Anpacken statt hadern: Nachruf für CDU-Politiker Hartmut Perschau

Anpacken statt hadern: Bremer Politik erinnert an Hartmut Perschau

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Fast ein Jahrzehnt hat er in der Bremer Landesregierung mitgewirkt, war Wirtschafts- und Finanzsenator, am Ende für Kultur zuständig. Er wurde 80 Jahre alt.

35 Jahre hat Hartmut Perschau Politik gemacht. Das Privatleben kam da oft zu kurz. Quasi jede Woche habe seine Frau verlangt, dass er weniger arbeitet und mehr zu Hause ist, verriet er einmal. Auch der Gesundheit wegen. Der ehemalige Major der Panzergrenadiere mit Faible für historische Gebäude war vor seiner Bremer Zeit lange in Hamburg aktiv. Dort hatte er, der bereits in der Jugend als Schulsprecher fungierte, auch Ehefrau Heike kennengelernt. Als Fraktionschef prägte er die Christdemokraten an der Elbe, drei Versuche, Bürgermeister zu werden, scheiterten jedoch. Nach einem kurzen Abstecher ins Europäische Parlament übernimmt Perschau in Sachsen-Anhalt das Amt des Innenministers. Rückblickend für ihn der schwierigste Job, so kurz nach der Wende, "weil unser System eingeführt wurde und nicht das System, an das die Menschen in den Neuen Ländern gewöhnt waren, kam man immer in diese Bevormundungsrolle.“

Als Wirtschafts- Finanz und Kultursenator in Bremen

Henning Scherf im Gespräch mit Harmut Perschau im Jahr 2004 (Archivbild)
Hartmut Perschau im Gespräch mit Henning Scherf im Jahr 2004. Bild: DPA | Ingo Wagner

1995 kommt der Vater zweier Töchter an die Weser, als Mitglied des Kabinetts von Henning Scherf in der Großen Koalition. Als Spitzenkandidat beschert Hartmut Perschau der Bremer CDU bei der Bürgerschaftswahl 1999 mit 37,1 Prozent das bis dato beste Ergebnis, doch die Euphorie über rot-schwarz verblasst über die Jahre. In die Kritik gerät Perschau als Wirtschaftssenator wegen des gescheiterten Großprojekts Space Park. Der CDU-Politiker selbst sagte zu dem finanziellen Debakel in Gröpelingen und dem Misserfolg des Musical-Theaters mit "Hair": "Wenn Sie 20 Projekte machen und es gehen Ihnen nur zwei in die Binsen, dann ist das ein großer Erfolg."

Als Perschau gegen Ende der Großen Koalition auch dem Kulturressort vorsteht, stichelt Theater-Intendant Klaus Pierwoß, er habe den CDU-Mann bislang nur einmal im Theater gesehen. Perschaus Replik: "Ich muss nicht alles kennen, was ich entscheide… nicht alles kommentieren, was er sagt."

2004, als der Space Park schon längst Geschichte war, musste sich Perschau im Parlament wegen der Pleite einem Misstrauensantrag stellen – der wird abgelehnt, aber Perschau kann kaum verbergen, wie sehr ihn das getroffen hat.

Aus gesundheitlichen Gründen schied Perschau im selben Jahr aus dem Senat aus. Er blieb aber Abgeordneter in der Bremischen Bürgerschaft.

"Er hat das gemeint, was er gesagt hat"

2007 ersetzen die Grünen die CDU als Bündnispartner der Sozialdemokraten. Für den gebürtigen Danziger ist das der Beginn des Abschieds aus der Politik, den er Ende 2009 endgültig vollzieht. Weitblick zu haben und ihn in konkretes Handeln umzusetzen, das gehörte für den Christdemokraten zum Anforderungsprofil derjenigen, die politische Verantwortung tragen. Hartmut Perschau war außerdem wichtig, dass die Menschen eines von ihm in Erinnerung behalten: "Er hat das gemeint, was er gesagt hat!"

Rückblick: Bremische Bürgerschaft wählt 1995 einen neuen Senat

Bild: Radio Bremen

Autoren

  • Martin Busch Moderator
  • Markus Daschner Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Nachrichten, 26. Juli 2022, 12:00 Uhr