Coronafrei, aber isoliert: So erleben Helgoland-Bewohner die Pandemie

Rund 40 Seemeilen von Bremerhaven liegt Helgoland – seit Monaten frei von Corona, aber von der Außenwelt isoliert. Die Vorteile und Risiken sind den Insulanern bewusst.

Aus der Luft ist eine Insel mit roten Felsen, Funkturm und Häusern zu sehen.
Die etwa 1.500 Insulaner leben auf Helgoland auf engem Raum. Ein Schiff fährt derzeit nur selten zur Hochseeinsel. Bild: DPA | K. Hinze

Auf Helgoland liegen Paradies und Albtraum momentan nah beieinander: Deutschlands einzige Hochseeinsel ist seit Monaten ohne positiven Corona-Fall und bezahlt dafür den Preis einer fast völligen Abschottung von der Außenwelt. Rund 1.500 Menschen leben auf der Insel, zu der in den Sommermonaten normalerweise auch eine Schiffsverbindung mit Bremerhaven besteht. Momentan wird die Insel noch dreimal wöchentlich von einem Schiff angelaufen und gleicht doch einer Festung.

Ein Mann guckt in die Kamera.
Obwohl die Insel seit Monaten coronafrei ist, bleiben die Helgoländer vorsichtig und solidarisch, sagt Bürgermeister Jörg Singer Bild: Radio Bremen | Leonard Steinbeck

"Wie so eine Burg im Mittelalter haben wir eine Burgbrücke, die können wir rauf- und runterlassen", beschreibt Inselbürgermeister Jörg Singer die Situation Helgolands in der Pandemie. "So kann man sich das im Prinzip wirklich vorstellen. Wir haben eine Schiffsverbindung und wissen genau, wer ein- und ausreist." Und das machen gerade nicht viele. Für jegliche Form von Tourismus ist Helgoland gesperrt. Nur Insulaner, deren Angehörige und Handwerker dürfen auf die Insel. Und auch die müssen nach der Ankunft erstmal zum Inselarzt und einen Corona-Test machen.

Wir sind sehr weit weg vom Festland. Wenn hier etwas passiert, ist der Aufwand und auch die Gefahr sehr groß, dass sich viele Menschen anstecken. Weil wir ja auf kleinem Raum leben.

Legitta Reiniger, Hotelmitarbeiterin

Strenge, aber wichtige Regeln, sagt Insulanerin Legitta Reiniger, die in einem Helgoländer Hotel arbeitet. "Wir sind sehr weit weg vom Festland. Wenn hier etwas passiert, ist der Aufwand und auch die Gefahr sehr groß, dass sich viele Menschen anstecken. Weil wir ja auf kleinem Raum leben." Und auf diesem kleinen Raum gibt es nicht einmal Intensivbetten. Dafür aber viel medizinisches Personal, sagen die Verantwortlichen. Man sei also vorbereitet. Trotzdem sei das Abschotten von der Außenwelt gerade unerlässlich.

Meerblick mit beruhigender Wirkung in der Krise

Bei Insulanern trifft das auf Verständnis. "Für mich ist es überhaupt kein Problem", sagt Reiniger. "Ich habe mich für ein Leben auf der Insel entschieden und das ist mein Zuhause." Und auch wenn kaum noch Schiffe fahren, lasse sich das Leben mitten im Meer auch in der Krise gerade ganz gut genießen. "Wir haben hier einen Vorteil: Wir leben auf einer Insel, die eigentlich immer Urlaub darstellt." Ob im Sommer oder im Winter, hier vor die Tür zu treten sei schon befreiend. Der Blick über die Nordsee und zu den Vögeln, das sei etwas anderes als in der Großstadt.

Etwas neidisch und mit einem kleinen Augenzwinkern blickt Bürgermeister Singer auf eine britische Insel zwischen Irland und England. Auf der "Isle of Man" haben die Bewohner Corona bereits für beendet erklärt. Keine Maskenpflicht und offene Kneipen – all das ist dort wieder Alltag.

Die haben die Insel drei, vier Wochen lang abgeschottet. Und wenn man dann völlig autark leben kann, dann kann man auch andere Spielregeln anwenden. Aber dadurch, dass wir eine gewisse Durchlässigkeit haben und auch Fälle haben könnten, sind wir natürlich genauso vorsichtig und solidarisch wie alle anderen Festländer.

Jörg Singer, Inselbürgermeister Helgoland

Und so bleibt die Helgoländer Burgbrücke auch in den nächsten Wochen weitgehend hochgeklappt. Aber: Es gibt ja den Ausblick auf den Sommer. Denn dann – so sagen die Helgoländer – können sie hoffentlich endlich wieder Gäste begrüßen. Und zwar ganz ohne Burgbrücke.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Tag, 11. Februar 2021, 15:40 Uhr

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