Coronavirus in China: So erlebt eine Bremer Firma den Ausnahmezustand

Das Bremer Unternehmen Hansa-Flex hat einige Standorte im Osten Chinas — dort, wo sich das Coronavirus immer weiter ausbreitet. Wie beeinflusst das die Arbeit?

Kontrollen von Arbeitnehmern in China wegen des Corona-Virus

Normalerweise stellt Hansa-Flex Hydraulikschläuche zusammen, die dann nach Deutschland geliefert und hier an Großkonzerne verkauft werden. 150 Mitarbeiter sind an den sechs Standorten in China beschäftigt. Doch normales Arbeiten ist dort nicht mehr möglich. Vor allem in der Niederlassung in Shanghai, so Christian-Hans Bültemeier vom Hansa-Flex Vorstand. Die chinesische Regierung hatte wegen des Coronavirus die Frühlingsferien verlängert. Und somit blieben die Türen zu und die Mitarbeiter zu Hause. Seit diesem Montag sind die Zwangsferien für Bültemeiers Mitarbeiter aber wieder vorbei. Denn bestimmte Unternehmen, die sich rechtzeitig dafür beworben haben und nachweisen können, dass sie Regularien einhalten, haben die Erlaubnis bekommen, wieder aufzumachen.

Strenge Vorschriften für die Mitarbeiter und das Unternehmen

Regularien sind unter anderem, dass die Klimaanlage aus bleiben muss. Außerdem soll mehrmals am Tag bei den Beschäftigten die Körpertemperatur gemessen werden, Körperkontakt zu anderen soll vermieden und Konferenzen möglichst draußen abgehalten werden. Aber das ist noch nicht alles.

Es gibt Reisebeschränkungen, man muss also nachweisen, dass man arbeiten darf, sonst kommt man gar nicht raus aus den Wohnblöcken, wo man wohnt. Wir haben einen eigenen Bus, mit dem wir unsere Leute dann abholen.

Christian-Hans Bültemeier, Vorstand Hansa-Flex
Mitarbeiterin von Hansaflex reinigt einen Schrank
Das Unternehmen muss genaue Regularien einhalten. Bild: Hansa-Flex AG

Wie lange dieser Zustand noch anhalten wird, ist völlig unklar. Hansa-Flex hat bereits kurz nach dem Ausbruch in Wuhan sofortige Maßnahmen ergriffen, so Bültemeier: "Wir waren erstmal froh, dass wir in Wuhan keine Niederlassung haben. Und bis heute haben wir auch keinerlei infizierte Person in der Belegschaft. Im Januar hatten wir einen Austausch mit den Chinesen und wir haben alle, die dann zurückgekehrt sind, erstmal hier in zweiwöchige Quarantäne geschickt."

Damit sind sie dem Rat der Bremer Gesundheitsbehörde gefolgt. Für Unternehmen gibt es ein Merkblatt, was sie tun sollen, wenn sie Mitarbeiter aus China zurückholen. Denn die Behörde ist auf die Mitwirkung von Unternehmen, Uni oder auch der Hochschule angewiesen — alleine könne sie nicht sicherstellen, dass sämtliche symptomlose Einreisende nicht infiziert seien, so die Sprecherin der Behörde.

Wirtschaftliche Verluste wegen Corona?

Christian-Hans Bültemeier von Hansaflex
Christian-Hans Bültemeier von Hansa-Flex.

Doch auch wenn die Arbeit weiter geht: Die vollen Kapazitäten können zurzeit nicht ausgeschöpft werden, weil viele Zulieferer und Dienstleister noch nicht arbeiten. Umsatzeinbußen erwartet Bültemeier aber nicht. Die Lager seien gut gefüllt und somit könne man über eine längere Zeit auch ohne Ware aus China die Kunden weiterhin beliefern.

Auch Bremens Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) erwartet keine großen Verluste: "Ich bin da relativ gelassen. Es ist aber auch klar: Es wird schwierig, sollte sich eine kritische Situation in die Länge ziehen. Ich hoffe allerdings, dass das nicht der Fall ist und bin auch ganz zuversichtlich, dass die Bremer Unternehmen, diese Situation ganz gut überstehen werden."

Jedoch lässt sich das vor allem für die Logistiker noch nicht genau sagen. Der Containerterminalbetreiber Eurogate beispielsweise weiß erst in einem Monat, wie sich das Virus auf die Seefracht aus China auswirken wird, so ein Konzernsprecher. Denn die Seefracht sei vier bis sechs Wochen von China nach Bremerhaven unterwegs.

Eurogate und Hansa-Flex sind als Dienstleister besonders betroffen, das weiß auch der chinesische Generalkonsul Du. Diese Unternehmen und die Touristiker seien mehr gefährdet und würden deswegen auch Unterstützung erhalten, so Du.

Die lokalen Regierungen sind gerade dabei, Unternehmen zu helfen. Doch auch den Zeitpunkt darf man nicht vergessen: Es ist Frühlingsfest und ohne Epidemie wäre die Produktion auch still.

Du, Generalkonsul China

Autor

  • Fabian Metzner

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Bremen Zwei am Nachmittag, 12. Februar 2020, 17:20