Bremerhavens "Stuttgart 21": Wird der Hafentunnel bald fertig?

Die Einfahrt des Hafentunnels in Bremerhaven.

Bremerhavens "Stuttgart 21": Wird der Hafentunnel bald fertig?

Bild: Radio Bremen

Er gilt als Jahrhundertbauwerk, aber auch als umstritten: der Hafentunnel. Nach Verzögerungen und Kostenexplosionen ist laut Wirtschaftsförderung nun die Eröffnung absehbar.

Draußen hat sich das Gewirr von Absperrzäunen und Umleitungen in einer Art Kraterlandschaft gelichtet. Nur vereinzelt sind hier noch Planierraupen unterwegs. Im Stadtteil Leherheide ist ein kleiner Berg entstanden: Zigtausende Tonnen Erde türmen sich 25 Meter hoch, ein neuer Aussichtspunkt namens "Leherheider Tunnelberg".

Im Tunnel selbst halten meterhohe Betonwände links und rechts der Fahrbahn die Erdmassen. Die Lichtleisten an den Wänden wirken endlos. Durch die riesige, fast zwei Kilometer lange Tunnelröhre fahren bisher nur Testfahrzeuge – vorläufig auf Beton. Die Asphaltdecke fehlt noch.

Eigentlich sollte hier schon alles rollen. Der Bremerhavener Hafentunnel sollte längst den Verkehrsfluss zwischen Autobahn und Hafen vereinfachen und den Verkehrslärm reduzieren. 2013 war Baustart.

Zwei Jahre Verzögerung

Um insgesamt zwei Jahre hat sich der Bau verzögert. Schuld ist die offene Bauweise, sagt Nils Schnorrenberger von der Bremerhavener Wirtschaftsförderung: Die spätere Fahrbahn wurde ausgehoben und dann von oben mit einer Betonplatte abgedeckt. "Durch dieses von der Arbeitsgemeinschaft vorgeschlagene und ausgewählte Bauverfahren hat es dann ungefähr jeden zweiten Bautag Havarien gegeben."

Auch die Kosten stiegen immer weiter an, sodass Kritiker schon Vergleiche mit der Hamburger Elbphilharmonie oder dem Bahnhofsprojekt "Stuttgart 21" zogen. War in den ersten Plänen von 140 Millionen Euro die Rede, sind es inzwischen etwa 240 Millionen Euro. Hier sind die Rechtsstreits noch nicht beendet, sagt Schnorrenberger.

Sieben Monate Streit

Die Liste der Baumängel ist lang: Risse im Beton, Feuchtigkeit und vergessene Leerrohre für Datenleitungen gab es unter anderem zu beklagen. Sieben Monate hat die Stadt mit den Baufirmen gestritten. Nun soll alles in Ordnung sein – jedenfalls ist die Tunnelröhre inzwischen abgenommen. Jetzt ist das Innenleben dran: Ampeln, Beleuchtung, Brandmelder, Lüftung, Überwachungskameras, Alarm- und Notrufanlagen fehlen noch.

Es ist also noch viel zu tun. Schnorrenberger bereitet der Tunnel aber keine schlaflosen Nächte: "Die hätten wir dann, wenn durch die Baumaßnahme die Hafenanbindung stark beeinträchtigt worden wäre." Dazu aber kam es nicht.

Wenn wir hier jeden Tag enorme Staus hätten und im Hafen der Umschlag nicht so hätte stattfinden können, wenn es wirtschaftliche Konsequenzen für den Hafen bedeutet hätte, dann hätten wir hier mit den zeitlichen Verzögerungen ein echtes Problem.

Nils Schnorrenberger
Nils Schnorrenberger, Geschäftsführer der Bremerhavener Wirtschaftsförderung

Wenn jetzt keine bösen Überraschungen mehr kommen, dann ist die Eröffnung des Tunnels laut Schnorrenberger auch gar nicht mehr in so weiter Ferne: Ende 2022 könnten die ersten Pkw und Lkw zum Hafen rollen.  

Rückblick: Wie steht es eigentlich um den Bremerhaver Hafentunnel?

Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 4. Januar 2022, 8:20 Uhr