhilfe für sie in Frage komme und stattdessen immer wieder Bargeld gefordert, erklärt Help Dunya-Vorsitzender Morteza Eshghparast.

"Nach vier Monaten hin und her hat unser Vorstand beschlossen, dass wir diese Art von Hilfe abbrechen, weil wir nicht zu einem Ergebnis kommen."

Help Dunya-Vorsitzender Morteza Eshghparast

Der Unterstützerkreis, der ebenfalls mit Amin Aminis Familie im Austausch ist, sagt dagegen, die Familie sei durchaus bereit, Sachspenden anzunehmen. Help Dunya-Vorsitzender Morteza Eshghparast räumt auf Nachfrage ein, dass dies zutreffend sei, allerdings sei die Familie immer wieder auf Bargeldforderungen zurückgekommen. Außerdem habe aus Sicht des Vereins der Verdacht bestanden, die Familie wolle etwaige Sachspenden zu Barem machen, indem sie diese Gegenstände verkauft.

Auch der Bremer Flüchtlingsrat steht in Kontakt mit der Familie im Iran und bezeichnet die Vorwürfe von Help Dunya als haltlos. "Im direkten Umgang mit der Familie hat sich Help Dunya respektlos und sogar autoritär verhalten", sagt Gundula Oerter vom Flüchtlingsrat. Help Dunya habe der Familie Bedingungen gestellt, die diese schlichtweg nicht erfüllen konnte. Der Verein betont dagegen, es habe immer den Konsens bei allen Unterstützenden geherrscht, dass Sachspenden der richtige Weg seien. Man habe versucht, gemeinsam mit der Familie solche Lösungen zu entwickeln.

Streit über Zweckbindung der Spenden

Besonders ungehalten ist der Unterstützerkreis über die Tatsache, dass Help Dunya das explizit für Amin Amini und seine Angehörigen gesammelte Geld nun für andere Projekte für afghanische Bedürftige verwenden will. Zwar sei den Spendenden angeboten worden, Ihr Geld zurück zu bekommen. Diese Möglichkeit sei aber zunächst nur in Form einer Meldung auf den Social-Media-Kanälen von Help Dunya erfolgt, die sich nach 24 Stunden automatisch gelöscht habe. Es hätten also längst nicht alle Beteiligten von der Zweckentfremdung des Geldes erfahren. So hätten etwa längst nicht alle Spenderinnen und Spender eine entsprechende E-Mail erhalten. "Hinter den Kulissen geht Help Dunya verantwortungslos und intransparent mit den Spenden um", sagt Gundula Oerter vom Flüchtlingsrat. Die Spenden seien zweckgebunden gewesen und Help Dunya habe diesen Zweck nicht eingehalten.

"Wir haben nach bestem Wissen und Gewissen die Menschen benachrichtigt, von denen wir Kontaktdaten hatten und ihnen mitgeteilt, dass sie ihr Geld wiederhaben könnten", hält der Vereinsvorsitzende Morteza Eshghparast dagegen. Man habe alle Spendenden, deren Kontaktdaten vorlagen, über den Abbruch des Projekts, die Möglichkeit auf Rückerstattung und die Umwidmung informiert. Insgesamt seien 252 E-Mails versandt worden. Gespendet hätten rund 350 Menschen. Nach wie vor könne jeder seine Spende zurückverlangen.

Der Bremer Rechtsanwalt Christian Carstens ist Kenner des Vereinsrechts und erklärt auf Nachfrage von buten un binnen, dass Spendende anderweitiger Verwendung ihres Geldes aktiv zustimmen müssen, wenn die Spende – wie im Fall Amin Amini – zweckgebunden war. Eine Benachrichtigung alleine reiche nicht. "Es handelt sich um ein Vertragsverhältnis, das heißt, man kann nicht einfach sagen, wenn ihr euch nicht meldet, dann machen wir das so", erläutert der Jurist und fügt an: "Ansonsten hat die Organisation schon ein Problem."

Der Leichnam von Amin Amini ist mittlerweile unabhängig von der missglückten Spendenaktion zu seinen Angehörigen überführt worden. Der Bremer Ausbildungsbetrieb des verstorbenen Afghanen hat den Transport bezahlt.

Nachtrag der Redaktion (31. Januar 2022): Schriftlich hat die Hilfsorganisation inzwischen mitgeteilt, dass man alle Spenden in dieser Angelegnheit zurückerstattet habe. Spenderinnen und Spender, die das Geld noch nicht erhalten haben, sollen sich demnach direkt an Help Dunya wenden.

Autor

  • Manz Sebastian
    Sebastian Manz Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 27. Januar 2022, 19:30 Uhr

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