Sie ist besser als ihr Ruf: 5 Fakten zur Hafenstraße in Bremerhaven

Wie sich die Bremerhavener Hafenstraße im Laufe der Jahre wandelte

Bild: Radio Bremen | Sonja Harbers

Der Ruf ist schlecht, dabei hat die Straße aber was zu bieten: Aus diesen 5 Gründen lohnt sich ein Besuch in der Bremerhavener Hafenstraße..

Alt, arm, arbeitslos: Die Hafenstraße im Bremerhavener Stadtteil Lehe kommt in vielen Medienberichten nicht gut weg. Doch die zwei Kilometer lange Straße ist besser als ihr Ruf.

1 Kulinarische Reise um die Welt

Ein Mann und eine Frau winken in die Kamera.
Maria und Adolfo Cardoso lieben die Hafenstraße. Bild: Radio Bremen

Es gibt zig Nationen, die in der Hafenstraße ihre Restaurants eröffnet haben. Türkisch, griechisch, syrisch, vietnamesisch, bulgarisch, französisch, italienisch: Hier kann man eine kulinarische Weltreise erleben. Eine ganz besondere Institution ist die portugiesische Bäckerei Cardoso. Vorne ist Maria Cardoso die Chefin. Hinten in der Bäckerei backt Adolfo Cardoso portugiesische Kuchen. Vor sieben Jahren haben sie ihr Café gegründet. Wegen ihres Kaffees fahren einige Bremerhavener quer durch die Stadt. Und auch ihre Kuchen haben sich längst herumgesprochen.

2 Erinnerungen an prächtige Gründerzeit

In der Hafenstraße schlendert man an Gründerzeithäusern mit Erkern, Ornamenten, ungewöhnlichen Briefkästen und Balkonen vorbei. Diese prächtigen, reich verzierten Mietshäuser stammen aus der Zeit um 1908. Eine Zeit, in der in Deutschland mit die schönsten Häuser gebaut worden sind. Während die Bremerhavener Innenstadt im Krieg größtenteils zerstört wurde, blieb die Hafenstraße weitgehend verschont. So wurde sie zeitweise zur einzigen Einkaufsstraße der Stadt. Bei einigen Häusern bröckelt allerdings der Putz, manche sind abrissreif. Es gibt aber noch einiges zu entdecken.

3 Kuriose Geschäfte

Eine Frau zeichnet auf Stoff.
Das Pelz-Geschäft von Gaby Märcker kennt in der Hafenstraße jeder. Bild: Radio Bremen

Eine Institution in der Hafenstraße ist das Pelz-Geschäft von Gaby Märcker. Eröffnet wurde der Laden 1868 und ist damit das älteste Geschäft in der Hafenstraße. Der Laden der 52-Jährigen wirkt wie aus der Zeit gefallen. Denn Pelze sind nicht mehr in. Sie versucht, das Beste daraus zu machen: Aus den alten Pelzen näht sie Hüte, Teddybären oder Kissen.

Der Waschsalon in der Hafenstraße 76 ist eigentlich ein halbes Café und ein wichtiger Treffpunkt im Stadtteil. Gerade am Wochenende verabreden sich viele Menschen hier zum gemeinsamen Waschen und Kaffeetrinken. Die Kunden bekommen in der Wartezeit Kaffee und Kuchen – kostenlos. Auf der Internetseite des Waschsalons teilt Inhaber Hans Quaken vieles, was er so in seinem Laden erlebt. So etwa die Geschichte vom Räuber: "Da ist jemand maskiert mit einer Schweißermaske gekommen und hat zwei Kissen geklaut, die 2,50 Euro pro Stück gekostet haben", erzählt er. Meistens aber teilt er im Internet das aktuellste Kuchenbild: Aktuell gibt es für die Kunden Nussecken und Stollenkonfekt.

4 Großstadt-Flair

Es gibt nicht nur jede Menge internationale Restaurants, sondern auch Geschäfte: Vom syrischen Supermarkt über bulgarische Lebensmittel bis zum orientalischen Friseur. Aber auch ansonsten ist die Straße gut ausgestattet: Hier kann man ebenso Elektrogeräte und Kleidung kaufen wie auch Möbel, Brillen oder Bücher. Die Hafenstraße hat regelrecht Großstadt-Flair.

5 Im Aufwind

Es gibt natürlich auch in der Hafenstraße leerstehende Geschäfte. Dagegen unternehmen die Bremerhavener aber etwas mit dem Konzept "Springflut". In leerstehenden Läden der Stäwog kann jeder mit einem Pop-up-Store unkompliziert testen, ob seine Geschäftsidee bei den Leuten ankommt. Aktuell gibt es in der Hafenstraße zwei Pop-up-Stores auf Zeit.

Und auch Kulturveranstaltungen für junge Leute sind gerade im Aufwind. Auf dem "Zolli", einem ehemaligen Fußballplatz in der Nähe der Hafenstraße, finden regelmäßig Konzerte, aber auch Aktionen zu Themen wie "Urban Gardening" oder Imkern statt.

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 11. Dezember 2021, 19:30 Uhr