Interview

Bremer Epidemiologe warnt: "Wir müssen unsere Kontakte runterfahren"

Wie lässt sich Omikron noch aufhalten? Hajo Zeeb fordert, dass das öffentliche Leben heruntergefahren werden muss. Niedersachsen sei da entschlossener als Bremen.

Der Epidemiologe Hajo Zeeb bei einem Interview.
Bild: Radio Bremen

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) wird am Dienstag gemeinsam mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und den übrigen Regierungschefs und -chefinnen der Bundesländer über die Corona-Lage beraten. Dabei wird es vor allem um den Kampf gegen die Ausbreitung der Omikron-Variante gehen. Der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb hält Kontaktbeschränkungen für unausweichlich.

Herr Zeeb, offenbar plant die Politik schärfere Kontaktbeschränkungen. Sie fordern das seit Wochen. Fühlen Sie sich bestätigt?
Was heißt bestätigt. Ich wünschte, es wäre anders gekommen. Als ich Mitte November einen Lockdown gefordert habe, galt unsere Aufmerksamkeit noch der Delta-Variante. Mit Blick auf Omikron müssen wir jetzt so schnell wie möglich unsere Kontakte herunterfahren. Das ist klar. Allein die Impfquote weiter hochzutreiben, wird nicht reichen. In der jetzigen Lage helfen uns nur Kontaktbeschränkungen weiter.
Gesundheitsminister Karl Lauterbach schließt einen Lockdown über Weihnachten aus. Sie klingen jetzt so, als wäre das die einzig vernünftige Maßnahme.
Omikron ist super schnell und jetzt zeigt sich, dass wir bisher zu wenig sequenzieren. Da sind wir nicht so gut. Wir wissen einfach noch zu wenig Verlässliches über die Verbreitung der Omikron-Variante in Deutschland. Wenn man die Ausbreitung von Omikron noch ansatzweise steuern möchte, sollte man so schnell wie möglich die Kontakte herunterfahren und die Besucherzahl bei Veranstaltungen ausdünnen. Der Begriff "Lockdown" wurde in Deutschland aber schon immer unscharf verwendet. Einen echten Lockdown mit weitreichenden Ausgangsbeschränkungen und so weiter hatten wir ja nie.
Im Moment scheint es aber fast so, als würde die Politik den Begriff "Lockdown" scheuen. Haben Sie auch diesen Eindruck?
Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Es stimmt aber, dass Lockdowns gerne ausgeschlossen werden. So wie anfangs auch die Impfpflicht. Das hat sich ja aber wieder gedreht. Wenn Sie einen neuen Begriff in die Debatte einbringen wollen, dann würde ich "HÖL" empfehlen: das Herunterfahren des öffentlichen Lebens. Das ist das, was jetzt nötig ist. Und zwar so schnell wie möglich.
Niedersachsen ist da schon weiter als Bremen. Die Landesregierung plant eine "Weihnachtsruhe". Auch wenn diese noch gerichtlich geprüft wird: Sollte Bremen da mitziehen?
Ich war schon immer ein Freund von einem möglichst einheitlichen Vorgehen. In Niedersachsen wurden die Weihnachtsmärkte vielerorts abgesagt, in Bremen nicht. In Niedersachsen besteht an den Schulen in dieser Woche keine Präsenzpflicht mehr, in Bremen schon. Ich hätte mir gewünscht, dass Bremen da gemeinsam mit Niedersachsen agiert. Auch weil ja nicht auszuschließen ist, dass Menschen aus dem Umland in den Ferien erst recht nach Bremen kommen.
Zum Schluss: Haben Sie einen Rat an Eltern, die jetzt darüber nachdenken, ob sie ihr Kind impfen lassen sollten?
Ganz klar: Es ist zu verantworten, Kinder ab fünf Jahren impfen zu lassen. Der indivduelle Nutzen ist geringer als der soziale, weil Kinder und Jugendliche nur ein geringes Risiko haben, schwer zu erkranken. Sie helfen mit einer Impfung aber dabei, die Ausbreitung der Virusvarianten zu verlangsamen. Diese Abwägung müssen die Eltern vornehmen.

Vier Omikron-Verdachtsfälle an Bremer Schulen

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Rundschau am Morgen, 20. Dezember 2021, 7 Uhr